Schwäbisch Hall / Tobias Würth  Uhr
Das seit Jahren ungenutzte Vogelhaus auf der Taubeninsel in den Ackeranlagen weicht den neuen Fitnessgeräten. Einzelne Stadträte fordern, die Bekämpfung der Ratten der Lüfte aufzunehmen.

Das Taubenhaus soll abgebaut werden“, sagt Stadtplaner Christian Mathieu in der Gemeinderatssitzung Mitte Juli. Auf der Insel in den Ackeranlagen unterhalb der Stadtwerke entsteht ein Aktivpark, an dem sich die sportlichen Bürger Halls an Geräten fit machen können. Das Taubenhaus sei im Zuge der Landesgartenschau 1982 aufgebaut worden, weiß Mathieu. „Sinn und Zweck“ erschließe sich einem nicht, meint Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim über das Haus auf der Stütze.

Tatsächlich wurden Taubenhäuser einst auf Rittergütern und großen Gehöften aufgestellt. Sie kamen aber aus der Mode, da Taubenzüchter nur sehr schlecht an das Haus herankamen und die Tauben darin nicht vor Fressfeinden geschützt sind.

Der SWR filmt heute in Hall. Am Nachmittag feuern die Sieder auf dem Grasbödele Kanonen ab.

Grünen-Sprecherin Andrea Herrmann denkt nicht an den Tierschutz, wenn es ums Taubenhaus geht. Sie fordert eine Dezimierung des Federviehs. Denn dazu wurden Taubenhäuser auch eine Zeitlang genutzt. „Futter rein und dann die Eier austauschen“, schlägt die Vertreterin der Naturschutzpartei vor. Durch dieses Vorgehen könnte man die Stadttauben dezimieren. Vielleicht finde sich ja ein Freiwilliger, der das macht. OB Pelgrim gibt zu bedenken, dass sich dazu erst einmal jemand bereit erklären muss, der in der verdreckte Haus hochsteigt und das Gelege austauscht. Dabei setze man sich dem Kot und Schmutz der Vögel aus.

Ein Blick in andere Orte im Land zeigt: So einfach ist die Taubenbekämpfung nicht. Das „Pilotprojekt Taubenschlag“ in Göppingen ist krachend gescheitert. Für 25 000 Euro ließ die Stadt den Dachstuhl des Schuppens umbauen. Ein Taubenwart kümmerte sich um die Dezimierung der gefiederten Freunde. Trotz Futter und „Locktauben“: Die Ratten der Lüfte nahmen den Taubenschlag nicht an und ließen sich demzufolge dort auch nicht ihre Eier klauen.

Auch Stadträtin Ruth Striebel (FDP), die in der Innenstadt wohnt, mahnt jedes Jahr erneut an, dass gegen die zunehmende Taubenpopulation etwas getan werden sollte.

Der verstorbene Vogelexperte aus Schwäbisch Hall, Horst Schneider, hielt gar nichts von den Eier-Austausch-Programm. Nicht füttern und alle potenziellen Nistmöglichkeiten entfernen, nannte er als Lösungsweg. Oder schlicht: „Aufessen“. Er sagte damals: „Man muss sie als Eindringlinge bezeichnen.“

Zuschauerrekord: Fast 3300 Fans verfolgen das 42:34 der Schwäbisch Hall Unicorns gegen Frankfurt Universe. Beide Teams glänzen mit ihren Angriffsreihen.

Die Tiere stammen ursprünglich aus dem Mittelmeerraum, hätten hier genauso wie die Nilgänse am Unterwöhrd nichts zu suchen. Und für diese Bekämpfung gibt es Potenzial in Hall: Wer über den Roten Steg am Unterwöhrd geht, hört es an vielen Stellen gurren. Das Netz, das dort die Tauben abhalten sollte, wurde abgenommen. Einst hatte sich ein Vogel darin verfangen. Es wurde nie mehr angebracht. Jetzt brüten die Tauben munter auf den Balken direkt unter dem Brückenboden. Wenn man durch die Ritzen schaut, sieht man sie.

Stadtrat Ulrich Reichert (CDU) schlägt vor, das Taubenhaus ins Freilandmuseum zu transferieren. Dem Augenschein nach geht es im Haus auf der Kocherinsel bei den Stadtwerken nicht wie im Taubenschlag zu. Nur im oberen Bereich lugen Nestränder heraus. Vögel sieht man dort keine.

Die Stadttauben nutzen lieber andere Mauervorsprünge oder Wappensteine in der Haller Innenstadt zum Nisten. Ihr Kot zerstört die Fassaden der Gebäude. Ob von den Tauben eine erhöhte Gefahr als Überträger von Krankheiten ausgeht – schließlich gibt es noch viele andere Tiere in der Stadt – ist umstritten.

Im Internet schüren professionelle Schädlingsbekämpfer die Angst vor Tauben und werben für teure Abwehrsysteme. Selbst Laserstrahlen kommen zum Einsatz. Tierschützer formieren sich und wollen mit Studien die Harmlosigkeit der Vögel beweisen. Sicher ist: Die Hinterlassenschaften sind Brutstätten für Keime.

Christian Mathieu schlägt nun vor, einen neuen Standort für das Taubenhaus zu finden. Falls vor Ort kein Platz ist, stellt sich ein Problem: Heißt das Eiland in den Ackeranlagen in Zukunft weiterhin „Taubeninsel“? Oder sollte es folglich in „Fitnessinsel“ umbenannt werden?

Das könnte dich auch interessieren:

Das Taubertal-Festival 2019 ist zu Ende! Es war wie kein anderes zuvor: Erstmals in der über 20-jährigen Geschichte wurde das Gelände evakuiert - und die Camper waren ungeheuer artig! Am Sonntag setzten die Toten Hosen dem Festival die Krone auf.

Als die Veranstalter das Festival-Gelände evakuieren, suchen viele Gäste ein Dach über dem Kopf. Im Taubertalweg finden sie das – und geben etwas zurück.