Ein Fahrer lenkt sein Elektroauto in ein Haller Parkhaus. Das Fahrzeug braucht Energie für den Antrieb, es muss aufgeladen werden. Der Insasse fährt das E-Auto in dem Parkhaus an eine Ladestation, verbindet sie über ein Kabel mit seinem Wagen. Mit der "Hall Card" schaltet er die Säule frei, dann kann der Ladevorgang beginnen. Über einen sogenannten "Smart Meter", einen intelligenten Stromzähler, in der Station wird die Ladeenergie präzise erfasst. Der ermittelte Wert wird dann an das Abrechnungssystem weitergegeben. Auf einem Display soll, wie bei einer Zapfsäule auch, angezeigt werden, wie viel das "Auftanken" den Kunden kostet. Es soll auch zu sehen sein, wie viel eine Kilowattstunde Strom kostet - so, wie der Preis für den Liter Benzin an der Zapfsäule angezeigt wird.

Dieses Szenario soll es von April an in Haller Parkhäusern geben. Die Stadtwerke wollen zu Beginn zwei Häuser mit jeweils zwei Ladestationen für E-Fahrzeuge ausrüsten. Welche das sein werden, wird noch entschieden, im Gespräch sind Weilerwiese, Schiet, Langer Graben.

Den Kunden, die ihre Steckdose zuhause nicht nutzen könnten oder die keine Garage hätten, solle mit den neuen Säulen ein Angebot gemacht werden, sagt Ronald Pfitzer, Geschäftsführer des Stadtwerke-Bereichs Energiewirtschaft und IT. Die Stationen seien auch ein Angebot an Fremde, die mit ihren E-Autos in der Stadt unterwegs sind, sagt Peter Busch von den Haller Stadtwerken. Auch Firmen, so der Plan, sollen ausgerüstet werden.

Alle Parkhäuser in Hall besitzen Mittelspannungsanschlüsse. Bei steigender Nachfrage könnten zusätzliche Ladesäulen installiert "und die hohe Summenleistung, die sich bei gleichzeitiger Nutzung ergibt", bereitgestellt werden. "Daher sind die Parkhäuser prädestiniert zur Einrichtung von Ladestationen", so Busch.

Die Häuser stellen eine Leistung von bis zu 22 Kilowattstunden bereit, die Ladegeschwindigkeit ist höher als bei der Steckdose in der eigenen Garage. Die tatsächliche Ladeleistung und damit die Geschwindigkeit hängt laut Peter Busch aber von dem jeweiligen Elektrofahrzeug ab.

Wenn viele E-Auto-Fahrer in einem Parkhaus gleichzeitig laden würden, dann sei das eine "gewaltige Last, aber beherrschbar", sagt Johannes van Bergen, Sprecher der Stadtwerke-Geschäftsleitung. Gleichwohl könnten Ladeplätze in Parkhäusern "nicht unbegrenzt" zur Verfügung gestellt werden, betont Gebhard Gentner, Geschäftsführer des Stadtwerke-Bereichs Technik. Würden zu viele Fahrer gleichzeitig Strom ziehen, könne es Kapazitätsprobleme geben. Das Problem gäbe es in den bestehenden, älteren Parkhäusern, nicht aber im Neubau auf der Weilerwiese, in dem von vornherein dickere Leitungen verlegt werden.

Die Ladestationen sind eine Eigenentwicklung der Stadtwerke. Eine Säule kostet etwa 2000 Euro. Elektroautos verbrauchen deutlich weniger Energie als spritbetriebene Fahrzeuge: Eine Kilowattstunde Strom kostet laut van Bergen knapp 30 Cent inklusive Umsatzsteuer. Der Sprecher der Geschäftsführung ist sich sicher, dass die Bundesregierung in diesem Jahr ein Förderprogramm für E-Autos beschließen wird. "Die Kanzlerin will bis zum Jahr 2020 eine Million E-Autos, im Moment sind es 14000. Kommt das Förderprogramm, werden es schlagartig 100.000 E-Autos sein."

57 Zulassungen in zwei Jahren

E-Autos Im Landkreis Schwäbisch Hall sind laut Landratsamt derzeit 86 reine Elektrofahrzeuge zugelassen. Die meisten Zulassungen waren in den Jahren 2013 (17) und 2014 (40).

SWP