Fußball Haller Südkoreaner Hwang: „keine WM-Überraschung“

Hak Do Hwang mit der südkoreanischen Flagge. Das rot-blaue „Eum und Yang“-Symbol, die koreanische Variante des Yin und Yang, steht im Zentrum.
Hak Do Hwang mit der südkoreanischen Flagge. Das rot-blaue „Eum und Yang“-Symbol, die koreanische Variante des Yin und Yang, steht im Zentrum. © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / Hartmut Ruffer 27.06.2018
Der Südkoreaner Hak Do Hwang lebt in Hall. Er glaubt heute bei der WM nicht an eine Überraschung seines Heimatlandes, das sich kulturell sehr von Deutschland unterscheidet.

Natürlich verfolgt Hak Do Hwang die Fußball-Weltmeisterschaft. Aber mittlerweile ist der Blick darauf distanzierter, als es früher der Fall war. Hwang trat selbst gegen den Ball, spielte für die dritte Mannschaft des ehemaligen Bundesligisten SG Wattenscheid 09 in der Verbandsliga Westfalen. „Ich war Schalke-Fan, aber heute ist der Fußball nur noch Geldmacherei.“

Seit 1975 lebt Hak Do Hwang in Deutschland. Er kam mit seinen Eltern. Damals suchte die Bundesrepublik vor allem Krankenschwestern und Bergarbeiter, da es kaum ausgebildetes Personal für Minen gab. Allerdings waren nur wenige Koreaner als Bergarbeiter ausgebildet. Viele Menschen mit akademischer Ausbildung kamen, auch weil die politische Situation – in Südkorea herrschte eine Militärdiktatur – schwierig war. „Es waren im Prinzip politische Flüchtlinge“, fasst Hak Do Hwang zusammen.

1990 zog er nach Hall. Seine Frau und er sind heute die einzigen beiden in der Stadt gemeldeten Südkoreaner. Die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland und einem Land aus Fernost-Asien wie Südkorea seien groß. „So etwas kann man als Europäer kaum begreifen. Die Menschen in Südkorea werden anders erzogen, die Vorstellungen vom Leben sind auch andere.“ Ein Beispiel nennt er aus der Berufswelt. „Südkorea ist ein exportierendes Land, aber im Grunde ökonomisch zu schnell gewachsen. Es herrscht ein immenser Wettbewerbsdruck. Wenn sich Menschen, die allesamt eine höhere Ausbildung besitzen, um eine Arbeitsstelle bewerben, liegt die Quote meist bei 800:1.“

Kunde belohnt Leistung

Auch deshalb meinen koreanische Geschäftspartner, dass Deutschland ein Paradies sei, berichtet Hwang mit einem Lächeln. Er kann das in gewisser Weise nachvollziehen. „Aber auch in Deutschland wird mit Leistung gemessen. Und ist diese gut, wird das von den Kunden auch belohnt.“

Die aktuelle Annäherung Nordkoreas an die USA verfolgt Hwang mit Interesse. Das Thema Wiedervereinigung spiele gerade bei der jüngeren Generation eine große Rolle. „Die Älteren denken da etwas anders.“ Zwar wünschen sich viele die Wiedervereinigung, „aber zwischen Wollen und Können ist ein Unterschied. Seit der Teilung sind 70 Jahre vergangen, das darf man nicht vernachlässigen.“ Hak Do Hwang glaubt zwar auch, dass Korea wieder geeint sein wird, „aber momentan wird das nicht passieren. Japan, China und indirekt die USA haben ihre Interessen.“ Es sei derzeit eine zu dünne Eisschicht, wählt er einen bildlichen Vergleich.

Fußball ist in Südkorea nach Baseball die zweitpopulärste Sportart. „Relevante Profiligen gibt es darüber hinaus nur noch im Basketball und Volleyball.“ Auch wenn Südkorea vor dem abschließenden Gruppenspiel heute nur noch eine kleine Chance aufs Weiterkommen hat. „Es hat seine Daseinsberechtigung bei der Weltmeisterschaft bewiesen“, ist er sich sicher. Und die WM-Spiele sorgten auch für einen gewissen nationalen Schub.

An ein Weiterkommen glaubt er nicht. „Südkorea wird nicht 5:0 gewinnen“, meint er mit einem verschmitzten Lächeln. Deutschland werde wohl mit 2:0 siegen und ins Achtelfinale einziehen, tippt Hwang. Eventuell wird er das Spiel in Stuttgart verfolgen, wo es eine koreanische Gemeinde gibt. „Klappt das nicht, schaue ich es beim Haller Golfclub an.“

Spieler bei der SG Wattenscheid 09

Hak Do Hwang, 1962 in Südkorea geboren, kam mit 13 Jahren mit seinen Eltern nach Deutschland. Er wächst in Bochum auf, spielt zwischen 1979 und 1985 für die dritte Mannschaft des ehemaligen Fußball-Bundesligisten SG Wattenscheid 09 in der Verbandsliga Westfalen. Seit 1990 lebt Hwang mit seiner Frau in Hall. Sie haben drei Kinder. Hak Do Hwang hat mit HHS Tools sein eigenes Unternehmen, das sich auf Zerspanungswerkzeuge spezialisiert hat. Er ist Mitglied im Golfclub Hall und organisierte dort bereits zweimal das Golfturnier „Korean Day“, bei dem er über Südkorea und dessen Kultur informiert. ruf

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