Sechs Männer im Frack. Zum weißen Hemd tragen sie Fliegen. Die Instrumente tönen beim Stimmen und bringen das aufgeregte Stimmengebrabbel schnell zum Schweigen. Statt rascher Ballwechsel werden beim Kinder-Mitmach-­Konzert der Stuttgarter Saloniker in der Max-Kade-Halle klassische Noten gespielt, wird geklatscht, gelernt und gesungen.

Der fröhliche Marsch „Wien bleibt Wien“, von Georg Schrammel erklingt zu Anfang. Ab da gilt es nur zuzuhören, bis es auch ums „Mitmachen“ geht. Das fällt den rund 260 Zuhörern, darunter mehrheitlich Kinder mit teils noch jungen Geschwistern, recht leicht. Auch, weil sie nicht nur still sitzen müssen.

Ein Schlauch mit Trichter

Das gut einstündige Salonkonzert besticht durch den mit Witz und Charme moderierenden Kapellmeister Patrick Siben. Da wird die Trompete in seiner Definition „ein Schlauch mit Trichtern“, die Geige „eine Holzkiste“, mit dem Kontrabass „kann man tanzen“ und das Klavier? Das baut Siben sogar für einen Blick ins Innere auseinander. Flugs bildet sich eine dichte Traube Kinder ums Piano, für die er die Tasten und Saiten sicht- und hörbar macht.

Auf Tuchfühlung sind sie direkt vorm klassischen Salonorchester, dessen Ursprünge und Besetzung nach und nach mit dem Kapellmeister der Stuttgarter Saloniker erarbeitet wird. „Wisst ihr überhaupt, was ein Salon ist?“, ist eine der wenigen Fragen ins Publikum, die die Kinder nicht so schnell beantworten können wie die Fragen nach den Instrumenten. Fast wird zum Gag die Frage „Warum weißt du das?“ in Kombination mit der Antwort „Weil ich Trompete/Geige/Klarinette ... spiele.“

Eine erkleckliche Anzahl der Grundschulkinder scheint selbst Musik zu machen. Der Geiger Hiro Furukawa erzeugt gar Gänsehaut mit den schrillen, höchsten Tönen – „beim Saiten-kürzerMachen“, so nennt Siben die Griff­lagen. Bei einem kurzen Ausflug zu Johann Sebastian Bach tönt die Violine wieder lieblich. Und wenn Igor kräftig in die Trompete bläst, heißt es „Ohren zu“, so laut kann es dabei werden. Dass es mal eine Zeit gegeben hat, in der weder Fernsehen, Handy oder Tablet für Unterhaltung im Wohnzimmer gesorgt haben, ist kaum mehr vorstellbar. „Wer vor 100 Jahren Musik hören wollte, musste sie selber machen“, erzählt Siben. Er hat vor rund 30 Jahren die Stuttgarter Saloniker gegründet, gerade weil er „handgemachte, klassische Musik voller Lebensfreunde“ machen wollte. Der ausgebildete Kirchenmusiker gibt in Frack und Pelzmütze mit der klassischen Sech­-
ser-­Besetzung eine Kostprobe, die gefällt, herzhafter Applaus ertönt auch zwischendurch.

„Kinder-Mitmach-Konzerte“ geben die Stuttgarter Saloniker jeden Monat im Marmorsaal, darin sind sie geübt. „Aber es ist jedes Mal anders“, lächelt Siben. In der Max-Kade-Halle ertönt nun „Unter dem Sternenbanner“ nach dem elegant gleitenden „Schwan“ aus dem Karneval der Tiere mit Cello und Klavier. Das junge Publikum darf „Mitreiten“ bei den Klängen aus der Operette „Leichte Kavallerie“ und klatscht lautstark im Takt. „Bravo, die Kinder haben einen tollen Groove“, lobt Kapellmeister Patrick Siben den Einsatz. Dann geht es auf „Petersburger Schlittenfahrt“ und durchs Publikum kreisen die Schlittenglocken. „Wir hören nicht eher auf, bis jeder dran war“, regt der Salonmusiker die Weitergabe an.

Radetzky-Marsch als Zugabe

„Wir wollten den Kindern ein Geschenk machen“, meint Jochen Old, Chorleiter, Lehrer und Vorstand des Fördervereins an der Grundschule Steinbach zum Auftritt der Stuttgarter Saloniker. Der inklusive Chor mit Sängern von der erste bis sechste Klassenstufe singt zum Abschluss noch mit dem Orchester und dem Publikum „Let it snow“. Bei der Zugabe, dem Radetzky-Marsch, dreht sich das Spendenkörbchen für die Musiker und wird gern gefüllt.

Info Die Stuttgarter Saloniker treten am 15. Januar in der Kulturscheune in Schwäbisch Hall auf. Um 17 Uhr ist das Kinder-Mitmach-Neujahrskonzert, um 19 Uhr beginnt das Neujahrskonzert für Erwachsene. Karten gibt es an den bekannten Vorverkaufsstellen.

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