Sturmschaden Stromautobahn soll Mittwoch wieder offen sein

Oliver Färber 09.01.2018

Jeder könnte sich sicher Angenehmeres vorstellen, als an einem Sonntagmittag bei starkem, eiskalten Wind in 30 Metern Höhe auf einem Metallgestell herumzuklettern. Doch für die Facharbeiter, die bei Eschental im Einsatz sind, ist das alltäglich. Während sie in luftiger Höhe, an Gurten gesichert, schrauben, sieht die Hinterlassenschaft des Sturms Burglind, der den Sondereinsatz nötig gemacht hat, ein paar Meter weiter surreal aus: Zwei der sonst so gewaltig aussehenden Stahlmasten liegen wie ineinandergebogen am Boden, als hätte sie sich ein Riese geschnappt und zerdrückt.

Selbst erfahrene Fachleute, die jahrzehntelang in diesem Bereich tätig sind, haben solch eine Szenerie noch nie erlebt. Dass Schneebruch Stromstrecken unterbrochen hätte, das ja. Aber Wind? Das kennen sie nicht. Mit notwendigem Sicherheitsabstand stehen mehrere Vertreter der Transnet BW, die das Fernleitungsnetz betreibt, in der Nähe der Masten. Sie informieren Presse und ein Filmteam, das gerade Eindrücke mit der Videokamera einfängt. Annett Urbaczka, Leiterin Unternehmenskommunikation bei Transnet BW, beobachtet vor Kälte schlotternd die Arbeit der Fachleute. Sie fragt sich, wie kühl es wohl dort oben ist. Und dabei hat das Ersatzgestell noch nicht mal seine Endhöhe erreicht.

„Die drei werden jeweils 34 Meter hoch“, weiß ihr Kollege Gerhard Hügler. Das müsse so sein, damit diese die zwei total beschädigten Masten provisorisch für die nächste Zeit ersetzen können. Denn die Länge der Kabel und die notwendigen Abstände zwischen den Trägern und dem Boden müssten genau stimmen, damit die Strecke wieder in Betrieb gehen kann.

Auch er kann sich nicht genau erklären, wie die Winde von Burg­lind es geschafft haben, solch einen Schaden anzurichten. Er kann – während er die Schultern hoch zieht – nur mutmaßen: „Vielleicht hat es hier einen Wirbel gegeben.“ So etwas habe er auch von den Eschentalern gehört. Wirkliche Augenzeugen gebe es aber nicht.

Dafür viele Einheimische, die viel Verständnis für die Arbeit der Transnet BW und der beauftragten Firmen haben, die nun schnell arbeiten müssen. „Wir bekommen viel Unterstützung“, berichten Hügler und Urbaczka unisono. Die schweren Maschinen und andere Fahrzeuge dürfen auf die Felder, Wege und andere private Grundstücke. Ein Anrainer hat es erlaubt, dass Material und die Einsatzzentrale auf seinem Gelände unterkommen. Das helfe ungemein, dass die Aktion verkürzt werde, sagen die Transnet-Vertreter. Denn auch wenn der Strom nun über Ersatzleitungen fließt, soll die Strecke von Kupferzell nach Goldshöfe nach derzeitigen Plänen am Mittwoch wieder in Betrieb gehen. Sollte nämlich eine weitere Strecke beschädigt werden, könnte es schon zu einem Problem werden. „Von diesem Ausfall hier wurde aber sicher nichts bemerkt“, erklärt Alain Kaptue Kamga von Transnet. Eine Ersatzschaltung habe sofort gegriffen.

Fachleute meinen, dass sich der Strom wahrscheinlich schon abgeschaltet habe, während die Leitung heruntergefallen ist. Trotzdem ist der Betreiber froh, dass es auch am Donnerstag schnelle örtliche Unterstützung gegeben habe: Der Kupferzeller Bauhof hat sämtliche Wege schon kurz nach dem Unglück weiträumig abgesperrt, damit niemand in die Gefahrenzone konnte.

Wann das Provisorium wieder durch richtige Masten ersetzt werden kann, das weiß noch keiner ganz genau – auch nicht wie hoch der entstandene Schaden ist. „Die neuen Masten müssen erst einmal bestellt und hergestellt werden“, macht Hügler deutlich. Die umgeknickten Metallhaufen seien völlig unbrauchbar. Und selbst wenn der Ersatz da sei, müssten wahrscheinlich neue Fundamente gelegt werden. „Unter zwei Monate läuft da nichts“, zeigt der Fachmann einen Zeithorizont auf.

Unfall auf der Stromautobahn

Das Energienetz ist in verschiedene Ebenen aufgeteilt. Es ist in etwa mit dem Straßennetz vergleichbar – auch was die Verkehrsmenge, in diesem Fall die Spannung, angeht. Die Leitungen an den zwei Masten, die in Kupferzell-Eschental vom Sturm Burglind geknickt wurden, transportieren mit 380 000 Volt – der höchsten Spannung in Deutschland – Strom über weite Strecken, könnten als Stromautobahn angesehen werden. In diesem Fall führt sie von der Umspannungsstelle Kupferzell nach Goldshöfe bei Aalen, Luftlinie rund 50 Kilometer. Diese Verbindungen sind in Ringleitungen ausgelegt, so dass, wenn nicht gleichzeitig mehrere Strecken beschädigt werden, Defekte keine bemerkbaren Auswirkungen haben.

Stromausfälle entstehen meist, weil es Defekte in den Mittelspannungs-, eher aber noch in den Niederspannungsbereichen gibt. In den Umspannwerken der mittleren Ebene, vergleichbar mit Bundes- oder Landstraßen, wird die Höchstspannung regional von 380 oder 110 Kilovolt auf 20 Kilovolt heruntergesetzt – und von dort weiter auf örtliche Transformatoren geleitet. Erst dort entstehen dann die 230 oder 400 Volt für den Hausgebrauch. fär