Mainhardter Markt Strohhut, Rind und Leckereien

Mainhardt / Maya Peters 10.08.2018
Es ist eine Qual der Wahl zwischen den Waren der 120 Ständen auf dem Mainhardter Markt. Die örtlichen Vereine beteiligen sich besonders kulinarisch.

Wir gehen erst Mittag essen, dann gemütlich über den Krämermarkt. Kaffee und Kuchen gibt’s zwischendurch von den Landfrauen am Rathaus. Und zum Abschluss gönnen wir uns noch eine leckere Weinschorle“, zählt Alwine Kärcher aus Neunkirchen bei Michelfeld ihr straffes Programm für den „Mainhardter Nationalfeiertag“ auf. Sie ist gemeinsam mit Steffi Epple auf dem Mainhardter Markt unterwegs und genießt nun im Schlösslespark ihr Brutzelfleisch. „Ich dachte schon, ich krieg nichts mehr zu essen“, meint Epple mit einem Augenzwinkern. Denn vor lauter Bekannten sei man schier nicht zu den Ständen vorgedrungen. „Wen man das ganze Jahr über nicht trifft, den sieht man heute garantiert“, entschuldigt sich Kärcher schmunzelnd.

„Reinigen, ohne zu putzen“, heißt es an einem Stand. Ein anderer Händler verkauft spezielle Tücher für den Haushalt und preist deren Wirkung lautstark per Mikrofon an. Auch stumpfe Messer werden geschärft, Strohhüte, Wolle, Obst oder Textilien verkauft. Bei traditioneller Musik werden mittags an der „Alten Post“ die ersten Bierkrüge gestemmt – von einer meist maskulinen Gesellschaft. Es ist eine Veranstaltung, die nostalgische Gefühle hervorrufen kann. Denn sie sind selten geworden, die Krämermärkte. Zur Stärkung wird bis acht Uhr am Rotkreuz-Stand noch für alle Frühaufsteher Kaffee gratis ausgeschenkt. Um neun Uhr beginnt der Markt. Laufmüde oder schwer bepackte Gäste fahren mit dem kostenlosen Bähnle von den Parkplätzen zur Ortsmitte und zurück.

Zauberbälle sind eine Attraktion

„Bei mir gibt es nichts, was sich nicht verkauft“, guckt sich Wolfgang Heiler aus der Nähe von Augsburg zufrieden in seinem Wagen um. Er bietet seit 26 Jahren auf dem Mainhardter Markt Kinderträume an – Kuscheltiere, Fahrzeuge und allerlei anderes Spielzeug. Der neunjährige Jan strahlt über das ganze Gesicht. Er hat sich eine Packung „Zauberstifte“ von seinem eigenen Geld gegönnt. Eine der kindlichen Hauptattraktionen scheinen heuer „Zauberbälle“ zu sein, die beim Werfen größer werden. Neben Aufführungen auf der Bühne des Marktplatzes spielt in der Waldhalle ein Kindertheater.

Ein Ehepaar aus Michelbach an der Bilz ist bereits einmal durch die vielen Gassen geschlendert und pausiert nun bei einer Currywurst. Gekauft haben sie sich bisher nichts. „Unsere Schränke sind voll. Doch es ist immer wieder nett hier. Wenn wir Urlaub haben, gönnen wir uns den Tag“, meinen die beiden zufrieden. Nur die Jungviehprämierung der Rinder am Morgen hätten sie leider verpasst.

Mehrere landwirtschaftliche Betriebe aus der Umgebung haben an der zweijährlichen Prämierung teilgenommen. Der Werkhof kehrt unter Staubwolken mittags den übrig gebliebenen Sand und Streu von der Straße. „Es ist toll, dass die Kinder die Kühe richtig sehen können“, lobt Helmut Fischer das traditionelle Element des sogenannten Krämer-, Vieh- und Schweinemarkts, welches früher auch den Viehhandel mit einschloss. Er meint: „Der Markt wird jedes Jahr beliebter“. Das sei in der Geschichte des um 1863 eingeführten Augustmarkts nicht immer so gewesen. Dieser hat eine kuriose Marktregel: Er findet stets am achten des Monats statt, aber nie an einem Wochenende, dann wird er auf einen Montag verschoben.

Es duftet verführerisch

Fischer hat beim Liederkranz in der Alten Schule zwei Stunden lang Geschirr gespült – die Sänger bieten dort Maultaschen an – und versieht nun seinen Dienst bei „Marketing Mainhardt“. So wie er halten es viele Ortsansässige: Sie engagieren sich ehrenamtlich an den verschiedenen Stationen. Insektenhotels und verzierte Baumscheiben können Kinder am Stand der Jäger des Mainhardter Walds fertigen. Der VfL Mainhardt schminkt die Jüngsten. Es riecht verführerisch nach all den Köstlichkeiten, die vom Gailsbacher Musikverein, der Ortsgruppe des DRK und anderen angeboten werden.

Am Morgen noch wurde Thea Weber für 25 Jahre Marktzugehörigkeit von Bürgermeister Damian Komor geehrt, doch ihr Tag endet verfrüht. Sie stürzt so un­glück­lich, dass ihre Enkelin den Stand mit Wela-Suppen und Kunsthandwerk allein weiterführt. Gegen Nachmittag wird es zwischen den Marktständen ziemlich ruhig. „Es ist einfach zu warm heute“, meint Schmuckverkäufer Elmar Krumsieg und wischt sich mit dem Tuch über die Stirn. Das merkt auch „Mister Softeis“, wie er sich selber nennt. Er hat alle Hände voll zu tun und füllt Hunderte von Waffeln mit der kühlen Masse, die in Sekundenschnelle schmilzt. Der kurze Regen und das Donnergrollen tun der Feststimmung kaum einen Abbruch.

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