Region Streik der Lokführergewerkschaft: Ballungsraum stärker betroffen als ländliche Region

Nichts geht mehr auf den Schienen: Von Donnerstag 2 Uhr an werden diese Texte auf fast allen Anzeigetafeln auf deutschen Bahnhöfen zu sehen sein.
Nichts geht mehr auf den Schienen: Von Donnerstag 2 Uhr an werden diese Texte auf fast allen Anzeigetafeln auf deutschen Bahnhöfen zu sehen sein. © Foto: Imago
Region / HARTMUT RUFFER 05.11.2014
Die Gewerkschaft der Lokführer (GdL) hat einen mehr als viertägigen Streik angekündigt. Größere Unternehmen in der Region sehen dem gelassen entgegen. Wer aber nach Stuttgart pendelt, hat wohl Probleme.

Dienstagnachmittag kündigte die Gewerkschaft die neue Arbeitsniederlegung an: von Donnerstag, 2 Uhr, bis Montag, 4 Uhr, im Personenverkehr. Ab heute Nachmittag 15 Uhr soll bereits der Güterverkehr bestreikt werden.

Unsere Zeitung hat vor der Ankündigung einige Unternehmen befragt. In der Bausparkasse werde es nur eine geringe Auswirkung geben, meint Unternehmenssprecher Siegfried Bauer. "Viele Mitarbeiter kommen mit dem Auto oder mit dem Bus." Der Busfahrplan sei besonders ausgeklügelt, so dass es zeitlich fast keinen Unterschied zum Auto gebe. Dazu kommt, dass die Bausparkasse auch nicht in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs ihren Sitz hat.

Dies ist aber beispielsweise bei R. Stahl der Fall. Der Waldenburger Explosionsschutzexperte hat seinen Firmensitz direkt an der A6 - und an der Bahnlinie. Doch auch dort ist man ob des Streiks gelassen. Kerstin Wolf, Referentin Unternehmenskommunikation bei R. Stahl, berichtet, dass es keine Notfallpläne gebe. "Da die Streiks rechtzeitig angekündigt werden, stellen sich unsere Mitarbeiter darauf ein." Diese würden mit dem Auto oder Bus zur Arbeit kommen.

Gleich neben R. Stahl hat der Künzelsauer Ventilatorenhersteller Ziehl-Abegg gebaut. Auch dort sei der Lokführerstreik kein Problem, so Unternehmenssprecher Rainer Grill. "Der Vertrieb läuft zu großen Teilen über die Straße. Eine längere Totalsperrung der A6 wäre in diesem Zusammenhang schwieriger für uns." Und da in den Werken die Schicht teilweise um 5 Uhr beginnt, würden diese Mitarbeiter mit dem Auto zur Arbeit fahren.

Auch bei der Polizei wird teilweise im Schichtdienst gearbeitet. Einige Polizisten aus dieser Region pendeln regelmäßig nach Stuttgart. Zwar rechnet Jens Lauer, Sprecher der Polizei in Stuttgart, nicht damit, dass Schichtpläne verändert werden müssten. "Aber der Berufsverkehr wird mindestens eine Stunde früher einsetzen" - einhergehend mit Parkplatzproblemen. Seiner Erfahrung nach hätten viele Schichtarbeiter, die aus der weiteren Umgebung kommen, in Stuttgart eine Unterkunft. Denn zwischen den Schichten habe es zeitlich wenig Sinn, nach Hause zu fahren.

Stimmt die Stichprobe, dann spüren die Unternehmen und deren Mitarbeiter im ländlichen Raum den Streik vorerst weit weniger als Firmen und Menschen in den Ballungsräumen.

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