Verkehr Straßenfest für Orlacher Steige sprengt alle Erwartungen

Große Freude an der Orlacher Steige: Mit so vielen Gästen und Zweiradfahrern hätte am Samstag in Braunsbach niemand gerechnet. Das Interesse an der Wiedereröffnung der Landesstraße ist groß.
Große Freude an der Orlacher Steige: Mit so vielen Gästen und Zweiradfahrern hätte am Samstag in Braunsbach niemand gerechnet. Das Interesse an der Wiedereröffnung der Landesstraße ist groß. © Foto: Oliver Färber
Braunsbach / Oliver Färber 10.09.2018
Mit so viel Interesse hätte in Braunsbach niemand gerechnet: Weit über 1000 Besucher kommen zum Fest zur Wiedereröffnung der Landesstraße nach Orlach.

Egal, welcher Braunsbacher am Samstag über das Straßeneröffnungsfest spricht – Bürgermeister, Vereinsvertreter, Geschäftsleute –, keiner hätte erwartet, dass am Nachmittag so viele Besucher ins Kochertal kommen. Sie alle wollen dabei sein, um dort die – fast – abgeschlossene Sanierung der Orlacher Steige zu feiern. Die Landesstraße zwischen Braunsbach und Orlach wird nämlich am Mittwoch, mehr als zwei Jahre nach der Zerstörung durch das Unwetterunglück, wieder frei gegeben.

Bereits um 15 Uhr sind die ersten Besucher da. Beim Kinderflohmarkt locken Schnäppchen. Kinder mit ihren Eltern oder anderen Verwandten haben ihren Spaß beim Boote basteln – und dabei, sie hinterher bei einer Regatta auf dem Orlacher Bach fahren zu lassen. Wer sich für die Arbeiten an der Steige interessiert, bekommt bei einer Führung mit den Fachplanern Informationen aus erster Hand.

Dann ist der große Moment gekommen: Bürgermeister Frank Harsch hat die Ehrengäste beim Feuerwehrmagazin um sich versammelt. Martin Ziegler, Projektleiter der beauftragten Satteldorfer Baufirma Leonhard Weiss, berichtet, welche Anstrengungen seit der Auftragserteilung am 26. Oktober 2017 unternommen wurden, um das Bachbett wieder zu sichern und die Straße zu sanieren. „Es war ein gutes Miteinander, ein super angenehmes Arbeiten“, lobt er den Kontakt zu den Bürgern.

Sein Chef, Leonhard-Weiss-Geschäftsführer Volker Krauß, erinnert sich daran, wie die Nachricht vom Unwetterunglück bei ihm aufschlug. Schon morgens um 5.30 Uhr seien die ersten Mitarbeiter vor Ort gewesen. „Uns wurde klar, dass wir mehr als einen Laster und Bagger brauchen“, erzählt er. Von anderen Baustellen seien Mitarbeiter und Geräte abgezogen worden, bis zehn Bagger und 30 Laster in Braunsbach im Einsatz waren. Der Erste Landesbeamte Michael Knaus sei noch in der Nach um 22.30 Uhr gekommen, habe den Einsatzstab eingerichtet.

„Auch dank der Feuerwehr ist an diesem Abend niemand ernstlich verletzt worden“, berichtet er – eines von drei Wundern für ihn. Das zweite sei die schnelle, starke Hilfe der Satteldorfer Baufirma, die innerhalb von 14 Tagen 45 Tonnen Kies aus dem Ort entfernt habe. Und dann noch die finanzielle Hilfe des Landes, die am Ende bei rund 50 Millionen Euro liegen werde. „Alle haben Wort gehalten“, so Knaus.

Andreas Hollatz, Abteilungspräsident beim Regierungspräsidium Stuttgart, sagt: „Ich bewundere die Anwohner, was sie in der Zeit geleistet haben.“ Jürgen Elser, Bauleiter des Regierungspräsidiums in Schwäbisch Hall, berichtet von weichen Knien als er das erste Mal nach dem Unglück Braunsbach besucht habe.

Die Kinder warten schon auf den Start ihrer Luftballone. Da brummen die Zweiräder – Mofas, Mopeds und Motorräder – die Steige zur Eröffnung herunter. Am Ende sind es mehr als 100. Bürgermeister Harschs Kommentar: „Der Wahnsinn.“

Zahlen, Daten, Fakten zur Baustelle an der Steige

Projektleiter Martin Ziegler von der Baufirma Leonhard Weiss hatte etliche Fakten zur Sanierung der Orlacher Steige parat. Es wurde zur Auffüllung rund 3000 Kubikmeter Erde eingebaut, dazu 2500 Tonnen Steinmaterial in 1000 Kubikmeter Beton verlegt. Für die Bewehrungen wurde 10 000 Tonnen Schotter verwendet, 600 Drahtkörbe mit einem Volumen von 1100 Kubikmetern. Sie wurden mit 250 000 Klammern befestigt. Für die Straße wurden rund 1000 Tonnen Asphalt benötigt.

Der Kanal wurde zudem neu verlegt. Dazu wurden 625 Meter Rohre mit Durchmesser DN250 vergraben. 13 Schächte gibt es unterwegs. Gleichzeitig wurden auf der Strecke rund 6500 Meter an Kabelschutzrohren installiert. fär

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