Außenhandel Stiller Rückzug vom Persischen Golf

Mit seiner großen Bevölkerung und dem hohen Investitionsbedarf – auch in puncto Infrastruktur – galt der Iran als interessanter Markt. Nun steht die Zukunft des Iran-Geschäfts auf dem Spiel. 
Mit seiner großen Bevölkerung und dem hohen Investitionsbedarf – auch in puncto Infrastruktur – galt der Iran als interessanter Markt. Nun steht die Zukunft des Iran-Geschäfts auf dem Spiel.  © Foto: Polaris/laif
Hohenlohe / Frank Lutz 17.08.2018
Nach den jüngsten politischen Entwicklungen geben viele regionale Betriebe ihr Iran-Geschäft auf. Das vermutet zumindest die IHK. Viele Unternehmen äußern sich zu dem Thema allerdings gar nicht oder nur zurückhaltend.

Vor gar nicht langer Zeit galt der Iran als interessanter Markt mit knapp 80 Millionen Konsumenten und hohem Investitionsbedarf. Anfang 2016 trat das Atomabkommen in Kraft, das China, Frankreich, Großbritannien, Russland, USA und Deutschland mit dem Iran ausgehandelt hatten, und die Vertragspartner hoben ihre Sanktionen auf. Nach Information der IHK Heilbronn-Franken stieg der deutsch-iranische Außenhandel 2017 daraufhin gegenüber dem Vorjahr um 16 Prozent und erreichte einen Wert von rund drei Milliarden Euro.

Doch damit ist es vorerst vorbei: Im ersten Quartal dieses Jahres lag der deutsch-iranische Außenhandel um zwei Prozent niedriger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Inzwischen haben die USA das Atomabkommen aufgekündigt und ihre Sanktionen wieder eingesetzt. Mehr noch: US-Präsident Donald Trump droht Unternehmen, die weiter mit dem Iran handeln, mit negativen Konsequenzen auf dem amerikanischen Markt.

Zahlen aus der Region

Welche Auswirkungen haben die jüngsten Entwicklungen auf Firmen in der Region? Nehmen sie den Iran als wichtigen Markt wahr oder lassen sie sich von Trumps Drohungen beeindrucken? Laut IHK exportieren etwa 243 Unternehmen in der Region Waren in den Iran – oder haben es in der Vergangenheit getan. Vier Betriebe haben eine Niederlassung vor Ort. Diese Zahlen seien aber nicht unbedingt verlässlich, da kein Unternehmen verpflichtet sei, gegenüber der Kammer seine Auslandsbeziehungen offenzulegen, berichtet Carsten Bacher, Referent für Außenwirtschaft und Steuern.

Auch wie viele Unternehmen sich aufgrund der jüngsten Entwicklungen aus dem Iran-Geschäft zurückgezogen haben, sei nicht festzustellen. Doch angesichts des Rückzugs von Daimler und regionaler Unternehmen wie des Nordheimer Armaturenspezialisten AS Schneider fügt Bacher hinzu: „Wir gehen davon aus, dass andere Unternehmen diesem Beispiel folgen werden, damit aber nicht an die Öffentlichkeit gehen werden.“

Tatsächlich halten sich viele Unternehmen auf Anfrage unserer Zeitung bedeckt und wollen keine Stellung beziehen. Kärcher verweist immerhin auf ein Interview mit den „Stuttgarter Nachrichten“. Hartmut Jenner, Chef des Winnender Reinigungsspezialisten mit Werk in Obersontheim, bestätigt darin, dass Kärcher nicht mehr in den Iran liefert. Er begründet dies mit dem komplizierten Geldtransfer. Der Iran sei für Kärcher zwar nie ein bedeutender Markt gewesen, der Rückzug sei aber auch eine Reaktion auf die US-Handelspolitik.

Ziehl-Abegg belässt es bei einem knappen Statement zu früheren Aktivitäten: „Wir haben in der Vergangenheit in geringem Umfang mit dem Iran Geschäfte gemacht, und zwar mit Aufzugsmotoren“, sagt Rainer Grill, Pressesprecher des Künzelsauer Ventilatorenbauers.

„Erhebliche Auswirkungen auf die Iran-Geschäfte der deutschen Wirtschaft“ sieht Voith durch die US-Sanktionen. „Hauptgrund hierfür ist die Zurückhaltung in der Finanzierung von Projekten seitens der Banken, die sich durch die neuerlichen US-Sanktionen nun mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit noch einmal verstärken wird“, erklärt ein Unternehmenssprecher des Heidenheimer Technikkonzerns mit Standort in Crailsheim. Ohne eine Unterstützung der Banken in der Projektfinanzierung werde es kaum noch möglich sein, wichtige Infrastruktur-Vorhaben abzuschließen. Bei Voith seien aus heutiger Sicht künftige Aktivitäten insbesondere in den Märkten Öl und Gas, Rohstoffe, Transport sowie Energie betroffen. Völlig zurückziehen aus dem Land will sich Voith aber nicht.

Beachtlicher Bedarf

Ein anderes Unternehmen, das die Kontakte zu seinen iranischen Kunden weiter aufrechterhalten werde, ist Illig. Der Heilbronner Maschinenbauer liefert seit Jahren Maschinen und Werkzeuge in den Iran, mit deren Hilfe Kunststoffanwendungen hergestellt werden können. „Im Iran besteht ein beachtlicher Bedarf für europäische Verpackungslösungen“, berichtet Geschäftsführer Karl Schäuble. Mit den Kunden habe es niemals Probleme gegeben, jetzt stelle sich aber eine neue Schwierigkeit: „Aufgrund der Sanktionen ist derzeit der Zahlungsverkehr mit dem Iran ungeklärt.“ Daher sei unklar, wie sich die Geschäfte mit dem Iran in Zukunft weiterentwickeln werden.

Es gibt auch Lichtblicke, vor allem bei kleineren Betrieben aus Branchen fern des Maschinenbaus: Der Haller Teppichfachhändler Hall Teppich-Welt exportiert keine Waren in den Iran, bezieht aber 20 Prozent seiner Teppiche von dort. Schwierigkeiten auf dem iranischen Markt gebe es bisher nicht – auch nicht durch die Drohungen des US-Präsidenten. Geschäftsführer Ahmad Reza Kargar, der aus dem Iran stammt, gibt sich optimistisch: „Das könnte gut werden, da bestimmte Waren gut verkäuflich sind. Wir hoffen, dass die Sank­tionen nicht auf Europa übergreifen.“

336

Millionen Euro betrug 2017 das
Ausfuhrvolumen aus Baden-Württemberg in den Iran, fast 52 Millionen Euro mehr als 2016. Das Einfuhrvolumen lag bei gerade einmal 8,3 Millionen Euro.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel