Bühne Stets schwingt eine Schwermut mit

An der Bar lässt sich gut lästern und philosophieren: Die Theaterpädagoginnen zeigen ihr Stück „Bier für Frauen“.
An der Bar lässt sich gut lästern und philosophieren: Die Theaterpädagoginnen zeigen ihr Stück „Bier für Frauen“. © Foto: Sonja Alxa Schmitz
Schwäbisch Hall / Sonja Alexa Schmitz 10.02.2018

Sie sind gelangweilt, oberflächlich und derb, sie sind offen, sie streiten und sie lieben sich, sie müssen aufs Klo und reden über ihre Periode – und bei all dem sind sie besoffen. Die acht Frauen, die den vielen Zuschauern im Theatersaal des Alten Schlachthauses das Stück „Bier für Frauen“ präsentieren, haben es nicht leicht: Sie müssen eine Stunde lang Frauen spielen, die im Rausch sind – und das, laut Regieanweisung, ohne einen Schluck Alkohol.

Die Idee des Stücks stammt von Felicia Zeller. Sie hat Frauen in Kneipen beobachtet und ihre Gespräche belauscht. Dabei ist ein Konvolut an Szenen zusammengekommen – 130 Seiten. Diese Masse prallen Lebens hat der Kursleiter Volker Schubert mit den angehenden Theaterpädagoginnen so „zusammengeschnurrt“, dass sie eine äußerst unterhaltsame Stunde füllen.

Skurrile Atmosphäre

Einen roten Faden sucht man vergeblich, wiedererkennbare Figuren ebenso. Beides braucht es nicht. Man lässt sich einnehmen von der skurrilen Atmosphäre, die die berauschten Frauen schaffen. Sie liegen auf rollenden Kissen, sitzen an einer Bar, tanzen oder schlagen sich mit Plastikgitarren.

Ein Clou: Ausschnitte werden mit der Kamera gefilmt und auf eine Leinwand projiziert. Mal ist das Gesicht einer Frau auf dem Boden zu sehen, mal schaut das Publikum auf die Leinwand wie in einen Spiegel, vor dem zwei Frauen sich schminken und dabei über ihre Periode plaudern.

Echte Gespräche sind selten. Aber es gibt kleine Geschichten: etwa von jener Frau, die über den Namen eines Mannes rätselt, mit dem sie sich betrunken hat. Eine Dame hat einmal gehört, wie eine Frau einen Milchkaffee ohne Milch bestellte. Eine regt sich über verkrampft-lustige Werbung auf Cornflakes-Packungen auf. Lästern gehört dazu.

In Zeitlupe spielen die Akteurinnen eine Bierwerbung nach – stets mit einem leicht hypnotisierten Blick ins Leere. Das Publikum lacht. Die Protagonistinnen rufen nach ihrer Gaudi-Claudi, sie tanzen im Liegen und flippen sich ins Delirium.

Schwelende Sehnsucht

„Müssen wir eigentlich immer hier sitzen und trinken? Können wir nicht mal was Schönes machen?“, fragt eine. Da tritt etwas zutage: Langeweile und Sehnsucht. Obwohl trinken, reden, lachen, tanzen zunächst reizvoll klingt, hängt doch über allem eine Schwermut. Diese machen die angehenden Theaterpädagoginnen spürbar – von der Autorin herausgehorcht aus dem Leben und honoriert mit kräftigem Applaus.

Info Mitgespielt haben Alice Buresova, Heidrun Häffner, Theresa Müller, Anna-Carina Pilzecker, Anne-Lisa Röser, Stephanie Rumm, Andrea Schöller und Inge Schmitt. Die Aufführungen bildeten den Abschluss des zweiten Jahres der Grundlagenbildung der LAG Theaterpädagogik BW am Standort Hall in Zusammenarbeit mit der Haller Volkshochschule. Anmeldungen für das nächste Semester sind noch bis 25. Februar möglich.