Schwäbisch Hall Stroke Unit im Haller Diak wieder zertifiziert

Dr. Oliver Sauer arbeitet seit zehn Jahren als Oberarzt am Haller Diak.
Dr. Oliver Sauer arbeitet seit zehn Jahren als Oberarzt am Haller Diak. © Foto: Diak
Schwäbisch Hall / Manuela Giesel 20.08.2018
In der Stroke Unit am Haller Diakonie-Klinikum stehen Mediziner rund um die Uhr für Schlaganfall-Patienten bereit.

So genannte Stroke Units sind Schlaganfalleinheiten, die sich auf die Diagnose und Therapie des Schlaganfalls spezialisiert haben. Vor Kurzem wurde die regionale Stroke Unit am Haller Diakonie-Klinikum von der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft und der Deutschen Schlaganfall-Hilfe erneut zertifiziert. Dr. Oliver Sauer, Oberarzt an der Neurologischen Klinik im Diak ist sich sicher: „Schlaganfall-Patienten, die in Deutschland rechtzeitig eine Stroke Unit erreichen, erhalten heute eine Behandlung auf sehr hohem Niveau – und das an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr.“

Der Schlaganfall sei nach Krebs- und Herzerkrankungen die dritthäufigste Todesursache im Land. Jährlich erleiden bundesweit rund 270.000 Menschen einen Schlaganfall. 50 bis 70 Prozent aller Schlaganfall-Erkrankungen könnten sich durch gezielte Vorsorge und gesunden Lebensweise verhindern lassen, ist der Arzt überzeugt.

Impuls und Bestätigung

Heuer hat die Neurologische Klinik am Diak nun zum vierten Mal in Folge die Zertifizierung der Schlagfalleinheit erhalten. Dies bedeute für die Menschen in der Region in erster Linie Sicherheit und Gewissheit, nach aktuellem Qualitäts- und Wissensstand behandelt zu werden, so Sauer. Das interdisziplinäre Behandlungsteam erhalte ständig neue Impulse sowie eine Bestätigung der Leistung des ganzen Teams: bestehend aus Rettungsdiensten, Neurologen, Radiologen, Labormedizinern, Kardiologen, Neurochirurgen sowie Logopäden, Ergo- und Physiotherapeuten.

Schnell erkennen mit FAST-Test

Die Behandlung des Schlaganfalls ist immer ein Wettlauf gegen die Zeit. „Viele Menschen verkennen die Krankheitszeichen und wissen im Notfall nicht, was sie tun sollen“, so der Mediziner, der seit zehn Jahren als Oberarzt am Diakonie-Klinikum arbeitet. Häufigste Ursache des Schlaganfalls sei eine Minderdurchblutung des Gehirns. Die Symptome eines Schlaganfalls sollten ernst genommen werden. Mit dem so genannte „FAST – Test“ könne jeder schnell erkennen, ob ein Verdacht auf Schlaganfall vorliege. Die Buchstaben stehen für „Face – Arms – Speech – Time“ (Gesicht – Arme – Sprache – Zeit). Und so geht’s „Bitten Sie die betroffene Person zu lächeln, die Arme nach vorne zu strecken, einen einfachen Satz nachzusprechen, sobald eine oder mehrere Aufgaben nicht erfüllt werden können, sollte umgehend unter der Telefonnummer 112 der Rettungsdienst verständigt werden“, erklärt Oliver Sauer. Mit jeder Minute, die ungenutzt verstreiche, nehme das Gehirn zusätzlichen Schaden. Um alle Möglichkeiten einsetzen zu können, müsse der Patient innerhalb weniger Stunden im Krankenhaus behandelt werden, da sonst Hirngewebe unrettbar verlorengehe.

Im großflächigen Landkreis Hall können Rettungswege weit und zeitraubend sein. Doch Schnelligkeit sei wichtig, betont der Mediziner. Sobald der Verdacht auf einen Schlaganfall bestehe, komme während des Tages für entlegene Winkel der Region auch der Rettungshubschrauber zum Einsatz. „Für die Rettungsdienste rund um Hall wurden aktuell Standards in der Betreuung von Schlaganfall-Patienten erarbeitet, über die wir im September bei einem Schulungsabend die Fachkräfte der Rettungsdienste informieren.“

Können Schlaganfälle auch zufällig entdeckt werden? Und: Kann man einen Schlaganfall erleiden ohne es zu bemerken? „Ja, das ist möglich“, sagt Sauer. Meist verursache ein Schlaganfall keine stärkeren Schmerzen, er kann auch im Schlaf auftreten. Dies sei oftmals der Grund dafür, dass Betroffene zu spät ins Klinikum kommen, in manchen Fällen sogar erst zwei bis drei Tage später. Zuweilen würden diese Schlaganfälle auch zufällig bei einer Untersuchung entdeckt, zum Beispiel bei einer Magnetresonanztomographie (MRT).

Meist eine Krankheit des Alters

Die Altersstruktur der Betroffenen habe sich nicht wesentlich verändert, sagt der Spezialist. Durch verbesserte Aufklärung und Beratung über die Ursachen, aggressivere Behandlung des Blutdrucks sowie gesünderen Lebensstil – immerhin werde heute weniger geraucht als früher – sei die Schlaganfallrate allgemein leicht rückgängig. Der Schlaganfall sei eine Erkrankung des Alters. „Hier liegen die Risikofaktoren bei hohem Blutdruck, Rauchen, Diabetes mellitus oder Vorhofflimmern.“ Erleiden jüngere Menschen einen Schlaganfall, lägen die Gründe oftmals bei angeborenen Krankheiten, Verletzungen der Arterien oder würden durch Drogenkonsum verursacht.

Hoffen auf neue Methode

Für die optimale Versorgung von Schlaganfallpatienten wünscht sich Oliver Sauer weiterhin eine gute Zusammenarbeit der Berufsgruppen, Kliniken und Institute. Zudem erhofft er sich auch für ländliche Regionen Eingriffsmöglichkeiten, welche die Behandlung großer Blutgerinnsel im Gehirn optimieren. Durch eine so genannte Thrombektomie könnten dauerhafte Behinderungen vermieden werden. Bei einer Thrombektomie ziehen Ärzte den Blutpfropf mechanisch aus dem Gefäß, anstatt ihn medikamentös aufzulösen. Diese Methode werde nur in großen Zentren wie in Ludwigsburg oder Stuttgart eingesetzt. Sie komme bei fünf Prozent der Schlaganfallpatienten in Betracht. Durch lange Transportwege komme es leider oft zu unnötigen Zeitverzögerungen. „Hier besteht ein deutlicher Verbesserungsbedarf“, sagt Sauer.

Info Die Autorin Manuela Giesel leitet die Öffentlichkeitsarbeit am Diak.

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