Trauer Künstler Edgar Gutbub: Stets angetrieben von der Neugier

Hall/Wuppertal / Bettina Lober 06.11.2017
Bis 2008 lebte der Künstler Edgar Gutbub rund 40 Jahre lang in Mistlau im Jagsttal. Auch in Hall hat der Bildhauer Spuren hinterlassen. Nun ist er im Alter von 77 Jahren in Wuppertal gestorben.

Quadrat, Dreieck, Rechteck, dazu ein paar gleichmäßige Bögen – mehr nicht. Aus diesen wenigen geometrischen Zutaten hat der Künstler Edgar Gutbub eine komplexe Welt, einen ganzen Kosmos geschaffen. Rund 40 Jahre lang hat der Bildhauer und Zeichner in Mistlau im Jagsttal bei Kircheberg gelebt. Vor knapp zehn Jahren übersiedelte er nach Nordrhein-Westfalen, wagte mit damals 67 Jahren einen Neuanfang.

Nun, mit 77 Jahren, ist Edgar Gutbub in Wuppertal gestorben. Der sportliche Künstler, der stets ein passionierter Rennradfahrer war, sich auch mit Yoga und Skifahren fit hielt, hatte seit wenigen Jahren einen Herzschrittmacher, erzählt die Bildhauerin Gabi Welters aus Frankenhardt, die mit Gutbub gut befreundet war. Anfang Juli erlitt der Künstler einen Schlaganfall. Er war auf Hilfe angewiesen, wurde dann in einem Seniorenheim versorgt. Doch der Lebensmut des einst so eigenständigen und auch eigenwilligen Mannes schwand. „Er wollte nicht mehr“, berichtet Gabi Welters. Am 28. Oktober ist Edgar Gutbub gestorben.

Seine Werke aber bleiben – auch in Schwäbisch Hall hinterlässt Edgar Gutbub Spuren: beispielsweise mit der „Brückenplastik 13 + 13a“ an der Schiedgrabenbrücke, wo er sich 1988 von der einstigen Grenze zwischen dem Haller und dem Limpurger Herrschaftsbereich inspirieren ließ. Mit vermeintlich einfachen Formen entstanden bei Gutbub komplexe Variationen.

Von Geometrie früh fasziniert

Eigentlich sei er im Rechnen nie besonders gut gewesen, erzählte Edgar Gutbub einmal. Aber die Geometrie, das Spiel der Linien und Winkel, der Formen und Räume habe ihn schon früh fasziniert. 1940 wurde der Künstler in Mannheim geboren. Zunächst studierte er Bildhauerei an der Freien Akademie Mannheim, dann von 1963 bis 1969 an der Hochschule für bildende Künste in Berlin. Bereits damals pflegte er die Verbindung zur Galerie Müller in Stuttgart. Nach dem Studium wollte er sich gerne in Richtung Stuttgart aufmachen. „Also las ich in Berlin die Stuttgarter Zeitung“, erzählte er. IM Immobilienteil stieß er auf die Anzeige „großes Mühlengebäude zu verpachten“ – die Mühle in Mistlau. Gutbub war der erste der damals wenigen Interessenten – und so kam er 1968 ins Jagsttal.

Fortan lebte Edgar Gutbub in Hohenlohe – aber auch in Köln. „Diese Mischung aus Stadt und Land fand ich immer toll, und Köln als Kunststadt hat mich schon immer interessiert“, sagte er. Gutbub gewann 1972 den Villa-Romana-Preis für einen Aufenthalt in Florenz, er erhielt Stipendien in Bonn, Paris oder im US-Staat New York. Überdies war er Gastprofessor an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig sowie an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. Stets war er auf wichtigen Kunstmessen vertreten, und er hatte in der Szene einen Namen.

So sehr Gutbub die Gegensätze zwischen seinen Lebensorten Mistlau und Köln genoss, das Hin und Her hat ihn auch belastet. An beiden Orten hatte er zwei fast identische Ateliers – und immer wieder habe er etwas in dem einen Atelier vergessen, was er im anderen benötigt hätte, berichtete er humorvoll. Bisweilen war er es leid, immer rund 400 Kilometer überwinden zu müssen. Deshalb wagte er vor fast zehn Jahren noch einmal einen Neustart. Es ist ihm nicht leicht gefallen, die liebgewordene Mühle in Mistlau, die er jahrelang aufwendig restauriert hatte, zu verlassen. Aber er forderte von sich selbst Beweglichkeit: „Ich habe mir gedacht, ich muss dort raus können.“ Denn seit jeher war die Neugier der Motor für sein Schaffen.

Offenheit für junge Kollegen

In Wuppertal schuf er sich ein Wohnatelier, wo er auch gerne Gäste hatte, erzählt Gabi Welters. Er pflegte weiter den Kontakt zu seinen Freunden in Köln, Hohenlohe und München. Obwohl er zuweilen etwas eigenbrötlerisch gewirkt haben mag, sei er gesellig und sehr offen gewesen, erinnert sich die Bildhauerin. Auch die Arbeit junger Künstlerkollegen habe ihn stets interessiert.

Mit einer Ausstellung beim Haller Kunstverein in der Galerie am Markt hat Gutbub sich im Frühjahr 2008 quasi aus der Region verabschiedet. Dort zeigte er sich in seinen Arbeiten noch einmal als ein großer Romantiker der Geometrie. In seinem reduzierten, geometrischen Formenschatz liegt die Herausforderung und der Reiz seines Werks: Das bewusste Beschränken bringt eine enorme Vielfalt hervor. Gutbub verblüfft mit der Kombination von Formen und Flächen, er erkundet die Mechanismen des Innen und Außen, der Verdichtung und der Ausweitung. Manfred Schneckenburger, ein ausgewiesener Skulptur-Experte, attestiert den „unaufwendigen Arbeiten eine gedämpfte Kraft der Beunruhigung, ein Herantasten an das Irreale, das als romantische Ader durch die kühlen Konstruktionen geht.“

„Im Durcheinander der Welt ist seine Klarheit ein Labsal für mich“, sagte Halls ehemaliger Baubürgermeister Wilfried Brückner voll Wertschätzung über Edgar Gutbub: „Er tritt leise auf und ist doch ein ganz Starker.“ Seine Plastik an der Haller Schiedgrabenbrücke ist für Brückner schlicht „ein Meisterwerk“ – an jener ehemaligen Grenze werde die Geschichte von Kampf und Versöhnung mit abstrakten Mitteln aufgearbeitet. Edgar Gutbub hinterlässt Spuren. Am Mittwoch wird er bei Wuppertal beigesetzt.

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