Schwäbisch Hall Statt Rap schreibt er jetzt Gedichte

Jonas Philipp ist gerade einmal 21 Jahre alt. Aber er hat bereits einen Gedichtband mit eigener Lyrik veröffentlicht. Nun arbeitet er an seinem ersten Roman.
Jonas Philipp ist gerade einmal 21 Jahre alt. Aber er hat bereits einen Gedichtband mit eigener Lyrik veröffentlicht. Nun arbeitet er an seinem ersten Roman. © Foto: Jonathan Müller
Schwäbisch Hall / JONATHAN MÜLLER 06.11.2014
Jonas Philipp (21) wohnt in Schwäbisch Hall-Sulzdorf. Vor einem halben Jahr hat er den Gedichtband "Niemandsland - Geständnisse eines Verlorenen" veröffentlicht. Sein aktuelles Projekt ist ein Roman.

"Ich habe mit dem Schreiben angefangen, als ich 17 war. Damals habe ich noch Songtexte verfasst. Inspiriert hat mich damals vor allem amerikanischer Hip-Hop", sagt Jonas. Doch schnell merkte er, dass er einfach nicht musikalisch ist. Doch Worte faszinierten ihn umso mehr, das ist bis heute so geblieben.

Jonas liest viel und gerne. Er findet, das gehört dazu, wenn man selbst schreibt. Hermann Hesse ist einer seiner Lieblingsautoren. Aber auch die Beat-Generation, Schriftsteller, die in den USA vor allem in den späten 50er- und 60er-Jahren bekannt und aktiv waren, haben es ihm angetan. "Diese Autoren haben Themen wie Homosexualität, Drogen und Sexualität angesprochen. Teilweise auch, weil sie selbst Erfahrungen damit gemacht haben. Das kam damals einem Tabubruch gleich", bewundert Jonas den Mut der Beat-Autoren, mit allen Konventionen zu brechen.

"Momentan beschäftige ich mich mit Louis-Ferdinand Céline, einem französischen Schriftsteller. Ich mag seine wütende Sprache, außerdem rechnet er wunderbar mit dem Bürgertum ab, zerstört ein Stück weit das schöne Bild der Mittelschicht", so Jonas.

Auch wenn er sich gerne inspirieren lasse, wolle er nicht einfach kopieren. Stattdessen beobachtet er Menschen. "Interessante Situationen schreibe ich einfach auf."

Sein Gedichtband "Niemandsland" ist entsprechend persönlich. Der literarische Anspruch sei zwar nicht ganz so hoch, "aber ich denke, dass es unsere Generation ganz gut widerspiegelt".

"Wenn ich es heute durchlese denke ich manchmal schon: Mittlerweile schreibst du komplett anders. Ich habe mich stark verbessert, aber meinen düsteren Stil beibehalten", liest Jonas sein Erstlingswerk heute durchaus kritisch. "Niemandsland" ist in sechs Akte gegliedert. Die großen Themen sind vor allem Orientierungslosigkeit, einfach, weil es ein Merkmal seiner Generation sei, Depression, das Stehen vor dem Nichts und der Verlust der Liebe. Dabei ist es teilweise ganz schön morbide. Natürlich gibt es auch positive Stellen, aber die muss man schon suchen. Im letzten Kapitel, "Auferstehung", geht es aber wieder aufwärts.

"Drucken lassen habe ich es dann bei "Books on Demand". Das ist eine Digitaldruckerei. Dort kann man Bücher veröffentlichen, muss sich aber auch selbst um Layout und Cover-Artwork kümmern. Dafür ist es sehr einfach und günstig dort ein Buch zu veröffentlichen, gekauft werden kann es dann dank ISBN in jeder Buchhandlung in Deutschland und bei Amazon. Gedruckt wird im Digitalverfahren je nach Nachfrage. Für viele junge Autoren eine gute Möglichkeit, den ersten Schritt in die Öffentlichkeit zu wagen.

"Der Roman, an dem ich gerade schreibe, hat dagegen einen höheren Anspruch - hoffe ich", sagt Jonas. Seit Juni sitzt er daran, etwa die Hälfte sei fertig. "Vor allem will ich nicht schreiben wie der Mainstream, sondern eine längere Geschichte erzählen und dabei meine Gedanken verarbeiten", gibt er sich selbstbewusst.

Er schreibt nicht für ein bestimmtes Klientel, sagt Jonas. "Es ist eher so, dass ich für die Kunst lebe. Ohne das würde ich mich schlecht fühlen." Gemeinsam mit Freunden, die selbst auch schreiben, baut er gerade einen Blog auf.

Unter Beschuss!

Warum darf ich keine Fenster einwerfen?

Warum soll ich mich herumschubsen lassen?

Warum darf ich meine Träume nicht leben?

Warum soll ich meine Fresse halten?

Warum muss ich dich lieben?

Warum habt ihr Angst vor dem Tod?

Wenn zwei Sternschnuppen kollidieren

entsteht bedingungslose Liebe.

Einzige Bedingung:

lass deine Träume liegen, verstauben,

sperr sie in die dunkelste Kammer deines Verstandes!

Stahlblaue Himmel singen von Feuerbomben.

Schwarze Erde seufzt unter Feuerbomben.

Feuerbomben, Feuerbomben, Feuerbomben.

Reiß dir dein Herz heraus und opfere es

den göttlichen Farben,

die kraftlos und matt in Kirchenfenstern schlummern.

Wirf den verdammten Stein! Lass es splittern!

Befreie die Unterjochten, die Christus nackte Füße lecken.

Sein Blut schmeckt nach Wein.

Suchtverhalten der menschlichen Rasse

ausgereizt und zur Meisterschaft gebracht.

Opium für das Volk.

Nocebo für meine Seele.

Bittere Pillen haben einen süßen Nachgeschmack.

Nimm deine Seele und tausch sie

gegen eine Hasenpfote ein,

auf das dein Leben von Glück beseelt sei.

Erschieß das verdammte Kaninchen! Brich sein Genick!

Keine Zaubershow.

Aus dem Hut schießen Fontänen reinsten Plutoniums.

Nebeltoxide tropfen auf tapfere Lungenbläschen.

Wir ersticken.

Träume platzen.

Bomben fallen.

Grasgrüne Wiesen summen die zarte Melodie der Verwesung.

Schneeweiße Täler getränkt vom Blut des gebrochenen Mannes.

Und in den Lüften jauchzen die Feuerbomben.

Feuerbomben, Feuerbomben, Feuerbomben.

Gierige Feuerbomben.

Es nimmt kein Ende.

Die Sterne in meinem Kopf

stehen

in der falschen Konstellation.

Ich zerstöre mich so lange

bis ich Kunst bin.

GEDICHT VON JONAS PHILIPP AUS SULZDORF

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