Schwäbisch Hall Starkregen: Erneut steckt Auto fest

Schwäbisch Hall / Tobias Würth 13.06.2018
Bereits zum zweiten Mal versagt die Wasserführung an der Weilertunnelbaustelle in Schwäbisch Hall. Ladeninhaber in der Heimbacher Gasse sind sauer und denken über eine Klage nach.

Er hat die Pommes und Burger schon vor seinem inneren Auge. Dann taucht auf der Straße vor dem 28-Jährigen ein See auf. „Der Vordermann kam noch durch. Ihm folgte ich. Der Motor meines Autos ging aus“, berichtet der Mann. Mitten in der Mega-Pfütze bleibt der Alfa Romeo 159 stehen. Eine Welle ist in den Motorraum eingedrungen. Das Wasser stand kniehoch am Scheitelpunkt. „Ich wollte eigentlich nur rauf zum McDonalds nach Michelfeld fahren“, sagt der Haller. Stattdessen wartet er auf den Abschleppwagen.

Warum bildet sich genau wie am 14. Mai oberhalb der Bushaltestellen am Scharfen Eck ein See? Das will Feyza Acar auch wissen. In Leder-Flip-Flops überwindet sie eine Baustellenabsperrung, zerrt eine Folie  weg, die ein Rohr zu verstopfen scheint. An anderen Stellen ist zu sehen: Sturzbäche müssen über die Baustelle, unter einem Container durch, auf die Straße geflossen sein. Erneut werden Steine mitgespült, die schnell die Körbe unter den Schachtdeckeln verstopfen. Die Straße wird zum Fluss.

Die Bauingenieurin des Regierungspräsidiums wirkt in Alltagskleidung auf der Baustelle  etwas deplatziert.  „Ich habe privat einen Anruf bekommen“, berichtet sie. „Seit dem ersten Starkregen kann ich nachts nicht mehr schlafen, wenn es regnet“, meint die Bauleiterin. Zu sehr hat sie die Ereignisse vom 14. Mai vor Augen, als Wasser aus dem Baustellenbereich letztendlich das Kaufhaus Woha überflutete. Sie versichert, dass nach dem ersten Unwetter reagiert wurde. „Rund um den Schacht wurde der Boden asphaltiert“, berichtet sie. Zudem stapelten Arbeiter Schachtringe auf, sodass Wasser nicht mehr so leicht austreten kann. Feyza Acar: „Alle haben gesagt, das reicht aus.“

Sie irrten sich. Vor Ort  zeigt sich erneut ein Indiz für das Versagen der Wasserführung im Baustellenbereich. Mit einem Rohr von rund zwei Metern Durchmesser wird dort wohl eines der größten Entwässerungssysteme der Stadt aufgebaut. Das Problem: Das abfließende Wasser erreicht nicht den Eingang der Röhre, sondern tritt vorab aus.

Ladenbesitzer in der Heimbacher Gasse sind erneut betroffen. „Ich habe die Faxen dicke“, flucht Michael Bitsch, Inhaber von Elektro Augsten. Sein Geschäft, das er erst im Februar für 20 000 Euro erneuert hat, lief wieder voll. „Wenn sich da nichts ändert, verklage ich die Stadtverwaltung“, sagt er. Für den Bau des Weilertunnels sei ein kompletter Hang gerodet und mit Spritzbeton versehen worden.  „Der blindeste Ingenieur  muss wissen, dass das Wasser dort nicht mehr gehalten wird, sondern durchrauscht.“

Beim ersten Starkregen vor sieben Wochen entstand am Haus allein ein Schaden von 10 000 Euro. „Und jetzt ist das Wasser wieder in den Laden, ins Treppenhaus, ins Büro und die Werkstatt gelaufen“, berichtet der Elektriker. Nur das Lager mit der empfindlichen Technik blieb verschont. „Zum Glück habe ich eine so gute Mannschaft, die freiwillig nachts anrückt“, sagt er. So könne das Wasser möglichst schnell entfernt werden. Steht es zu lange im Gebäude, saugen sich die Möbel von unten her voll.

Dieses Problem kennt auch Luise Dierolf vom Orthopädie-Schuhtechnikgeschäft in der  Heimbacher Gasse. Zusammen mit einer Mitarbeiterin schuftet sie bis in die Nacht auf Dienstag. Schweißtropfen stehen auf ihrer Stirn. „Wir kriegen das geputzt“, sagt sie optimistisch. Dabei hat auch sie Grund zum Klagen. „Wir sind zwar gegen Elementarschäden versichert. Die Versicherung hat mir aber gesagt, dass ein solches Hochwasser nicht abgedeckt ist.“ Möglicherweise bleibt der Betrieb auf den Kosten sitzen. Und die sind nicht niedrig. „Das Wasser dringt in den Keller ein. Aus der Gipsdecke tropft Wasser.“ Luise Dierolf macht  auch die Neugestaltung der Heimbacher Gasse für die Flut verantwortlich. „Es ist alles zwar schön glatt“, sagt sie. Doch das Gefälle ohne Bordsteinkanten und Abflussrinnen neige sich in Richtung ihres Ladens. „Der ebenerdige Eingang ist gut. Aber auch das Wasser hat einen barrierefreien Zugang.“ Das Kaufhaus Woha war diesmal nicht betroffen.

Es wird Gewohnheit: „Körbe an den Schächten raus und das Wasser läuft ab“, berichtet Feuerwehr-Einsatzleiter Sebastian Stöcker. „Es bot sich genau das gleiche Bild wie beim letzten Mal.“

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