Schwäbisch Hall Starkregen überflutet Keller

Schwäbisch Hall / Tobias Würth 08.06.2018
Die Feuerwehr Hall ist am Donnerstag ab 15.30 Uhr im Einsatz. Pumpen sorgen im letzten Moment dafür, dass in der Molkerei keine großen Schäden entstehen.

Es ist kurz vor knapp für Martin Boschet. Der Geschäftsführer der Hohenloher Molkerei und seine Techniker  müssen mit ansehen, wie der Keller mit Wasser vollläuft. Ein Gewitterregen prasselt am Donnerstag von 15.30 bis 16.30 Uhr in Schwäbisch Hall nieder. Ein Niederschlagsmesser zeigt 27 Liter pro Quadratmeter. Von unten drückt es Wasser in die Milchannahmestelle der Hohenloher Molkerei in der Raiffeisenstraße. „Das Wasser strömte aus den Gullys. Die Gefahr bestand, dass der Keller absäuft“, berichtet Boschet.

Katastrophe verhindert

Da das Molkereigelände an einer tiefen Stelle im Kanalsytem liege, sei man auf ein solches Überschwemmungsereignis eingestellt. „Wir haben fest installierte Pumpen, die anspringen“, sagt Boschet. Allein: Der Pegel steigt weiter. Der Geschäftsführer lässt die Feuerwehr rufen. Zudem setzen die Techniker der Genossenschaft mobile Pumpen ein. Die Gefahr besteht, dass die Milchannahme überflutet wird. Das hätte bedeutet, dass zumindest für eine gewisse Zeit keine Milch entgegen genommen werden kann. Ein wirtschaftlicher Verlust drohte.

„Doch wir haben am Ende alles selbst in Griff bekommen“, gibt sich Boschet erleichtert und zeigt ein Foto von ihm und der Mannschaft in den Fluten im Keller.

Ebenfalls überflutet wird die Maschinenbaufirma Hamba-Gasti. „Das Gebäude gehört der Molkerei“, erläutert Boschet. In Absprache mit dem Mieter pumpt die Feuerwehr Wasser aus dem Keller, das eine Höhe von etwa 15 Zentimeter erreicht.

Über die Schienen gehen

Wasser steht auch in der Unterführung des Hessentaler Bahnhofs – kniehoch. Das komme ab und zu vor. Ein Feuerwehrmann schüttelt mit dem Kopf: „Ein typischer Bau der Deutschen Bahn.“ Es gibt zwar eine fest installierte Pumpe, die im Fall von Überschwemmungen Wasser abpumpt. Doch die scheint zunächst nicht zu laufen.

Feuerwehreinsatzleiter Christoph Wenger kommt gerade in seinem  roten Skoda-Yeti vom Bereich der Molkerei zum Bahnhof gebraust. „Hat jemand Gummistiefel an?“, ruft er den Wehrleuten zu, die in der Unterführung Schläuche ausrollen. „Nein“, ertönt die Antwort aus mehreren Kehlen.

Fahrzeugführer  Ulrich Kübler opfert sich und watet ohne Gummistiefel durch die braune Brühe in der Unterführung. Er findet die Abdeckung der fest installierten Pumpe. „Hat jemand einen Vierkant?“ Keine Antwort. „Also einen Scheißhausschlüssel!“ Einige Kameraden reagieren: Mit dem richtigen Werkzeug ausgerüstet kommt er an die Pumpe ran.  Zusammen mit dem Gerät der Feuerwehr wird die Unterführung langsam wieder leergepumpt. Ein Kopf taucht am anderen Ende der Unterführung auf. Die Reisenden auf dem Bahnsteig in der Mitte sind von der Außenwelt abgeschnitten. „Sind Sie gefangen?“, wird dem Reisenden zugerufen. „Nein. Ich warte auf den Zug nach Stuttgart, der hier abfährt.“ Glück gehabt. Für andere Bahnreisenden kommt eine Durchsage: „Benutzen Sie den ebenerdigen Übergang, allerdings erst dann, wenn ein Mitarbeiter die Schranke geöffnet hat.“

Erinnerung an Starkregen

Weitere Schäden sind zu beklagen. In der Schenkenseestraße läuft ein Keller voll. Allerdings steht das Wasser dort nicht hoch. Auch Im Lehen und in der Unterlimpurger Staße dringt Wasser in Untergeschosse ein. Die Baders­klinge oberhalb der Urbanskirche ist durch Bäume verstopft, berichtet Christoph Wenger.

Der Starkregen weckt Erinnerungen an den 14. Mai, als die Wasserführung in der Weilertunnelbaustelle kollabiert und letztendlich das Kaufhaus Woha unter Wasser gesetzt wird. „Diesmal hat es eher die andere Seite der Stadt betroffen“, bilanziert Wenger. Daher sei im Bereich Heimbacher Gasse kein Einsatz nötig. „Keller wurden auch schon früher überflutet“, erinnert sich Wenger. „Dass es so geballt kommt, ist neu.“

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