Netzwerk Städte dabei, Landkreise skeptisch

Ein Mitarbeiter testet einen Lackierroboter. Spezialisten im technischen Bereich werden von vielen Unternehmen gesucht.
Ein Mitarbeiter testet einen Lackierroboter. Spezialisten im technischen Bereich werden von vielen Unternehmen gesucht. © Foto: dpa
Schwäbisch Hall / Jürgen Stegmaier 13.03.2018

Das Städtebündnis Hohenlohe Plus hat sich vor vier Jahren gegründet. Es will darauf aufmerksam machen, dass sich im Raum der Mittelzentren Hall, Crailsheim, Künzelsau, Öhringen und Bad Mergentheim einerseits gut leben lässt. Andererseits wird in den vielen großen und kleinen Unternehmen eine Vielzahl von Arbeitsplätzen angeboten. Wer den Sprung in die Region wagt, habe in vielen Fällen Alternativen, falls die erste Jobentscheidung doch nicht die richtige war. In einem übersichtlichen Raum leben und arbeiten, ohne lange pendeln zu müssen – darauf aufmerksam zu machen, sei das Bestreben. „Von außen sieht man die Qualität ja nicht“, sagt der Haller Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim. Er gilt als der maßgebliche Treiber von Hohenlohe Plus.

Ziel ist es, dabei zu helfen, dass mehr Fachkräfte in die Region kommen. Dass Kommunen dabei helfen, sei der Wunsch von 76 Prozent der Unternehmen. Das habe eine Untersuchung der Hochschule Heilbronn am Campus Künzelsau ergeben, betont Hermann-Josef Pelgrim.

Position wechselt

Das bislang lose Bündnis will sich am 3. Mai in Öhringen zu einem Verein formieren. Sitz soll in Künzelsau sein, die Geschäftsstelle wird voraussichtlich im Haller Haus der Wirtschaft im Solpark eingerichtet. Dort haben auch Handwerkskammer, IHK und das Bündnis der Verpackungsunternehmen Packaging Valley Niederlassungen. Den Vereinsvorsitz, so eine Absprache, werde zunächst Öhringens Oberbürgermeister Thilo Michler übernehmen. Ein Wechsel dieser Position ist jährlich vorgesehen.

Die Gemeinderäte der fünf Städte haben den Plänen zugestimmt, Fraktionen haben sich in Künzelsau getroffen – vonseiten Halls, Crailsheims, Künzelsaus, Öhringens und Bad Mergentheims scheint Unterstützung zu kommen. Auch mit Crailsheims neuem OB Christoph Grimmer sind Gespräche geführt worden. Er werde in dieser Hinsicht fortführen, was der Gemeinderat und sein Vorgänger Rudolf Michl  in die Wege geleitet haben. Und die Landkreise? „Die sind skeptisch“, räumt der Haller Oberbürgermeister ein.

Gaildorf kann sich anschließen

Gaildorf ist in diesem Bündnis zunächst einmal nicht dabei, weil die Stadt mit aktuell rund 12 300 Einwohnern kein Mittelzentrum ist. Wie auch alle anderen Gemeinden kann die Stadt am Fuß der Limpurger Berge dem Netzwerk Hohenlohe Plus beitreten.

100 000 Euro Startkapital

Das Kapital, das das Städtebündnis zunächst braucht, um auf die Region, die Unternehmen und die Arbeitsplätze aufmerksam zu machen und Projekte zu starten, wird zunächst von den fünf Städten, später von weiteren Gemeinden, die dazukommen, zur Verfügung gestellt. Die fünf Gründer geben zunächst jeweils 20 000 Euro als Startkapital, außerdem kostet sie die jährliche Mitgliedschaft 2000 Euro.

Gemeinden, die dazukommen, sollen 1000 Euro zu zahlen haben, so der Plan. Mehrere Gemeinden hätten sich bereits gemeldet. Auch Unternehmen, Privatpersonen oder Vereine und Verbände können sich Hohenlohe Plus anschließen.

Was passiert mit dem Geld? „Damit wollen wir die Marke Hohenlohe Plus bilden, werben und Projekte finanzieren“, erklärt Hermann-Josef Pelgrim.

Nicht fünftes Rad sein

Der Raum der fünf Mittelzentren, der sich zu Hohenlohe Plus vereint, ist Teil der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken. Führt eine Zersplitterung der Region in die richtige Richtung? „Wir können nicht einerseits im Reigen der 400 Regionen in Europa mitspielen wollen und uns andererseits im Klein-Klein verheddern“, kritisiert Jochen Kübler, einst OB in Öhringen sowie CDU-Landtagsabgeordneter, aktuell Vorsitzender des Verbunds Pro Region den Zusammenschluss. Halls Oberbürgermeister Pelgrim entgegnet, dass beispielsweise Hall nicht mit dem Namen Heilbronn werben könne. Der Raum mit seiner hohen Beschäftigungsintensität und Unternehmensdichte müsse für sich werben, sonst bleibe er das fünfte Rad am Wagen. Das Städtenetzwerk verstehe sich nicht als Konkurrenz zur Region Heilbronn-Franken, sondern als notwendige Ergänzung.

358

tausend (358 000) Einwohner leben im Raum Hall-Crailsheim-Künzels­au-Öhringen-Bad Mergentheim. 156 000 Menschen sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel