Umbau Stadt will in Gottwollshausen rund 8 Millionen Euro investieren

Schwäbisch Hall / THUMILAN SELVAKUMARAN 05.11.2014
Die Erweiterung der Grundschule Breit-Eich in Gottwollshausen wird um 840.000 Euro teurer als geschätzt. Die Verwaltung will im Passivhausstandard bauen. Der Bau- und Planungsausschuss stimmt dem zu.

Harmonie und Lob statt Debatten und heftiger Kritik: Eine solch ruhige Sitzung haben die Mitglieder des Bau- und Planungsausschusses wohl lange nicht mehr erlebt. Die Themen bieten kaum Sprengstoff - eher Begeisterung. Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim spricht von "der zentralen Maßnahme im kommenden Jahr". Denn nicht nur auf der Weilerwiese entsteht eine Großbaustelle - auch an der Grundschule in Gottwollshausen. Diese wird erweitert, zusätzlich der Kindergarten und ein Familienzentrum angesiedelt. Die Grundschule Gailenkirchen soll eine Außenstelle dieses neuen pädagogischen Zentrums werden.

Einen Dämpfer in der Freude der Ausschussmitglieder gibt es aber: Die im Juli vorgelegte Kostenschätzung weicht der detaillierten Kostenplanung. Statt 6,6 Millionen wird das Projekt 7,44 Millionen Euro teuer. "Die Kostensteigerung entsteht durch die hohe Nachfrage am Markt", teilt Hochbauamtsleiter Dieter Koch mit. Die Gewerke verlangten rund zehn Prozent mehr. Das mache in den Gesamtkosten drei Prozent aus. Baubeginn ist zum Ende dieses Schuljahres - im Sommer 2015 - geplant. "Wir wissen nicht, wie der Markt dann aussieht."

Mehrkosten entstehen auch durch Änderungen in den Planungen. So soll der Neubau des Kindergartens nicht nach Süden abstehen und in den Freizeitbereich ragen, sondern an die bestehende Turnhalle in Längsrichtung angedockt werden. Das sei auch Wunsch von Eltern gewesen, berichtet Koch. Dadurch bleibe der Schulhof unangetastet. Das Familienzentrum im Kindergartengebäude werde zudem um zwei Prozent vergrößert. "Das alleine sind Mehrkosten von 60.000 Euro." Da ohnehin an der Turnhalle gearbeitet wird - das Gebäude wird mit dem bestehenden Schulgebäude verbunden - werden geplante Instandhaltungsarbeiten vorgezogen.

Kochs Abteilung würde auch gerne den Passivhausstandard umsetzen und eine kontrollierte Lüftungsanlage in den Klassenzimmern einbauen lassen. Das seien zwar freiwillige Leistungen - aber "der einzige richtige Weg". Gerade in vollbesetzten Klassenzimmern schaffe auch regelmäßiges Lüften "keine lernförderliche Luftqualität." Mehrinvestitionen für die beiden Wünsche betragen 238.000 Euro, wovon 80.000 Euro als Landeszuschuss abgezogen werden können. Unterm Strich bleiben 158.000 Euro. Koch rechnet mit einer Amortisierung in siebeneinhalb Jahren.

Pelgrim spricht von einem Begegnungszentrum für Kinder von null bis zehn Jahren und ihren Eltern. Mit dem Ganztagesbetrieb werde das Angebot deutlich verbessert. Dem stimmen auch die Fraktionen unisono zu. Nikolaos Sakellariou (SPD) spricht von "klugem und weitsichtigem Handeln". Er freut sich, dass der Wunsch aus der Bevölkerung für einen Kleinkinderspielplatz berücksichtigt wird. Unklar ist noch, wie teuer die öffentliche Anlage wird.

Reinhard Huppenbauer (Bündnis 90/Die Grünen) kann die vorgelegte Kostensteigerung für den Schulumbau nachvollziehen. "Die Konzeption ist überzeugend und zukunftsweisend." Thomas Weber (CDU) betont, dass die Schule einen hohen Stellenwert genießt. "Instandhaltungs- und Wartungskosten vom Passivhaus sollten aber fairerweise in den Planungen berücksichtigt werden." Ruth Striebel (FDP) lobt: "Es ist eine sehr runde Sache daraus geworden." Edmund Felger (Freie Wählervereinigung) stimmt dem zu.

Die Ausschussmitglieder sind auch damit einverstanden, dass eine Zufahrt westlich der Schule zum Fischweg gebaut wird. Dort sollen zudem 25 Stellplätze geschaffen werden. Zusätzliche Kosten für Gehwege, Grünstreifen und Straße: rund 400.000 Euro. "Die Zeitschiene ist eine kurze, weil wir diese Straße als Baustraße nutzen wollen", so Dieter Koch. Bereits im Frühjahr 2015 soll die Zufahrt - zunächst ohne Deckschicht - gebaut sein. Die Räte stimmen allen Punkten einstimmig zu. Eine Entscheidung des Gemeinderats steht aus.

Passivhaus

Bauweise Im Passivhaus wird der überwiegende Teil des Wärmebedarfs nicht von der Heizung, sondern aus passiven Quellen wie der menschlichen Wärme und Sonneneinstrahlung genutzt. Im Gegenzug benötigt das Gebäude besondere Wärmedämmung. Eine Lüftungsanlage soll den Wärmeverlust mindern. Das Passivhaus-Institut Darmstadt geht von einem jährlichen Heizwärmebedarf von 15 Kilowatt-Stunden pro Quadratmeter aus.

SWP

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