Schwäbisch Hall Stadt nimmt drei Viertel ins Visier

HOLGER STRÖBEL 02.02.2013
Kocherquartier und Katharinenvorstadt sind herausgeputzt, der neue Busbahnhof ist in Betrieb: Jetzt konzentriert sich die Stadt mit Karl-Kurz-Areal, Bahnhof, Hirschgraben und dem Diak auf neue Sanierungsziele.

Der Bau- und Planungsausschuss (BPA) hat in seiner jüngsten Sitzung die ersten Weichen gestellt: Vorbehaltlich der Zustimmung des Gesamtgemeinderats wird das Hauptaugenmerk der Stadtentwicklung in den nächsten Jahren auf einem heruntergekommenen Fabrikgelände in Hessental, dem Krankenhausareal entlang der Heilbronner Straße, dem Nadelöhr am Scharfen Eck und dem gesamten Bahnhofsgebiet liegen.

Er habe zuvor Rücksprache mit Ingo Rust, Staatssekretär im Finanz- und Wirtschaftsministerium, gehalten, ob die Ausweisung von Sanierungsgebieten der richtige Weg sei, so Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim. Die Antwort aus Stuttgart: "Wir wurden ermutigt."

Dass im Bereich des Diakoniekrankenhauses umfangreiche Neubau- und Sanierungsarbeiten anstehen, ist kein Geheimnis - ebenso wenig die Reaktivierung des Karl-Kurz-Areals unter Ägide der Haller Stadtwerke. Im Fall des Diaks soll das Gesamtareal vom Beginn der Diakoniestraße (gegenüber von Pit-Stop) bis zum Waldbad zum Sanierungsgebiet erklärt werden. Es trägt dann den Namen "Sanierungsgebiet Wichernweg". Auch das Industrieareal am Südrand von Hessental, ehemals Heimstätte der Fassfabrik Karl Kurz, soll komplett zum Sanierungsgebiet erklärt werden. Hinzu kommt auf Anregung von CDU-Stadtrat Claus Unser das Hessentaler Bahnhofsgebiet. Die Umplanung des Geländes hat begonnen, das Stuttgarter Architekturbüro Baldauf hatte hierzu von den Stadtwerken bereits den Auftrag erhalten. Fest steht, dass das Busdepot des Haller Stadtbus von der Stadtheide in den südlichen Teil des Karl-Kurz-Areals umziehen wird.

Neu ist, dass die Stadtverwaltung schon bald die Umgestaltung des Hirschgrabens und des Scharfen Ecks in Angriff nehmen will. Bislang war es stets Maxime der Haller Politik, das Quartier erst mit dem Bau des Weilertunnels ins Visier zu nehmen. Vor dem Jahr 2017, wenn überhaupt, ist aber mit dessen Bau nicht zu rechnen. Weil nach dem Kauf des Bahnhofs und der geplanten Neustrukturierung des Areals am Fuß der Reifensteige - beschlossen wurde ein städtebaulicher Wettbewerb - der südwestliche Altstadtrand nun sowieso in den Fokus rückt, zieht man das Projekt vor. Stand der Überlegungen: Die Engstelle zwischen Hirtenscheuer und Bahnbrücke soll verbreitert werden, so dass der Hirschgraben künftig auf zwei Spuren befahrbar wird.

Die Straße selbst wird dann in Richtung Bahngleise verlegt. Vor der Häuserzeile auf Hirtenscheuer-Seite entstehen Stellplätze sowie Parkmöglichkeiten für Busse, die Besucher zur Kunsthalle Würth bringen. Die Katharinenstraße soll so vom Durchgangsverkehr entlastet werden. Geplant ist auch, die Bushaltestelle am Scharfen Eck umzugestalten. Dies sei erforderlich, so heißt es in einer Sitzungsvorlage für den Gemeinderat, "um das neue Buslinienkonzept auch sinnvoll realisieren zu können".

Unter den Stadträten gab es gegen die Pläne der Verwaltung keine Einwände. Im Gegenteil: "Wir sind glücklich, dass da endlich was passiert", kommentiert Martin Lindner (CDU), "dazu haben die Stadtplaner schon 20 Jahre lang Zeit gehabt."