VERKEHR Stadt gibt Verantwortung für Bau des Weilertunnels bald ans Land ab

Die Engstelle des Eisenbahnviadukts soll ab 2018 Geschichte sein. Dann verbindet der Weilertunnel die Stuttgarter Straße mit der Johanniterstraße.
Die Engstelle des Eisenbahnviadukts soll ab 2018 Geschichte sein. Dann verbindet der Weilertunnel die Stuttgarter Straße mit der Johanniterstraße. © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / TOBIAS WÜRTH 10.10.2015
Die Bauarbeiten für den Weilertunnel könnten Anfang 2017 richtig losgehen. Die Stadt gibt demnächst die Verantwortung für den Bau ans Land ab, so wie es bei anderen Verkehrsprojekten üblich ist.

Der vierspurige Weilertunnel kommt, der Verkehrsknotenpunkt Scharfes Eck wird damit umfahren, der Bund investiert insgesamt rund 43 Millionen Euro, von denen bereits 9 Millionen für Planungen ausgegeben wurden. Das ist seit Anfang August bekannt.

Kurios: Diese Planung erfolgt auf Grund eines Vertrages aus dem Jahr 1968 - und der sieht gar keinen Tunnel vor. "Damals war davon keine Rede", berichtet Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim auf Nachfrage. Zwischen Stadt und Bund wurde lediglich geregelt, dass Schwäbisch Hall die Planung der vierspurigen Innenstadtumfahrung vorantreiben kann - ob mit oder ohne Tunnel.

Und das haben die Haller auch getan. In den vergangenen Jahren seien bereits Millionensummen für die Planung ausgegeben worden, erläutert Pelgrim. Dieses Geld wurde zum Teil vom Bund vorgeschossen, zum Teil im Nachhinein ersetzt. Dazu gab es einen Verwaltungskostenzuschlag von 5 Prozent für Hall. Schließlich haben sich die städtischen Mitarbeiter intensiv mit einem staatlichen Projekt beschäftigt - es handelt sich um eine Bundesstraße. Nachdem nun das grüne Licht für den Bau kam, sei aber eine andere Phase des Projekts eingetreten: "Wir hätten nichts dagegen, wenn das Land die Beauftragung der Arbeiten und die Koordinierung des Baus erledigen würde", sagt Pelgrim. Für eine Tunnelbaustelle dieser Größe seien Experten gefragt. Bisher hat die Stadt Schwäbisch Hall die Planungen vorangetrieben und wird das auch noch so lange tun, bis die Arbeiten ausgeschrieben sind. Dem hat zuletzt auch der Haller Gemeinderat zugestimmt. 460000 Euro werden dafür ausgegeben, ein Leistungsverzeichnis aufzustellen. Das stellt genau die Vorgaben auf: Wie soll der Tunnel aussehen, welche Anforderungen müssen erfüllt werden? Auf dieser Grundlage wird europaweit nach Tunnelbau-Unternehmen gesucht, die ihre Angebote abgeben. "Ich gehe davon aus, dass in einem dreiviertel Jahr diese Ausschreibung erfolgt", rechnet Pelgrim vor.

CDU-Abgeordneter Helmut W. Rüeck hat kürzlich im Landtag eine Anfrage ans Verkehrsministerium gestellt. Er wollte wissen, wann der Bau des Weilertunnels losgeht. Der Minister habe nach Ansicht von Rüeck zu unkonkret geantwortet und nur darauf hingewiesen, dass die Freigabe des Baubeginns durch den Bauträger Bund erfolgen müsse. "Da entsteht doch der Eindruck, dass sich Verkehrsminister Hermann schon im Vorfeld von aller Schuld freisprechen möchte, wenn es zu zeitlichen Verzögerungen kommen sollte", schlussfolgert Rüeck.

Pelgrim sieht das anders: Bereits im Herbst 2016 könnten Vorarbeiten für den Tunnelbau erfolgen. So richtig los gehe es dann im Frühjahr 2017, hofft Pelgrim. Nach eineinhalb Jahren könnte die Bohrung beendet sein. Die Anschlusskreuzungen vor dem Hotel Hohenlohe und im Bereich des Clubs Alpha (der dann abgerissen wird) müssten noch erstellt werden. Pläne dazu werden demnächst im Gemeinderat gezeigt.

Wann rollt das erste Auto durch die Röhre? Pelgrim: "Es könnte Mitte oder Ende 2018 der Fall sein, nach heutigem Stand." Es gebe Gründe für Verzögerungen - wie eine zu große Arbeitsauslastung der Tunnelbauer mit anderen Projekten. Aber es gebe auch Gründe für Beschleunigungen. "Die Leistungsfähigkeit der Bohrmaschinen wird immer besser", hat Pelgrim erfahren. Er habe sich kürzlich über das Stuttgart-21-Projekt vor Ort informiert. Einzelne Tunnelbohrungen seien dem Zeitplan ein Jahr voraus.

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