Hochsprung Stabhochspringer Torben Laidig: Zwölf-Stunden-Pensum am Tag

Schwäbisch Hall / HARTMUT RUFFER 11.07.2014
Ein knappes halbes Jahr hat Torben Laidig nun jenseits des großen Teichs verbracht. Der 20-Jährige studiert in den USA Biochemie - und hat sich zu einem der besten deutschen Stabhochspringer gesteigert.

Als Anfang Januar der Flieger mit Torben Laidig gen USA abhob, war es für den damals noch 19-Jährigen eine Reise ins Ungewisse. "Ich war zuvor noch nie in den USA." Er hatte ein Stipendium an der Virginias Tech University in Blacksburg erhalten. Der ehemalige Wirtschaftsgymnasiast studiert nun Biochemie - und kann gleichzeitig auf hohem Niveau trainieren.

Laidig ist ein talentierter Stabhochspringer der WGL Schwäbisch Hall, in den USA verbessert er seine Bestleistung um 25 Zentimeter auf 5,45 Meter (in der Halle), springt damit in die nationale Spitze. In der deutschen Jahresbestenliste (Freiluft) liegt er mit 5,42 Meter auf Rang sechs. "Das kam etwas überraschend. Ich hatte mir 5,30 Meter als Ziel im ersten Jahr vorgenommen", bekennt er. Die Ehrung für seine Leistungen folgte sofort: Laidig wird "Freshman Of The Year" der Atlantic Coast Conference, eine bedeutende Auszeichnung für Studenten des ersten Jahres.

Dabei ist der Sport nicht die Hauptsache. Das Studium steht an erster Stelle, das nimmt Laidig sehr ernst (Notendurchschnitt bislang 1,5). Zu Beginn hatte er zu kämpfen. "Für eine schriftliche Ausarbeitung, die meine Kommilitonen in zwei Stunden schrieben, benötigte ich sechs Stunden", erinnert er sich. Viel Disziplin sei nötig gewesen, um das Tagespensum zu bewältigen: Vorlesungen, Seminare, Training, Wettkämpfe, Arbeiten schreiben. Häufig hat Laidig einen Zwölf-Stunden-Tag.

Doch das macht ihm nichts aus, im Gegenteil: Befragt nach den dortigen Verhältnissen, gerät er ins Schwärmen. "Ich habe mich von der ersten Sekunde an richtig wohl gefühlt." Seine WG-Kollegen, die Betreuer an der Universität, die Trainer - alle haben ihn willkommen geheißen.

Die Trainingsbedingungen verstärken den positiven Eindruck. "Stadion, Halle, Kraftraum - alles ist besser." Schon vor dem Flug in die USA hatte sich Laidig bei anderen Sportlern erkundigt. So tauschte er sich beispielsweise mit Stephan Munz von der LG Filstal aus, der bereits an der Virginia Tech studierte. Und Laidig wusste auch, dass das Training in den USA etwas anders ist. "Es wird allgemein die athletische Komponente stärker betont", meint er.

Dass Laidig sich vorab informiert, zeigt, dass der junge Mann auf seine Ziele fokussiert ist. Nichts will er dem Zufall überlassen, legt auch auf eine gesunde Ernährung viel Wert. Umso überraschter ist er ob der Essgewohnheiten einiger US-amerikanischer Stabhochspringer. "Da gibts schon mal vier Tage am Stück Barbecue, so richtig typisch amerikanisch mit Spare Ribs." Während die Amerikaner kräftig zulangen, greift Laidig spätestens am dritten Tag zum Salat. Laidig schmunzelt: "Vielleicht sollte ich das doch mal ausprobieren, schließlich springen die genauso hoch wie ich."

Erst zur Deutschen Meisterschaft, dann zurück in die USA

Erfahrungen wie diese sind es, die einen Auslandsaufenthalt bereichern und auch zur Charakterbildung beitragen. Laidig denkt kurz darüber nach. "Natürlich. Ich hoffe, dass das bei mir auch der Fall sein wird." Betrachtet man die ersten Monate seiner Zeit in den USA, ist er auf einem sehr guten Weg. Im August kehrt er nach Blacksburg zurück. Zuvor will er sich in Ulm bei den Deutschen Meisterschaften präsentieren. Qualifiziert ist er, doch er musste zwei Wochen wegen eines Knochenödems pausieren. "Ich springe nur, wenn ich mich fit fühle", betont er. Halbe Sachen gibts bei Torben Laidig nicht.

Zur Person vom 11. Juli 2014

Torben Laidig kommt am 13. Mai 1994 in Schwäbisch Hall zur Welt. Schon früh begeistert er sich für den Sport, 2000 tritt er dem TSV Sulzdorf bei. Laidig turnt und betreibt Leichtathletik bei der WGL Hall. Drei Jahre spielt er bei der TSG auch Handball (2005 bis 2008), ehe er sich voll auf die Leichtathletik, insbesondere den Stabhochsprung, konzentriert. Bei der Junioren-Olympiade 2011 gewinnt er Silber. Nach seinem Abitur studiert Laidig derzeit an der Virginia Tech University in den USA. Mit 5,45 Meter steht er in der deutschen Jahresrangliste derzeit auf Rang sechs.

RUF

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