Schwäbisch Hall St. Michael bald barrierefrei

Sieben Stufen sind zwar weniger als die 53 der Großen Treppe vor St. Michael, für Menschen mit Einschränkungen sind diese dennoch kaum zu überwinden. Das Brauttor auf der hinteren Seite des Chorraumes soll barrierefrei werden.
Sieben Stufen sind zwar weniger als die 53 der Großen Treppe vor St. Michael, für Menschen mit Einschränkungen sind diese dennoch kaum zu überwinden. Das Brauttor auf der hinteren Seite des Chorraumes soll barrierefrei werden. © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / Esther Lehnardt 06.09.2018
St. Michael zu besuchen, ist für viele Menschen mit Einschränkungen schwer. Nun soll die Kirche barrierefrei gemacht werden. Die Kosten des neuen Eingans belaufen sich auf 100.000 Euro.

„Die Kirche ist offen“, kann jeder Passant lesen, der in diesen Tagen an St. Michael vorbeikommt. Doch was auf den Aufstellern steht, gilt nicht für alle potentiellen Besucher. Denn die mehr als 860 Jahre alte Kirche ist für Menschen, die auf eine Gehhilfe, einen Rollator oder sogar einen Rollstuhl angewiesen sind, kaum zugänglich. Das wird sich nun ändern, denn die Kirche im Herzen Halls soll barrierefrei werden.

„Im Grunde geht es darum, zwei konkrete Veränderungen vorzunehmen“, erklärt Heinz Scheib, Vorsitzender des Fördervereins Mittelalterliche Kirchen in Schwäbisch Hall, „einen barrierefreien Zugang von außen zu schaffen und die Überwindung der Treppen im Innenraum der Kirche.“ Ein kleines Schild am rechten Seitenschiff weist zwar schon jetzt einen barrierefreien Zugang über das Nordtor aus, dieser sei jedoch nicht ausreichend, so Scheib. „Menschen mit Einschränkungen müssen vom Parkplatz hinter der Kirche erst um das gesamte Gebäude gehen, um zum Eingang zu gelangen.“ Das sei ein zu langer Weg und insbesondere in den Sommermonaten, wenn die Freilichtspiele dort ihre Bühnendekoration aufbauen, nicht zu schaffen.

Holzrampe ist schon vorhanden

Deshalb soll nun das Brauttor, ein Eingang auf der hinteren Seite des Chorraumes, barrierefrei ausgebaut werden. „Dort gibt es schon jetzt den Versuch, einen Zugang für Menschen mit Einschränkungen zu schaffen“, sagt Scheib und verweist auf die Holzrampe vor der Tür. Diese sei aber zu steil und das Pflaster davor zu uneben.

Deshalb soll dort nun ein besserer Zugang für Menschen mit Gehhilfen oder Rollstühlen geschaffen werden. Die Pläne dazu stammen vom Architekturbüro Schuch und sehen vor, dass vom Parkplatz hinter der Kirche ein neuer Weg zum Tor angelegt wird, indem die kleine Mauer, die zurzeit noch dazwischen steht, abgerissen und so ein ebenerdiger Zugang geschaffen wird. Genehmigt ist das Projekt bereits. Unklar ist aber, wann die Bauarbeiten beginnen ist jedoch unklar. Denn für Arbeiten an einem so alten Gebäude sind Spezialkenntnisse notwendig, die nur wenige Handwerker besäßen, so Scheib. Die Kosten des neuen Eingangs belaufen sich auf etwa 100 000 Euro. Die Hälfte davon trägt der Förderverein. „Mit allen Zuschüssen und dem, was der Förderverein dazugibt, muss die Kirchengemeinde nur etwa fünf Prozent der Baukosten übernehmen“, erläutert Scheib. Probleme mit dem Denkmalschutz gebe es nicht. „Das Projekt findet bei beiden zuständigen Denkmalämtern, der Stadt und des Landes, Zustimmung“, so Scheib. „Ihnen gefällt sogar, was wir vorhaben.“

Doch mit einem Zugang von außen sind die Arbeiten nicht abgeschlossen. So kommen Besucher mit Rollatoren, Kinderwägen oder Rollstühlen damit nur in den Chorraum und sehen sich auf dem Weg ins Hauptschiff einem weiteren Hindernis gegenüber: den Treppen. Um dieses Problem zu lösen, sollen Rampen an den Treppen installiert werden. Der Auftrag dafür ist laut Scheib bereits erteilt. „Es ist damit zu rechnen, dass sie im Herbst bereits fertig seien.“ Die Kosten der Rampen belaufen sich auf etwa 50 000 Euro, von denen der Förderverein ebenfalls die Hälfte trägt. „Das Projekt ist uns seit vielen Jahren eine Herzensangelegenheit, weshalb wir Spenden gesammelt haben und uns tatkräftig mit unseren Ideen einbringen“, erklärt Scheib. Man könne damit rechnen, dass bis zu den Weihnachtsgottesdiensten beide Projekte abgeschlossen seien und St. Michael an Heiligabend barrierefrei zugänglich sind. In anderen Kirchen in Schwäbisch Hall ist das bereits möglich, zum Beispiel in St. Katharina.

Kniffliger Umbau

Um nach den beiden bereits beschlossenen Baumaßnahmen an der Michaelskirche zusätzlich noch einen Zugang von außen, nicht nur in den Chorraum, sondern auch ins Kirchenschiff zu schaffen, soll auch der Eingang rechts des regulären Portals ins rechte Seitenschiff umgestaltet werden. „Das ist etwas kniffliger, als der Umbau des Brauttors“, meint Scheib. Vor dem Eingang ist weniger Platz, um den Höhenunterschied zu überwinden, und der Durchgang zum Haupteingang muss frei bleiben.

Deshalb soll ab Oktober ein Architektenwettbewerb stattfinden, um auch dafür eine passende Lösung zu finden. „Ich bin gespannt auf die Ideen der Architekten“, sagt Scheib. Wann und wie die Ideen dann umgesetzt werden ist noch unklar. Heinz Scheib und der Förderverein wollen sich jedoch weiter dafür einsetzen. „Wir wollen, dass es nicht nur heißt die Kirche ist offen“, erklärt er, „sondern die Kirche ist offen für alle.“

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