Wüstenrot Wo das Bausparen erfunden wurde

Sabine Reiss in Wohn- und Esszimmer der Familie Kropp im Bauspar-Museum. Dieses diente Georg Kropp und seinen Mitarbeitern auch als Büro. Die Naturparkführerin ist fasziniert von dem Vater der Bausparkasse. Rechts auf dem Tisch steht eine alte „Continental“-Schreibmaschine.
Sabine Reiss in Wohn- und Esszimmer der Familie Kropp im Bauspar-Museum. Dieses diente Georg Kropp und seinen Mitarbeitern auch als Büro. Die Naturparkführerin ist fasziniert von dem Vater der Bausparkasse. Rechts auf dem Tisch steht eine alte „Continental“-Schreibmaschine. © Foto: sss
Wüstenrot / Sabine Friedrich 06.09.2018
Ehrenamtliche machen Aufsicht im Wüstenroter Glas- und Heimatmuseum und im Bauspar-Museum. In den Gästebüchern gibt es viele positive Kommentare.

Eine Zeitreise der besonderen Art verspricht der Aufsteller an der Wüstenroter Hauptstraße. Er lädt zum Stopp in der Haller Straße ein. Im unscheinbaren Eckhaus befindet sich seit 1996 das Bauspar-Museum. Derselbe Slogan trifft auch auf das Wüstenroter Kleinod ein paar Meter weiter ortseinwärts zu. Das Plakat beim Brunnen vor der Kilianskirche weist darauf hin, dass auch das Glas- und Heimatmuseum geöffnet ist – dank einer Reihe von Aufsichtspersonen, die dort von Mai bis September sonntags und feiertags Dienst tun.

„Ich finde es toll, in die alte Zeit einzutauchen“, sagt Sabine Reiss. Sie präsentiert das Wohn- und Esszimmer der Familie Kropp, das dem Erfinder des Bausparwesens, Georg Kropp, auch als Arbeitszimmer diente. Die Tapeten, der Boden, die gehäkelten Vorhänge mit dem Slogan „Taten statt Tinte, Werke statt Worte“, das Inventar, die alten Schreibmaschinen auf dem Tisch, die Schnitzereien in den Stuhllehnen – Steuerräder erinnern an Kropps Vater, einen Kapitän – all das atmet Geschichte aus. Reiss’ Lieblingsexponat ist eine schlichte, weiße Suppenschüssel, die in der Vitrine steht. Daraus habe man damals in der Villa Daheim auf Bethanien die Namen derer gezogen, die eine Zuteilung für einen Bausparvertrag erhielten.

Interessante Leute getroffen

„Ich fühle mich hier einfach wohl“, sagt die Schmellenhöferin, die einmal im Jahr Aufsicht im Bauspar-Museum macht. Inzwischen ist sie eine Expertin in Sachen Kropp, Bausparwesen und der von ihm 1924 gegründeten ersten Bausparkasse, Gemeinschaft der Freunde (GdF). Die Naturparkführerin begleitet auch Interessierte im Rahmen der Wüstenroter Höhentouren auf dem bauspargeschichtlichen Rundweg. Reiss ist fasziniert von Georg Kropp. Sie bewundert dessen Kampfgeist trotz vieler Niederlagen, seine Vielseitigkeit, sie mag seine Gedichte: Kropp war auch Publizist, Redakteur, Drogist, Laienprediger der Methodisten, Verfechter der Abstinenz, Naturliebhaber.

Bisher hat Reiss unter den Museumsbesuchern immer interessante Leute getroffen. Zum Beispiel den Enkel aus der Weinsberger Druckerei-Familie Röck, die Kropp damals ein Darlehen gab, damit er die Hauszeitschrift „Mein Eigenheim“ in Auftrag geben konnte. „Mal wieder GdF-Luft geschnuppert. Es war schön und interessant“, schrieb der Enkel am 28. Juli ins Gästebuch. Auch der Sohn von Kropps Schwiegersohn hat sich 2017 eingetragen und ein Nachfahre eines der Mitbegründer der GdF. „Das Bausparmuseum – einzigartig, liebevoll eingerichtet, mit Blick für schönes Details – klasse“, lautet einer der vielen positiven Kommentare. „Nach 42 Jahren Wüstenrot-Museum besucht.“ Dieser Eintrag zeigt Reiss, dass mancher Einwohner gar nicht wisse, was es hier vor Ort an Besonderem gibt. Viele Seiten sind auch im Gästebuch im Glas- und Heimatmuseum gefüllt mit Lob. „Heute war Familienfest. Ein schöner Ausklang.“ Viel Anerkennung gibt es für die Sonderausstellungen im Sommer und im Winter, die Museumsleiterin Karola Schierle zusammenstellt. Sie hat Helga Haufe für den Museumsdienst „engagiert“. Seit fünf Jahren gehört die Neuhüttenerin zum Stamm, fünf bis sechs Mal pro Saison ist sie im Einsatz. „Für jeden, der hier mitmacht, ist es ein Erlebnis.“ Natürlich hat auch sie sich in die Materie eingelesen, weiß von der Geschichte der Glashütten im Schwäbischen Wald zu erzählen. In den Vitrinen sind viele, zum Teil kunstvolle Glasgefäße zu sehen. Welches gefällt Haufe am besten? Es ist klein, fast unscheinbar, aber das älteste Exponat der Sammlung: der Krautstrunk von 1520, der das Wappen von Wüstenrot ziert.

Klein und schnuckelig

Im Durchschnitt kommen etwa zehn Leute pro Öffnungstag, überschlägt Haufe. „An heißen Tagen kann es passieren, dass ich alleine bin“, sagt die 68-Jährige. Dann liest sie. „Die drei Stunden sind ja schnell rum.“ Klein und schnuckelig findet sie das Museum. „Viele Leute vermuten gar nicht, dass hier so etwas existiert.“

21 arbeiten in ihrer Freizeit mit

Im Bauspar-Museum sind es 15 Ehrenamtliche, die zwischen Mai und September Dienst tun. Im Glas- und Heimatmuseum sind es fünf Frauen und ein Mann für die Sommersaison und im Winter vom ersten Advent bis Ende Februar, wenn die zweite Sonderausstellung im Jahr präsentiert wird. Es gibt auch Führungen außerhalb der Öffnungszeiten, die in beiden Museen sonn- und feiertags von 14 bis 17 Uhr sind.

Die Gemeinde Wüstenrot bedankt sich bei den Ehrenamtlichen auch jedes Jahr mit einem Ausflug oder einem Abendessen. Seit 2015 wird Eintritt verlangt, Erwachsene zahlen 1,50 Euro, die Kombikarte kostet 2,50 Euro.

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