Kleinflugzeuge Spreng fliegt am präzisesten

Schwäbisch Hall / Gottfried Mahling 09.07.2018
Der Lokalmatador holt beim Südwestdeutschen Rundflug den Sieg. Erstmals nach 14 Jahren wird der Traditionswettbewerb wieder am Adolf-Würth-Airport ausgerichtet.

Wo normalerweise die vier Dassault-Düsenjets der Firma Würth stehen, rauchen am Samstagvormittag die Köpfe. 25 Flugzeugcrews, jeweils bestehend aus Pilot und Navigator, sitzen im großen Hangar des Adolf-Würth-Airports an langen Tischen und beugen sich über Karten, die sie vor wenigen Minuten erhalten haben. Zu sehen ist der Norden Württembergs und ein kleiner Teil Bayerisch-Frankens. Die Männer und Frauen diskutieren und gestikulieren, messen eilig mit Lineal und Zirkel Entfernungen ab, tippen auf Taschenrechnern herum. Wenige Minuten später wird es ernst: In Zwei-Minuten-Abständen heben die Duos mit ihren Kleinflugzeugen von der Start- und Landebahn ab. Der Südwestdeutsche Rundflug läuft.

Nach langer Pause wieder in Hall

Zum ersten Mal seit 2004 findet der Traditionswettbewerb des Baden-Württembergischen Luftfahrtverbands wieder am Adolf-Würth-Airport statt. Die Premiere 1958 hatte die Haller Luftsport-Legende Fritz Hasenmayer mit initiiert. Ausrichter der 60. Auflage des Südwestdeutschen Rundflugs ist der Luftsportverband Schwäbisch Hall, unter dessen Dach sieben Teilvereine mit insgesamt rund 500 Mitgliedern vereint sind: Motorfliegerclub, Segelfliegerclub, Paraclub, Ballonsportgruppe, Hängegleiter-Flugsportgruppe, die Drachen- und Ultraleichtfliegergruppe sowie die Modellfluggruppe. Mehrere Dutzend Vereinsmitglieder und Mitarbeiter der Flugplatz GmbH sind als Organisatoren im Einsatz. Zuletzt hatte der Südwestdeutsche Rundflug meist in Leutkirch, Niederstetten, Konstanz, Mengen oder Friedrichshafen stattgefunden.

„Bei dem Wettbewerb geht es nicht um Geschwindigkeit, sondern um Präzision“, sagt Jürgen Weller, Pressesprecher des Haller Luftsportverbands. Gefordert sei, ohne GPS-Unterstützung präzise zu navigieren und Wettereinflüsse richtig einzuschätzen. „Mit solchen Flügen kann man sehr gut das auffrischen, was man während der Pilotenausbildung gelernt hat“, so Weller. Die Piloten und Navigatoren wissen: Wer viele Aufgaben im Cockpit gleichzeitig bewältigen kann, kommt im Ernstfall besser zurecht. Letztlich verbessert dies die Flugsicherheit für den gesamten Luftraum.

Suche nach Bodenzeichen

Die vorgegebene Route ist für alle gleich. Von Hall geht es zunächst Richtung Mainhardt, von dort weiter nach Norden Richtung Bretzfeld, Forchtenberg, Bad Mergentheim und Creglingen. Nach einem Schlenker nach Südosten bis nach Leutershausen und Schillingsfürst geht es zurück durchs Hohenlohische über Schrozberg und Künzelsau nach Hall. Unterwegs müssen die Crews Wendepunkte möglichst auf die Sekunde genau überfliegen sowie 15 Bodenzeichen aus der Luft entdecken und auf der Karte eintragen. Dies dient bei der Auswertung als Beweis, dass die Rundflug-Teilnehmer auch tatsächlich die vorgegebene Route abgeflogen sind. Dass unterwegs kurze Zwischenlandungen in Niederstetten und Unterschüpf bei Bad Mergentheim eingelegt werden müssen, macht die Angelegenheit noch komplizierter.

Die vielleicht größte Herausforderung wartet ganz zum Schluss: Die Piloten müssen ein Landefeld trotz recht böigen Windes zielgenau treffen. Die gelingt dem Haller Gerhard Spreng gemeinsam mit Helmut Bäder am besten. Mit nur 117 Fehlerpunkten gewinnt das Duo den Südwestdeutschen Rundflug. Da Spreng und Bäder vor kurzem auch beim Allgäuflug erfolgreich waren, ist ihnen auch der baden-württembergische Meistertitel sicher, der zum Start an der deutschen Meisterschaft berechtigt.

Vor der abendlichen Siegerehrung dürfen sich die Teilnehmer auf Kosten von Schirmherr Reinhold Würth im Hangar am Buffet stärken. Als Ehrengast war auch Hermann-Josef Pelgrim erwartet worden. Doch der OB musste kurzfristig absagen. Er besuche seine erkrankte Mutter in Bocholt, berichtet sein Stellvertreter Helmut Kaiser. Pelgrim habe bei ihm den Pilotenschein gemacht und fliege wirklich gern, ergänzt Udo Illig, Vorsitzender des Haller Luftsportverbands.

Lokalmatador holt den Sieg

Der Südwestdeutsche Rundflug ist einer der traditionsreichsten Motorflug-Wettbewerbe in Deutschland überhaupt. 1958 wurde er

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