Ein Ehepaar sitzt auf seiner Terrasse vorm Haus in Weckrieden und genießt einen Sonnentag im Herbst. Ein Flugschüler nutzt das schöne Wetter auch, kreist oben am Himmel und übt. Sechs- bis siebenmal am Tag steigt er auf und landet wieder (Platzrunden). Eigentlich kein Problem, wäre da nicht Lärm und Gestank, den er mit diesen Platzrunden verursacht. "Stellen Sie sich einfach vor, ihr Nachbar mäht stundenlang Rasen", schreiben dazu Christina und Arthur Sanwald in einem Leserbrief - ein Interessenskonflikt zwischen Sportfliegern und Anwohnern besteht. Betroffen sind vor allem auch noch Orte wie Tüngental.

Neuer Passus im Stadtleitbild "ist ein positives Zeichen"

Ausgleich soll das Stadtleitbild 2025 bringen. Das ist zwar kein Gesetz, an das man sich halten muss, aber es bietet Orientierung in Handlungsfeldern. Beispielsweise, wenn es um die Zukunft von Mobilität und Energie geht, um Interessensausgleich zwischen Verkehr, Wohnen und Aufenthaltsqualität. "Reduzierung des Fluglärms und der Schadstoffbelastung durch Freizeit- und Sportflieger, das heißt deutliche Verringerung der jährlichen Starts und Landungen, insbesondere auch der Flugschulen", lautet der neu aufgenommene Passus. Weitere Punkte an dieser Stelle im Stadtleitbild 2025: Einhaltung und Kontrolle der Landelärmschutzverordnung; Erhalt als Gewerbe- und Sportflugplatz; keine Weiterentwicklung zum Passier- und Frachtflughafen. Was ändert sich jetzt? "Wir haben ja unseren Teil bereits beigetragen und Übungsflüge von Flugschulen reduziert. Sonntags gibt es beispielsweise ab 13 Uhr keine Platzrunden mehr in Weckrieden. Daran halten wir fest", sagt Udo Illig. Der Vorsitzende des Luftsportverbandes Hall macht deutlich, dass das Platzrundenverbot am Sonntag seit mindestens zwei Jahren bestehe und auch für bereits ausgebildete Piloten gelte. Derzeit habe die Vereinsflugschule des MFC Schwäbisch Hall vier Flugschüler. An einem "normalen Tag" seien zwei bis drei Flugschüler im Training. Die Anfänger drehen dann jeweils sechs Platzrunden. Eine dauere zirka sechs Minuten - macht rund eine halbe Stunde pro Anfänger.

Von auswärtigen Flugschulen aus dem Raum Stuttgart seien derzeit maximal vier Schüler in Weckrieden in Ausbildung. Aus Illigs Sicht ist die Zahl der Übungsflüge in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Die Flugstatistik soll nun nochmal genau analysiert werden.

"Es ist ein positives Zeichen, dass das Thema überhaupt ins Stadtleitbild aufgenommen wurde", sagt Dieter Traub von Airpeace. Er war viele Jahre Vorstandsvorsitzender des Vereins und ist noch Mitglied. Wie man das weiter im Einzelnen ausgestalten kann, müsse man sehen. Traub sieht die Flugschulen als Knackpunkt, die mit ihren Platzrunden den größten Lärm verursachten, vor allem die Präsenz von auswärtigen Flugschulen in Weckrieden sollte weiter reduziert werden.

"Wir bekennen uns zu einem leistungsfähigen Flugplatz für Gewerbe und für Sportflieger, der erhalten und gesichert wird", macht Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim deutlich. Für alles Weitere sei der Flughafen Stuttgart nah genug. Es werde in Hall keinen Ausbau zu einem Regionalflughafen oder Frachtflughafen geben. Das würde riesige Probleme verursachen, weil man ganz andere Abstandsflächen bräuchte. Zudem machten Regionalflughäfen auch aus wirtschaftlicher Perspektive eher keinen Sinn, denn die Erfahrung zeige: Hohe staatliche Subventionen würden verschlungen und am Ende sei doch das Defizit groß.

"Von unserer Seite ist nichts geplant", sagt Michael Vehoff, einer der beiden Geschäftsführer am Würth Airport, zum Thema Ausbau Regionalflughafen. Der Würth Airport diene vor allem dem Geschäftsreise- und dem Privatflugverkehr. Alles andere wäre finanzieller Selbstmord.

Schlecht ausgelastete Regionalflughäfen