30 Mitarbeiter des Stuttgarter Verfassungsschutzes durchforsten derzeit laut Innenministerium alte Akten. Grund: Es ist eine Liste des sächsischen Geheimdienstes mit möglichen Helfern des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) aufgetaucht. Unter den 24 Genannten stammt einer aus Baden-Württemberg. Nach HT-Informationen handelt es sich um Achim Schmid, heute 37, der von 2000 bis 2003 den deutschen Ableger des rassistischen Geheimbunds "European White Knights of the Ku Klux Klan" in Hall geführt hat.

Schmid war zudem jahrelang Informant des baden-württembergischen Verfassungsschutzes. Da der Haller allerdings ohne Wissen des Geheimdienstes den Ableger gegründet habe, sei er 2000 abgeschaltet worden, erklärte der damalige Präsident des Landesamtes, Helmut Rannacher. Im Klan selbst war ein weiterer Spitzel aktiv, allerdings vom Bundesamt: Thomas Richter, alias "Corelli", der direkten Kontakt zu den mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe hatte.

Welche Rolle spielte Achim Schmid?

Doch auch Achim Schmid scheint eine brisantere Rolle gespielt zu haben: Laut Informationen der "Kontext Wochenzeitung", habe er auch für den sächsischen Verfassungsschutz gespitzelt. In der "Operation Drilling" sei der Haller bereits um die Jahrtausendwende auf den NSU angesetzt worden. Die Aktion scheiterte bekanntlich - das Trio flog erst 2011 nach dem Tod von Böhnhardt und Mundlos auf.

Achim Schmid selbst äußerte sich vor wenigen Monaten gegenüber dem HT, er habe vor Bekanntwerden der Mordserie weder die Bezeichnung Nationalsozialistischer Untergrund noch die Namen der mutmaßlichen Terroristen gehört.

Eigener Untersuchungsausschuss?

Welche Rolle der KKK im NSU-Komplex gespielt hat, ist nicht geklärt. Bekannt wurde der Ableger durch Ermittlungen zum Polizistenmord in Heilbronn, der dem NSU zugeschrieben wird. Zwei Beamte mischten im KKK mit, die später Kollegen der getöteten Polizistin waren.

Der NSU-Untersuchungsausschuss in Berlin will noch Ende Juli den abschließenden Bericht veröffentlichen. Aufgrund der vielen offenen Fragen zu Bezügen - auch nach Hall - wird auch im Stuttgarter Landtag nicht mehr ausgeschlossen, einen eigenen Untersuchungsausschuss einzurichten.