Äußerst sympathisch und finanziell sehr gut ausgestattet: So beschreibt ein ehemaliges Haller Klan-Mitglied den Top-Spitzel des Bundesamtes für Verfassungsschutz. "Thomas hat schnell mein Vertrauen gefunden, aber so sehr wie bei ihm wurde mein Bauchgefühl noch nie getäuscht", berichtet Peter M. (Name von der Redaktion geändert) exklusiv dem Haller Tagblatt. "Ich habe erst kürzlich erfahren, dass er ein V-Mann war."

Alle zwei Monate sei Thomas R. von Halle nach Hall gefahren, habe sich mit Klansbrüdern der "European White Knights of the Ku-Klux-Klan" (EWK KKK) getroffen, deren Chef Achim S. in einem Teilort lebte.

Das war aber nicht die einzige Baustelle von Thomas R.. Er war bei "Blood & Honour" vernetzt und einst führender Kopf der rechten Szene in Sachsen-Anhalt. Er gab die Zeitung "Nationaler Beobachter" heraus und schrieb auch für das Online-Magazin "Der weiße Wolf". Auf der Seite wurde 2002 dem NSU gedankt - neun Jahre vor Bekanntwerden der mordenden Zwickauer Terrorzelle. R. taucht auch im Adressbuch vom NSU-Terroristen Uwe Mundlos auf, welches 1998 in dessen Garage gefunden wurde.

Mit fünf anderen habe "Corelli" laut "Spiegel"-Angaben in den 90er Jahren den ersten EWK-KKK-Ableger gegründet. Aus diesem ging 2001 die rassistische Haller Kapuzen-Fraktion hervor - mit Achim S. an der Spitze. R. mischte weiter mit.

"Thomas war immer sehr hilfsbereit - auch oder vor allem wenn man finanziell knapp war", erinnert sich das Ex-Mitglied Peter M. Außerdem habe der Spitzel für den Haller Ku-Klux-Klan "immer wieder kleine Finanzspritzen parat" gehabt.

Stammte dieses Geld vom Verfassungsschutz? Diese Frage will das baden-württembergische Innenministerium nicht beantworten. "Diese Sache ist als geheim eingestuft. Es gibt nichts, worüber ich reden darf", so Sprecher Günter Loos.

Fakt ist aber, dass der Verfassungsschutz bundesweit Mitgliedern der rechten Szene Geld zugeschoben hat, um an Informationen zu gelangen - teilweise wurden diese Gelder aber von den Neo-Nazis in den Aufbau der rechten Strukturen investiert. Finanzierte der Staat also den Haller Klan mit, wo bis 2003 auch zwei Böblinger Polizisten unter die weißen Kapuzen schlüpften? Das bleibt offen.

Bei Blut-Ritualen mit Kreuzverbrennungen auf den Ruinen Limpurg und Geyersburg wurden die Beamten aufgenommen. Schon damals wussten die Behörden Bescheid, rügten die Polizisten, ließen sie aber im Dienst. Aufgeflogen ist die Affäre, weil einer der Beamten Gruppenführer der 2007 in Heilbronn ermordeten Polizistin Michele Kiesewetter war (siehe Info). Die Tat wird dem Nationsozialistischen Untergrund zugeschrieben. Spitzel Thomas R. kannte sowohl die mutmaßlichen Täter als auch den Kollegen des Opfers. Hat das etwas zu bedeuten?

Das will auch der NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestags wissen und möchte neben "Corelli" die zuständigen Beamten als Zeugen laden, sagt Vorsitzender Sebastian Edathy (SPD) gegenüber dem Haller Tagblatt. "Das Bundesinnenministerium weigert sich bislang, diesen Beschluss zu erfüllen und die entsprechenden Beamten zu benennen. Diese Haltung ist nicht akzeptabel." Begründung: Daten von weiteren V-Männern oder Verfassungsschutzmitarbeitern könnten publik werden. "Bislang will das Bundesinnenministerium aber nicht einmal einräumen, dass es einen V-Mann ,Corelli gab. Das ist lächerlich", so Edathy weiter. Das Gremium sei bereit, für das Recht der Aufklärung zu klagen - und hat bis Mitte Februar ein Ultimatum gesetzt.