Spital, Brauereiwirtschaft, Woha-Kaufhaus

SWP 10.10.2015

Wenn nicht das kleine doppelte Rundbogenfenster mit dem Säulchen und Kapitell die Fassade zum Kocher hin schmücken würde, käme wohl kaum einer der vielen Passanten auf die Idee, dass sich hinter der etwas "trockenen" Putzfassade des Kaufhauses Woha in der Heimbacher Gasse 2 ein Gebäude aus dem Hochmittelalter verstecken könnte. Das spätromanische Biforium, wie es in der kunsthistorischen Fachsprache heißt, wurde während einer Fassadensanierung 1987 erkannt und freigelegt. Daneben kam der Rest eines alten Torgewändes zum Vorschein, das zwar erhalten blieb, aber wieder überputzt wurde. Beide zeigen an, dass dort um 1200 bis 1250 das Straßenniveau ein ganz anderes war. Die damaligen Wege dürften gut ein bis zwei Meter tiefer gelegen haben und damit war auch der Wasserspiegel des Kochers deutlich tiefer, denn er war sicherlich noch nicht durch das Dreimühlenwehr gestaut.

Um 1200 baute sich der Johanniterorden seine Niederlassung am Flussübergang außerhalb der eigentlich befestigten Stadt mit Kirche und Spitalgebäude. Das war zu dieser Zeit die einzige Krankenanstalt und Pflegestation in der Stadt. War man anfänglich mit der Einrichtung der Johanniter zufrieden, so kamen immer mehr Beschwerden aus der Bevölkerung, die eine Übernahme der sozialen Einrichtung in die öffentliche Hand Anfang des 14. Jahrhunderts forderten.

Die anschließende Kirche selbst war bei den Hallern als Grablege beliebt. 1502 erfolgte ein großer rückwärtiger Anbau die Heimbacher Gasse hinauf. Als Hall an Württemberg fiel, wurde die Johanniterkommende aufgelöst und die Gebäude kamen in Staatsbesitz. Die Stadt erwarb später die Kirche, die Gebäude wurden vom Staat an Heinrich Wacker verkauft, der dort die Brauerei "Zum Ritter" einrichtete. Der Name sollte an die Johanniter erinnern.

Der große vordere Baukörper, wie er sich heute darstellt, ist in großen Bereichen ein Neubau des 19. Jahrhunderts, nur die Mauern im Keller bis maximal ins Obergeschoss und die Trennwand zum rückwärtigen Anbau stammen noch aus der Zeit des Johanniterspitals. Dort richtete sich der Gastwirt und Brauer Wacker wohl eine der größten Gastwirtschaften Halls ein, günstig gelegen mitten in der Stadt an der Kocherbrücke, über die damals der gesamte Verkehr lief.

Die florierende Gaststätte wurde im Kriegsjahr 1941 geschlossen und nahm dann diverse militärische Einrichtungen auf. 1945 nutzten die Amerikaner die Räume für ihre Soldaten. Danach residierte dort übergangsweise die Bausparkasse, bis das Anwesen in den Besitz von Kaufleuten kam, später dann von der Stadt erworben wurde. Die Brauerei blieb jedoch länger als die Wirtschaft bestehen, erst 1979 stellte die Ritterbrauerei ihren Betrieb ein.

Das baugeschichtlich bedeutsame Hauptgebäude wurde nach 1960 für die Einrichtung eines Kaufhauses entkernt, Betonstützen und Decken wurden eingezogen, nur der spätmittelalterliche Dachstuhl auf dem Anbau und das Dachgebälk des 19. Jahrhunderts auf dem Vorderbau blieben erhalten. Dieser radikale Umbau bedeutete einen großen Verlust für die Stadtgeschichte. Die Baugeschichte dieses geschichtsträchtigen Anwesens wird sich trotz aller Bemühungen aufgrund der vielen willkürlichen Zerstörungen nicht mehr erschließen lassen.

Info Autor Albrecht Bedal war jahrelang Leiter des Hohenloher Freilandmuseums. Er beschreibt in seinem neuesten Werk "Haller Häuser Buch" historische Gebäude.