Stürmisch umarmen mich die syrischen Brüder Amer (5) und Omar (7), als ich die Turnhalle des Berufsschulzentrums Hall betrete, die als Notunterkunft vor allem für Flüchtlingsfamilien oder Mütter mit Kindern dient. Rund 49 Personen leben momentan hier, manche bereits seit November vergangenen Jahres.

Die Flüchtlingskrise beherrscht seit Monaten die Medien. Doch bis Mitte November hatte ich keinerlei Kontakt zu den ankommenden Menschen. Im Unterricht haben wir uns intensiv mit diesem Thema befasst. Schon länger hatte ich mir deshalb überlegt, selbst in der Flüchtlingshilfe einen Beitrag zu leisten. Wirklich aktiv wurde ich allerdings erst durch den Seminarkurs am Gymnasium bei St. Michael, wo ich momentan die elfte Klasse besuche. Der Kurs steht unter dem Motto „Lernen durch Engagement“ und jeder Schüler muss mindestens zwanzig Stunden in einer sozialen Einrichtung mithelfen und ein Projekt auf die Beine stellen.

Mein Ziel war es, insbesondere den Flüchtlingskindern das Ankommen in einer völlig fremden Welt zu erleichtern und sie ihre oft von Kriegserlebnissen geprägte Vergangenheit für einige Stunden vergessen zu lassen. Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, einmal wöchentlich, meist samstags von zehn bis zwölf Uhr, bei einem Beschäftigungsprogramm für Kinder in der Turnhalle zu helfen und es auch mitzugestalten. Das Programm wurde von einer Lehrerin an der Fachschule Schwäbisch Hall und angehenden Erzieherinnen ins Leben gerufen. Wir haben mit den meist syrischen und afghanischen Kindern, die zwischen drei und zwölf Jahre alt sind, gebacken, gebastelt und gespielt – einfach Zeit mit ihnen verbracht.

Da die Kinder häufig nicht genügend Obst essen, haben wir beispielsweise mit ihnen Obstsalat gemacht und zuvor das gleichnamige Spiel gespielt. Mit Begeisterung lernten die Kinder die verschiedenen Obstnamen und schnippelten Bananen, Äpfel und Trauben. Am besten hat ihnen jedoch die Schlagsahne geschmeckt. Auch Basteln macht den Kindern großen Spaß. So haben wir geknetet, mit Wasserfarben und Kreide gemalt oder einfache Origamifiguren gefaltet. Dadurch kommen die Kinder zur Ruhe und sind stolz, wenn sie ein fertiges Bild präsentieren können. Turbulenter geht es bei den Spielen zu. Eine besondere Vorliebe haben vor allem die Jüngeren für das Lied „Aram sam sam“. Fast jedes Mal wird es gewünscht und in allen Geschwindigkeiten gesungen.

Aber auch Kooperationsspiele kommen nicht zu kurz, denn häufig verstehen sich die Kinder untereinander schlecht. Besonders Aland, ein fünfjähriger syrischer Junge, fühlt sich oft von den älteren Jungen geärgert und reagiert schnell aggressiv. Durch gemeinsames Spielen wollte ich erreichen, dass die Kinderzusammenarbeiten und sich absprechen. Einfache Spiele wie „Dicht an dicht“, bei dem jeder einen Luftballon zwischen sich und seinen Vordermann klemmt und sich in der Reihe vorwärts bewegen muss, ohne, dass einer der Ballons herunterfällt, haben den Kindern Zusammenarbeit und Vertrauen näher gebracht. Ich habe normalerweise nicht so viel mit Kindern zu tun und war zu Beginn unsicher, wie ich mit ihnen umgehen soll. Gerade auch wegen der Sprachproblematik. Doch bereits beim ersten Treffen war ich überrascht, wie unglaublich offen und begeisterungsfähig sie sind.

Obwohl die Kinder zu Beginn kaum ein Wort Deutsch oder Englisch konnten, war die Verständigung meist kein Problem. Mein Ziel war es, einen kleinen Beitrag zu leisten und die Menschen zum Lächeln zu bringen. Mein Appell an alle: einfach mithelfen, denn jede Hilfe zählt.