Vellberg Speditionen: Ärger über Bundesstraßen-Lkw-Maut

Jürgen Schmitt findet die Lkw-Maut auf Bundesstraßen „nicht gerechtfertigt“. Damit ist er nicht allein. Auch andere Spediteure sehen sich als  Handlanger des Staates missbraucht.
Jürgen Schmitt findet die Lkw-Maut auf Bundesstraßen „nicht gerechtfertigt“. Damit ist er nicht allein. Auch andere Spediteure sehen sich als  Handlanger des Staates missbraucht. © Foto: Foto: Kerstin Dorn
Vellberg / Kerstin Dorn 12.07.2018
Diese Entscheidung ist ungerecht!“, ärgert sich Jürgen Schmitt, Geschäftsführer der gleichnamigen Spedition mit Sitz in Vellberg. Sein Ärger gilt der Lkw-Maut, die für alle Fahrzeuge ab 7,5 Tonnen seit dem 1. Juli auf deutschen Bundesstraßen fällig ist.

„Diese Entscheidung ist ungerecht!“, ärgert sich Jürgen Schmitt, Geschäftsführer der gleichnamigen Spedition mit Sitz in Vellberg. Sein Ärger gilt der Lkw-Maut, die für alle Fahrzeuge ab 7,5 Tonnen seit dem 1. Juli auf deutschen Bundesstraßen fällig ist.

Ganz neu ist die Bundesstraßen-Maut nicht. Bereits in der Vergangenheit wurde sie auf
ausgewählten Strecken erhoben. Seit dem 1. Juli jedoch werden die Gebühren im ganzen 39 000 Kilometer langen Bundesstraßen-­Netz fällig. „Diskussionen dazu gab es schon lange, die konkrete Umsetzung jedoch kam zu spät“, wie Schmitt beklagt. „Wir konnten die Kosten nicht in die Verhandlungen mit unseren Kunden einrechnen und zahlen jetzt drauf.“

Doppelte Preisverhandlung

Das sind Summen, die richtig ins Kontor schlagen. Sein Unternehmen muss jetzt bereits monat-
lich 30 000 Euro für Mautgebühren zahlen. „Wir rechnen mit
Kostensteigerungen im Fernverkehr von vier, im Nahverkehr von etwa 20 Prozent“, sagt Schmitt. Wer die Rechnung zahlen soll, weiß er noch nicht. Aber eines ist sicher: Seine Margen sind zu gering, um diese Kosten aufzufangen.

Ungerecht ist die Entscheidung seiner Meinung nach in zweifacher Hinsicht: Erstens würden einmal mehr ausschließlich die Lkw-Halter zur Kasse gebeten und zweitens träfe diese Entscheidung insbesondere deutsche Unternehmen, die „die letzten Meilen zum Kunden übernehmen und nicht, wie so viele osteuropäische Anbieter, die großen Transitzentren anfahren.“

Auch Ralf Nunner, Prokurist bei der Spedition Hohl mit Sitz in Schnelldorf, ist verärgert. Er sieht die Speditionen als die „Steuereintreiber der Regierung“. Mit der Maut kämen Kosten auf sein Unternehmen zu, die er noch gar nicht kalkulieren könne: „Die erste Abrechnung präsentiert der Betreiber ,Toll Collect’ erst Anfang August. Erst dann werden wir Zahlen bekommen, mit denen wir arbeiten können“, sagt Nunner.

Doch selbst, wenn er die Mautgebühren in die Kalkulation einrechne, befürchtet Jürgen Schmitt, lege er drauf. Denn es gebe immer Leerfahrten, die trotz aller Streckenoptimierungen nicht zu vermeiden sind und die rund zehn Prozent aller Fahrten ausmachen.

Um die Maut zu überwachen, sollen 600 Kontrollsäulen aufgestellt werden. Dabei können die deutschen Spediteure die Maut gar nicht umgehen. Ihre Fahrzeuge sind mit sogenannten „On Board Units“ ausgestattet, die die Gebühren automatisch abrechnen. Außerdem koste ein Ausweichen auf die Landesstraßen viel Zeit und damit noch mehr Geld. „Mit einem 40-Tonner durch die Dörfer zu fahren, ist schlichtweg unwirtschaftlich“, sagt Jürgen Schmitt.

Die höheren Kosten sind für die Spediteure eine unangenehme Sache. Schmitt erklärt: „Wir müssen jetzt auf unsere Kunden zugehen und höhere Preise verlangen und das Ganze Anfang Januar 2019 wiederholen. Denn dann sollen die Sätze noch einmal steigen: von aktuell 13,5 Cent auf 18,5 Cent pro gefahrenen Kilometer.“ Es sei zwar dringend geboten, Geld für den Straßenbau auszugeben, aber: „Seit 13 Jahren zahlen wir Maut“, beklagt Schmitt, „und die Straßen werden immer schlechter. Einige Brücken können schon jetzt nicht mehr befahren werden. Gerechter ist es, Maut von allen Verkehrsteilnehmern zu verlangen, auch wenn dort mehr Gegenwind seitens der Lobbyverbände zu erwarten ist.“

7,2

Milliarden Euro Einnahmen aus der Lkw-Maut erwartet der Bund pro Jahr, wenn zum 1. Januar 2019 die neuen und höheren Tarifsätze gelten. Das sind 2,5 Milliarden Euro mehr als bisher. Abzüglich der Kosten für den Systembetrieb ist das Geld für Investitionen im Straßenbau vorgesehen. Da etwa acht Prozent der Bundesstraßen in die Obhut der Länder fallen, sollen diese den entsprechenden Anteil bekommen. Die vorherige Regierung hat die Änderungen beschlossen.

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