Projekt Sonnenrain: Wohnen für Fortgeschrittene

Sie sind bereits alle verbindlich bei „Viva!Karree“ dabei: Das Wohnprojekt im Sonnenrain will sich seine eigene „Oase“ in einem der in sich geschlossenen Wohnkarrees aufbauen. Wer möchte, kann sich jetzt noch beteiligen.
Sie sind bereits alle verbindlich bei „Viva!Karree“ dabei: Das Wohnprojekt im Sonnenrain will sich seine eigene „Oase“ in einem der in sich geschlossenen Wohnkarrees aufbauen. Wer möchte, kann sich jetzt noch beteiligen. © Foto: Privatfoto
Schwäbisch Hall / Beatrice Schnelle 08.08.2017
„Viva!Karree“ ist eines der beiden zukunftsweisenden Wohnprojekte, mit denen sich die Stadt Hall am Landeswettbewerb „Quartier 2020“ beteiligt.

Noch ist auf dem künftigen Baugebiet Sonnenrain in Hessental nur eine Menge freier Landschaft zu sehen. Doch wer mit seinem „dritten Auge“ aufmerksam hinschaut, erkennt über dem nordöstlichen Zipfel der Fläche eine golden flirrende Aura mit bunten Sternchen drin. Sie besteht aus den Wünschen, Hoffnungen und der Begeisterung einer Gruppe Menschen, die sich dort ihre Vision von einem Zuhause mit besonders hohem Wohlfühlfaktor erfüllen wollen. „Viva!Karree“ haben sie ihren Traum genannt, und er ist auf dem besten Weg, wahr zu werden.

 Die Stadt findet die Idee bemerkenswert genug, um sich mit dem Projekt am Wettbewerb „Quartier 2020“ zu bewerben. 2,5 Millionen Euro macht das baden-württembergische Ministeriums für Soziales und Integration zur Unterstützung sozialer Räume locker, „in die Menschen sich einbringen, Verantwortung übernehmen und sich gegenseitig unterstützen“. Im Fokus stet dabei auch die zunehmende Zahl von Senioren in der Gesellschaft. Die Gewinner erhalten bis zu 100.000 Euro.

Senioren und junge Familien

Die Aufteilung des Sonnenrains in viele, in sich geschlossene Gevierte, die durch einen autofreien Grünboulevard verbunden sind, spielt der Gruppe um Wolfgang Schmalzried in die Karten: In dem nordöstlichen Karree wollen sie sich mit ihrem Mehrgenerationen-Projekt gemütlich einrichten.

Die Win-win-Situation ist klar: Die Senioren könnten für die jungen Familien da sein, etwa bei der Kinderbetreuung, die Jungen wiederum könnten den Alten zur Hand gehen. In einem gemeinsam gestalteten, halböffentlichen Bereich im Zentrum des Reviers trifft sich, wer Gesellschaft wünscht. Wer seine Ruhe haben will, zieht sich in eine der etwa vierzig vorgesehenen, barrierefreien Wohnungen oder Häuser zurück.

Der unschätzbare Vorteil sei, dass „Viva!Karree“ die Bebauung seines Areals flexibel gestalten darf: „Mit Einfamilien-, Reihen- und Mehrfamilienhäusern, ganz nach Wunsch“, zählt Sina Wolberts auf, „und man kann sich aussuchen: Will ich mieten oder kaufen?“ Die 26-jährige zweifache Mutter ist mit ihrer Familie an der neuen Form des Wohnens beteiligt.

Wichtig sei, dass die Teilgruppen überschaubar blieben: „Solange es acht bis zwölf Personen sind, kann jeder mit jedem reden“, spricht der 65-jährige Profi-Coach Wolfgang Schmalzried aus Erfahrung. Die sechs Baugemeinschaften, die es wohl geben wird, organisieren sich intern und legen ihre jeweils eigene Finanzierungsform fest.

Sina Wolberts und ihre Mitstreiter haben sich beispielsweise für ein Mietshäusersyndikat entschieden, das über eine Bank Direktkredite einsammelt. Ein Bewohnerverein für alle übernimmt die Verwaltung des Gesamtareals. „Das Ende der Separierung ist die Zukunft des Wohnens“, glaubt Schmalzried.

Der renommierte Heilbronner Baubegleiter für Baugemeinschaften, Wolfgang Grünenwald, hilft den Pionieren dabei, auch von Anfang an alles richtig zu machen. Ebenso hält Baubürgermeister Peter Klink seine schützende Hand über „Viva!Karree“. Bei Workshops und monatlichen Treffen lernen sich die zukünftigen Nachbarn besser kennen. „Es muss passen“, betont Sina Wolberts.

„Ich werde oft gefragt: Wie wollen Sie da Leute finden?“, erzählt Schmalzried, „und ich sage dann: Wir werden eher das Problem haben, mit dem Ansturm fertig zu werden.“

Noch Platz für rund 40 Personen

30 Menschen zwischen eineinhalb und 70 Jahren sind bereits verbindlich dabei: „Und wir haben noch nicht mal richtig Werbung gemacht.“ Für 30 bis 40 weitere Personen ist derzeit noch Platz.

Willkommen sind Paare mit oder ohne Kinder, ebenso alleinstehende Menschen jeden Alters. Entscheidend für Bewerber sei dabei der Wille zum gemeinschaftlichen Leben: „Wer das nicht will, macht besser einen weiten Bogen um uns.“

Ab September legt „Viva!Karree“ dann richtig los mit der Planung. Wer sich über die Möglichkeiten zu einer Beteiligung informieren lassen möchte, findet alle Kontaktadressen, Termine und mehr im Internet unter
www.gemeinsam-wohnen-in-hall.de.

„Quartier 2020“: Das Sonnenhof-Projekt

Schwäbisch Hall bewirbt sich mit einem weiteren Projekt beim Wettbewerb „Quartier 2020“: Die bauliche Umwandlung des Sonnenhof-Geländes in ein Wohngebiet für jedermann wurde im HT bereits vorgestellt. Bisher leben dort ausschließlich Menschen mit Behinderung. Ähnlich wie im Sonnenrain sollen nun Wohnhöfe für Familien, Singles und Senioren entstehen. In Workshops können alle Beteiligten ihre Wünsche und Vorstellungen von einem angenehmen Miteinander zur Sprache bringen. Infos gibt es unter www.sonnenhof-sha.de. cito

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