Sonnenhof Sonnenhof: Angebot für Menschen mit Behinderung in Haller Friedrichstraße endet

Im Wohnzimmer des Sonnenhof-Hauses in der Friedrichstraße: (von rechts) Schwester Marianne Setzer, Manuel Steiner, Barbara Hettler und Martina Kinstler.
Im Wohnzimmer des Sonnenhof-Hauses in der Friedrichstraße: (von rechts) Schwester Marianne Setzer, Manuel Steiner, Barbara Hettler und Martina Kinstler. © Foto: Traugott Hascher
Schwäbisch Hall / TRAUGOTT HASCHER 30.09.2014
Der Abschied von der Friedrichstraße fällt Marianne Setzer und Barbara Hettler nicht leicht. Die beiden Frauen haben dort ein Lebenswerk geschaffen. Der Sonnenhof beendet nun das Angebot dort.

In der Arche wird an diesem Mittwoch wie gewöhnlich Andacht gefeiert. Aber dieses Mal ist es wenig gewöhnlich. Etwa 100 Menschen, vor allem Weggefährten, sind gekommen. Der Abschied vom Haus in der Friedrichstraße - einem Wohnangebot des Sonnenhofes - wird als Abendmahlsandacht gefeiert. Es schließt sich ein Kreis: Ein Werk wird dort abgeschlossen, wo es im September 1968 seinen Anfang nahm.

"Ich bin die einzige Diakonisse, die nie versetzt worden ist", sagt die Diakonissin-Schwester Marianne Setzer mit Blick auf ihren beruflichen Einsatz im Sonnenhof. Den Geist des Anfangs hat sie nie losgelassen. Oder dieser Geist hat sie nicht losgelassen. Schwester Marianne, im Birkenhaus für sechs Kinder mit geistiger Behinderung verantwortlich, erinnert sich zurück an die Begegnungen mit Pfarrer Gerhard Schubert und Rose-Linde Warnecke, die die damals junge Einrichtung leiteten.

Eindrückliche Erzählungen aus der NS-Zeit

Geprägt ist Setzer auch von den Erzählungen der Diakonissen, die die Zwangsräumung des Gottlob-Weiser-Hauses während der NS-Zeit miterleben mussten und die Ermordung vieler Bewohner mit geistiger und seelischer Behinderung nicht verhindern konnten. Sichtlich berührt schildert sie: "Die waren noch im hohen Alter tief betroffen. Die grauen Busse waren für alle eindrücklich. Bewohner, die das überlebt haben, denen hat man das mit Tränen in den Augen deutlich angemerkt."

Die Diakonisse ging indes unbeirrt Schritt für Schritt ihren Weg im Sonnenhof: "Wenn es jemand geschafft hat, allein mit dem Löffel zu essen, so war das eine Sensation, die wir Pfarrer Schubert erzählt haben." Auch Setzers eigene Familie war involviert: "Ich habe Geld von meiner Familie und von Freunden bekommen, davon kauften wir ein rotes, mit Kunststoff bezogenes Sofa. Das war Luxus pur." Barbara Hettler kam 1972 auf den Sonnenhof und absolvierte wie Schwester Marianne eine Ausbildung zur Heilerziehungspflege. Obwohl die beiden Frauen nicht unmittelbar zusammenarbeiteten, freundeten sie sich an.

Das Jahr 1983 bedeutete für Schwester Marianne einen Neuanfang. Sie wollte familienähnlicher mit den ihr anvertrauten Bewohnern zusammenleben. Ihren Wunsch setzte sie gegenüber dem Sonnenhof durch. Im Elsbeerweg in Untermünkheim wird ein entsprechendes Haus gefunden. "Wir lebten damals in Untermünkheim schon inklusiv", sagt Schwester Marianne, die dort schwerst mehrfach behinderte Menschen betreute. Die Akzeptanz sei sehr groß gewesen.

Auch für Barbara Hettler war 1983 ein Jahr beruflicher Veränderung. Obwohl sie im Schöneck, das damals zur Behindertenhilfe des Diaks gehörte, zu arbeiten begann, und dort den Freizeit- und Erwachsenenbildungsbereich aufbaute, blieben Hettler und Setzer in Kontakt. Auf gemeinsamen Ausflügen kamen die ihnen anvertrauten Menschen zu unvergesslichen Eindrücken. Sie erlebten, dass auch im Rollstuhl vieles möglich ist. Sie erklommen einmal sogar einen Berggipfel.

1991: Abschied aus Untermünkheim fällt schwer

1991 wurde das gemietete Haus in Untermünkheim verkauft. Schwester Marianne blieb ihrer Linie treu, mit Menschen mit schweren Behinderungen nachbarschaftlich zu wohnen. In der Haller Friedrichstraße fand sich ein adäquater Wohnort. Am 15. September 1991 war der Einzug. Am 1. Januar 2003 stieß die Freundin hinzu. Barbara Hettler löst Schwester Marianne offiziell ab. Ehrenamtlich blieb die Diakonisse allerdings in der Friedrichstraße wohnen, um sich weiterhin Tag und Nacht für die pflegebedürftigen Bewohner einzusetzen. Bis heute. Nun, nachdem auch Barbara Hettler in den Ruhestand geht, stellt der Sonnenhof das Angebot in der Friedrichstraße ein.

Einige Bewohner, die seit rund 30 Jahren eng zusammen lebten, gar eine familiäre Bindung aufgebaut haben, müssen sich nun trennen. "Wir hatten hier ein Paradies", blickt Schwester Marianne zurück. Nun gilt es, Abschied zu nehmen.

Drei der Bewohner kämen nun im Heim Schöneck unter, teilt der Sonnenhof mit. Die 76-jährige Schwester Marianne bezieht nun eine Wohnung im neuen Wohngebiet Breiteich, auch Barbara Hettler (63) wohnt im gleichen Haus.

Die ehemalige Bewohnerin Martina Kinzler ist erwachsen geworden. "Die beiden sind fast meine Familie", sagt sie über Marianne Setzer und Barbara Hettler. Jetzt gilt es für Martina Kinzler, eigene Wege zu gehen.

Der Autor Traugott Hascher arbeitet beim Sonnenhof und ist dort für die Öffentlichskeitsarbeit zuständig.

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