Festakt Beschützende Werkstätte heißt jetzt LebensWerkstatt

Die Namensänderung in LebensWerkstatt sei laut Hans-Christoph Ketelhut, Leiter der Diakonie-Einrichtung, längst überfällig gewesen.
Die Namensänderung in LebensWerkstatt sei laut Hans-Christoph Ketelhut, Leiter der Diakonie-Einrichtung, längst überfällig gewesen. © Foto: Rainer Richter 
Schwäbisch Hall / Rainer Richter 19.09.2017
Die Beschützende Werkstätte begeht ihr 50-jähriges Jubiläum an allen acht Standorten in der Region mit der Bekanntgabe ihrer Namensänderung.

Zum Auftakt der Jubiläumsfeierlichkeiten gab es am Gründungsort in Heilbronn einen Gottesdienst in der Kilianskirche und einen Festakt in der Harmonie. Für Hans-Christoph Ketelhut, den Geschäftsführer der diakonischen Einrichtung, ist die Namensänderung von Beschützende Werkstätte in LebensWerkstatt längst überfällig.

Sie zeigt die neue Ausrichtung des Wirkens, wie er am Sonntag in der LebensWerkstatt in Schwäbisch Hall beim Festakt verkündete: „Für uns ist es wichtig, Menschen mit Behinderung in ihrer selbstgestalteten Teilhabe  am gesellschaftlichen Leben zu bestärken. Dies umfasst nicht nur die Arbeit, sondern auch, wie und wo sie leben und wie sie ihre Freizeit gestalten.“

Naziregime noch in Erinnerung

Nach dem Zweiten Weltkrieg war es für viele Eltern vordringlich, ihre behinderten Kinder zu schützen.  Zu präsent war in der Erinnerung noch das Wüten des Naziregimes.

Man fing 1967 die Arbeit mit zehn Kindern an. Kinder, weil wenige der erwachsenen Behinderten die Gräueltaten des Nazi-Regimes überlebt hatten. 1969 wurde eine Tagesstätte für 14 Schwerstbehinderte gegründet. 1976 ein Wohnheim für Behinderte in Heilbronn.

Aus heutiger Sicht war der Gedanke des Schützens vielleicht zu betont. Die Bewohner des Wohnheimes hatten keine eigenen Schlüssel und mussten ihr Kommen und Gehen stets melden.  1990 ging die Schlüsselgewalt dann auf sie selbst über. Es gehört zum Selbstständigwerden. Die Erkenntnis, dass auch alle behinderten Menschen bildungsfähig sind, führte zur Gründung eines Bildungsbereichs und stieß die Tür in die Gesellschaft weit auf. Einen weiteren Impuls ergab die Anerkennung der UN-Behindertenrechtskonvention durch die Bundesrepublik Deutschland.

Der Erste Landesbeamte Michael Knaus versicherte in seinem Grußwort, der Landkreis stehe als Partner hinter den Zielen der Werkstätten. Die Wünsche der Beschäftigten zu respektieren und die Möglichkeit, das Leben selbst zu gestalten, verschaffen Genugtuung, Freude und Motivation. Stadtrat und stellvertretender Bürgermeister Hartmut Baumann: „Ich gratuliere zum Jubiläum und bin stolz auf das Haus.“ Sonja Lambrecht, Würth-Mitarbeiterin und zuständig für Logistik und Wirtschaft, lobte die Leistung  der Behinderten, die als Dienstleister der Firma Würth 40 000 Schraubenpakete tadellos für den Versand herrichteten.

In einer kleinen Talkrunde stellten die Moderatoren Uwe Kaiser und Sebastian Schulze noch Fragen an Daniel Vanden  Eeckhout als Vertreter der Behinderten, Jochen Benz als Jobcoach und Claudia Sporowski, die durch die LebensWerkstatt an den Sonnenhof vermittelt wurde.

Mehr als 1300 Menschen an acht Standorten

Die LebensWerkstatt ist vertreten an den Standorten Heilbronn-Böckingen, Heilbronn-Kirchhausen, Crailsheim, Schwäbisch Hall, Talheim,  Ingelfingen, Bad Friedrichshall und Öhringen. Insgesamt sind in den Werkstätten mehr als 1300 Menschen mit Behinderung beschäftigt. Dazu kommen 570 angestellte Mitarbeiter. Das Leistungsspektrum reicht von einfachen manuellen Tätigkeiten bis hin zu komplexen Montagen und Metallbearbeitung. Zu den Kunden gehören unter anderem Audi, Unilever und Würth. Im vergangenen Jahr haben die Lebenswerkstätten 2,7 Millionen Euro erwirtschaftet. Ein Förderverein und ein Freundeskreis unterstützen die Lebenswerkstatt. ri

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