Schwäbisch Hall Sind Bushaltestellen zu teuer?

Diese Bucht an der Michaelstraße soll verschwinden. Der Bus hält dann in der Straßenmitte.
Diese Bucht an der Michaelstraße soll verschwinden. Der Bus hält dann in der Straßenmitte. © Foto: privat
Schwäbisch Hall / Tobias Würth 24.07.2018
Die Stadtverwaltung will für 660.000 Euro vier Bushaltestellen im Teurershof modernisieren lassen. Einigen Stadträten ist das zu teuer.

Besonders die Bewohner des Altenheims beklagen den holprigen Gehweg und die marode Bushaltestelle. Im jüngsten Bau- und Planungsausschuss geht es um eine Modernisierung.

Die Haller Stadtverwaltung will die Haltestelle „Altenzentrum“ für 417.000 Euro erneuern. Die Sanierung der Haltestelle „Waldorfschule“ könnte 240.000 Euro kosten. Höhere Bordsteine werden eingesetzt, um das barrierefreie Einsteigen zu ermöglichen. Für Sehbehinderte werde es  mit dem Stock ertastbare Führungslinien auf dem Boden geben. Mit in der Kalkulation sind neue Gehwege, Entwässerungskanäle und Beleuchtungen. Zudem soll nur noch eine Busbucht (die in Richtung Stadtmitte im Teurershof) als solche erhalten bleiben. An allen anderen Stellen wird der Gehweg als Bushaltestelle in den bisherigen Straßenbereich ragen, was „Buskap“ genannt wird.

Das bringt FWV-Fraktionssprecher Hartmut Baumann in Fahrt: „Das gibt Zustände wie in Hessental. Der Omnibus steht mitten auf der Straße und es gibt Staus. Sämtliche Busbuchten sollten erhalten bleiben.“ Reinhold Goisser, Abteilungsleiter Tiefbau, entgegnet: „Der Busbetreiber bevorzugt Buskaps. Da kann man schneller ein- und aussteigen.“

„Seit dem Jahr 1983 führen wir die Diskussion. Es kommt immer so regelmäßig wie Weihnachten: Die FWV ist gegen Buskaps“, kontert CDU-Stadtrat Thomas Weber. Der Busunternehmer ist selbst ab und an hinter dem Steuer eines Busses zu sehen. „Der Hauptgrund für die Buskaps ist die Barrierefreiheit“, meint Weber. Zudem sorgen sie dafür, dass der Bus schneller vorankommt, da der Halt an der Bushaltestelle kürzer ausfällt.

Gefahr in Schulzeit

Es gibt Bedenken gegen die Sitzungsvorlage der Stadtverwaltung. „400.000 Euro für eine Bushaltestelle. Da muss ich schlucken“, bekennt Nikolaos Sakellariou (SPD). Goisser versichert, dass im Preis für die Haltestellen „Altenzentrum“ auf den beiden Seiten der Michaelstraße auch 100.000 Euro allein für die Erneuerung des Gehwegs im Umfeld mit drin sind. Um die Kosten der Arbeitsvergabe zu senken, sei nach einer ersten Runde eine zweite Ausschreibung erfolgt. Um wie viel wird es günstiger, wenn die Baufirmen nicht in den Sommerferien ans Werk gehen, sondern danach? In den Ferien verlangen die Baufirmen Aufschläge. Nur eine Firma gab ein Angebot ab. Das weist nach der Bauzeitenänderung eine Ersparnis von 38.000 Euro für alle Bushaltestellen in vier Fahrtrichtungen am „Altenzentrum“ und an der „Waldorfschule“ aus.

Doch das will Joanna Walter (Grüne) nicht als Vorteil gelten lassen. „Ich gratuliere den Bauarbeitern, die dort nach den Ferien schaffen müssen“, sagt sie ironisch. Während der Schulzeit sei es extrem gefährlich, direkt an der Waldorfschule eine Baustelle zu eröffnen. Goisser versichert, dass es Ersatzhaltestellen in der sechswöchigen Bauzeit im Herbst geben werde.

Doch Walter bleibt hart: „Wir verbuddeln so viel Geld, da kommt es auf 15.000 Euro nicht an.“ Hartmut Baumann fällt noch ein Argument gegen das Buskap, also die Haltestelle in der Straße – anstatt in einer Busbucht –, ein: „Der Bus verdeckt dann die Sicht auf den Zebrastreifen.“ Das bedeutet eine Gefahr für Fußgänger. Auch Kristian Neidhardt (FDP) hält wenig von Buskaps: „Ich würde es so lassen, wie es ist.“ Das wiederum lässt Jutta Niemann, Grünen-Stadträtin und Landtagsabgeordnete, nicht gelten: „Wir sind verpflichtet, Barrierefreiheit im Nahverkehr herzustellen.“

Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim signalisiert, dass er die Modernisierung der Haltestellen für teuer hält. Es liege in der Hand der Stadträte, im Gemeinderat am morgigen Mittwoch darüber zu bestimmen. Pelgrim: „Wenn’s nicht gemacht wird, geht die Welt nicht unter. Und wenn’s gemacht wird, auch nicht.“

Die beiden Abstimmungen über die Empfehlungen im Bauausschuss für die Buskaps erfolgen quer über alle Fraktionen mit neun Jastimmen und zusammengerechnet ebenso vielen Enthaltungen und Gegenstimmen. Damit wäre der Plan der Verwaltung angenommen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel