Silvester-Splitter

TOB 02.01.2014

Die Silvesternacht verläuft im Landkreis Schwäbisch Hall weitgehend friedlich und ohne größere Zwischenfälle. "Es kamen ein paar mit Brandverletzungen, es war aber nichts Dramatisches dabei", teilt eine Krankenschwester aus der Notaufnahme des Haller Diakonie-Klinikums mit. Die Feuerwehr muss um 5.10 Uhr an der Ecke Schillerstraße/Treutweinweg einen Altkleidercontainer löschen. Der war wohl durch einen Feuerwerkskörper in Brand geraten, teilt die Polizei mit.

Extrem gelassen und friedlich geht es auch bei den Kochs in Gschlachtenbretzingen zu. Schon ab 14.30 Uhr dreht ein Elektromotor das Spanferkel vor dem Holzfeuer. Tilman Koch und seine Freunde sitzen in einer Holzhütte und beobachten die Sau, trinken dabei munter ihre Bierchen. Sie haben ihre Spanferkel-Grillage über Facebook gepostet. Tilman Koch sagt: "Wir waren die meiste Zeit nicht allein, viele sind vorbeigekommen." Das Schwein habe schon den ganzen Landkreis durchquert. In Zottishofen sei es groß geworden, wurde mit Zwischenstopp in Eltershofen nach Beltersrot zum Schlachten gefahren. In Großaltdorf wurde es eingelegt, um in Gschlachtenbretzingen verzehrt zu werden.

Friedheinz Eggensperger muss sich bei der Vorbereitung des Essens schon mehr ins Zeug legen. Der Koch und Hotelier des Adelshofs beglückt seine Silvestergäste mit einem ausgefeilten Menü. Als einer der Hauptgänge gibt es Marron-Krebs aus Australien samt Apfel-Kokos-Sauce, serviert mit Fenchel-Ravioli und Graupen-Dattel-Knödel. Das Ehepaar Rittmeyer aus Groß-Gerau urteilt: "Es schmeckt vorzüglich."

Ich weiß nicht was rauskommt, wir werden es sehen", sagt Annette Kuls in Sulzdorf. Sie hält den Löffel mit Blei über eine Kerze. Zusammen mit ihrem Mann Klaus-Peter und den Kindern Lea und Simon gießen sie das Metall in eine Wasserschüssel und feiern dabei wie viele andere im Landkreis Hall Silvester in der Familie zu Hause. Je nachdem, welche Figuren sich ergeben, wird aus ihnen Glück oder Pech fürs neue Jahr abgelesen. Heraus kommt ein Vogel. Tochter Lea liest von der Verpackung ab: "Vogel bedeutet: Fliegen Sie nicht so hoch hinaus!"

Swetlana Gilgi streichelt ihrem Sohn Jamal (3) liebevoll über die Hand. Er liegt in der Notaufnahme des Haller Diakonie-Klinikums. Ein junger Arzt hat ihm mit drei Stichen eine Platzwunde am Kopf zugenäht. "Er ist gerannt, ausgerutscht und gegen eine Tischkante gefallen", erläutert der Vater Niwar Gilgi. Die Eltern sind erleichtert: Die Wunde wurde gut versorgt und der Junge hält tapfer durch. "An Silvester sind wir doppelt so viele Pflegekräfte wie in einer anderen Nacht", erläutert Schwester Cornelia Faller. "Ich habe die ganze Nacht Dienst."

An Silvester arbeiten muss auch Ayhan Yilmaz (35). Er ist Taxifahrer und hat mehr Touren als sonst in dieser Nacht zu fahren. Ist es nicht unangenehm, wenn andere feiern, Betrunkene zu transportieren? "Kein Problem. Das ist unser Job", sagt er.

Böller krachen, aus dem Sudhaus erklingt Jazzmusik, doch die rund 200 Christen lassen sich nicht ablenken. Auf dem Vorplatz der Kunsthalle Würth findet die ökumenische Andacht statt. "Wissen wir wo unsere Krippe ist? Wissen wir, wie sehr wir von Gott getragen werden in unserem Leben?", fragt Pfarrer Christoph Baisch in der Ansprache.

Um Mitternacht auf der Dachterrasse des Sudhauses: Viele Gäste bestaunen das Feuerwerk. Die Jazz-Jackets spielen live. Das alte Jahr endet, das neue beginnt mit Böllerknall und Musik.

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