Wüstenrot Sicherheit vor Popularität und Profit

Feierabend für Patrick Rück (links) und Alexander Graf: Nach dem Organisieren und Vorbereiten muss auch mal Zeit für eine Pause sein, zum Beispiel auf der Haalmauer in Schwäbisch Hall.
Feierabend für Patrick Rück (links) und Alexander Graf: Nach dem Organisieren und Vorbereiten muss auch mal Zeit für eine Pause sein, zum Beispiel auf der Haalmauer in Schwäbisch Hall. © Foto: Verena Köger
Wüstenrot / Verena Köger 06.06.2018
Die DJs Patrick Rück und Alexander Graf wollen es wagen: Sie veranstalten am 30. Juni ein eigenes Event, das „Dorfclubbing“, in Wüstenrot. Langsam wird es ernst. Der Teufel stecke in den Details.

Dorffestfeeling mit aktuellen Clubsounds – mit diesem Konzept wollen die DJs Patrick Rück (25) aus Heilbronn und Alexander, „Alex“, Graf (22) aus Wüstenrot ein neues Partyformat in der Region und darüber hinaus etablieren. „Dorfclubbing“ nennen sie ihr Event. Es steigt am 30. Juni ab 20 Uhr in der Burgfriedenhalle in Wüstenrot. Neben den beiden legen noch vier weitere DJs auf. Eine spezielle Musikrichtung gibt es nicht. Schlager, Rock, Hip-Hop, Charts – es soll für jeden was dabei sein.

Vier Seiten lang war die Liste, die DJ PR und DJ AG, so nennen sich die beiden, abzuarbeiten hatten. „Wir haben die Planung in drei Bereiche gegliedert: Location, Sicherheit und Ausstattung“, erklärt Patrick. Alexander kümmerte sich um die Location. Schnell war klar, dass es im ländlichen Raum sein soll, wo es nicht so viele Partyangebote wie in großen Städten gebe. Da Alexander aus Wüstenrot kommt, bot sich die Burgfriedenhalle an. Einlass ist ab 16 Jahren. So werden die Jüngeren nicht ausgegrenzt.

Muffensausen vorprogrammiert

Die Technik für die Hauptbühne steht. Zusätzlich wird es aber einen zweiten Floor geben. „Uns fallen jeden Tag neue Sachen ein, die wir bedenken müssen“, sagen die beiden und fügen schmunzelnd dazu: „Aber wir nehmen es bisher noch viel zu locker. Eine Woche vorher bekommen wir bestimmt Muffensausen.“

Obwohl Patrick und Alex auf der gleichen Realschule in Mainhardt ihren Abschluss gemacht haben, lernten sie sich erst 2015 in der Gartenlaube in Heilbronn kennen. Patrick legt regelmäßig in der Partylocation auf. Alex sprach ihn spontan am DJ-Pult an, ob er ihm ein paar Sachen zeigen könne. In Patricks Heimstudio übten die beiden, bis Alex selbst auf Veranstaltungen auflegen konnte. Die Idee zum Event entstand im September, der Startschuss fiel an Silvester. Zur Vorbereitung lesen Patrick und Alexander Kommentare, die Besucher von anderen Veranstaltungen in Facebook gepostet haben. „Viele beschweren sich über die Toiletten oder die Wartezeiten an der Bar“, resümiert Patrick. Die Frage nach Catering und Getränken beschäftigt die beiden Jungorganisatoren gerade am meisten. Wie viel Personal brauchen wir? Wie viele Bars? Bieten wir Snacks an? Soll es auch Cocktails geben? Freundinnen machten sie schon darauf aufmerksam, dass die Halle auch dekoriert werden muss. „Es sind die Kleinigkeiten, die man vorher nicht bedacht hat, und die gerade viel Zeit kosten“, so Patrick.

Er hat schon Erfahrungen im Eventmanagement. 2012 meldete der gebürtige Kirchberger ein eigenes Gewerbe für Veranstaltungsplanung an. Hochzeiten, Firmenfeiern, Geburtstage. Am Anfang legte er nur auf, dann kam die Organisation der Location und des Caterings dazu. Trotz seiner Erfahrungen gab es für ihn in den vergangenen Monaten viel Neues zu beachten, Versicherungsschutz und Security zum Beispiel. Denn die größte Sorge der jungen Männer sei nicht, dass keine Leute kommen. „Das schlimmste für uns wäre, wenn es zu Ausschreitungen kommt, in die wir nicht eingreifen können“, sind sie sich einig.

Aus eigener Tasche

Deshalb haben sie sogar mehr Sicherheitsleute beauftragt, als ihnen geraten wurde. „Wenn die Sicherheit nicht gewährleistet ist, dann ist auch die Party nicht gewährleistet“, betont der Heilbronner, „Da geben wir lieber mehr dafür aus.“ Apropos: Wie finanzieren die beiden das Event? „Wir kooperieren mit Sponsoren, aber den Großteil bezahlen wir aus eigener Tasche.“ Genau lassen sich die Ausgaben noch nicht abschätzen, aber sie rechnen mit grob 8000 bis 9000 Euro. „Uns geht es nicht darum, Gewinn zu machen. Ziel ist, am Ende eine schwarze Null zu schreiben“, so Patrick.

Wenn das Event ein Erfolg wird, gibt es eine Wiederholung, nicht nur in Wüstenrot, sondern im süddeutschen Raum und in ganz Deutschland. „Dorfclubbing soll eine Marke werden“, betonen die beiden. „Und wir wollen damit in Verbindung gebracht werden.“ Sie haben sogar ein Patentrecht auf das Format angemeldet.

Schnittpunkt in Mainhardt

Patrick Rück (25) ist in Kirchberg aufgewachsen. Später zog er nach Mainhardt, wo er seinen Realschulabschluss machte. Mit 17 Jahren ging er für seine Ausbildung zum Assistenz-Tanzlehrer nach Heilbronn. 2012 meldete er ein eigenes Gewerbe für Veranstaltungsplanung an, das er zunächst hauptberuflich betrieb. Später holt er die Fachhochschulreife nach. Gerade macht er eine Ausbildung zum Versicherungs- und Finanzkaufmann.

Alexander Graf (22) kommt aus Wüstenrot. Seinen Realschulabschluss machte er in Mainhardt. Danach begann er eine Ausbildung als Kfz-Mechatroniker. Momentan arbeitet er bei Porsche. ena

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