Übergriff Sexuelles Interesse an der minderjährigen Cousine

Schwäbisch Hall / Eleonore Heydel 13.01.2018
Das Haller Amtsgericht verurteilt einen 22-Jährigen, weil er stark angetrunken seine jüngere Cousine begrapscht. Die Familie ist seither zerstritten.

Kein gutes Ende fand ein Grillfest, das eine Gaildorfer Familie im März letzten Jahres veranstaltet hat. Der 22-jährige Neffe der Gastgeberin hatte zu viel Wodka getrunken und machte sich in sexueller Absicht an die jüngere Tochter des Hauses heran. Das 14-jährige Opfer war seine eigene Cousine. Die Polizei ermittelte. Jetzt wurde dem jungen Mann vor einer Haller Jugendrichterin der Prozess gemacht.

 Richterin Katja Kopf hat vor Beginn der Verhandlung eine strenge Personenkontrolle angeordnet. Eine Gruppe von speziell ausgebildeten Justizbeamten sichert den Saal ab. Seit dem Grillfest gibt es in der betroffenen Großfamilie, die türkische Wurzeln hat, heftigen Streit. Der Angeklagte wird mit einem Transporter der Haller JVA vorgefahren. Er sitzt seit Oktober hinter Gittern.

 Er könne sich an sein Verhalten an jenem Abend nicht erinnern, lässt der 22-jährige V. über seine Heilbronner Verteidigerin Julia Weiß erklären. Er sei zu betrunken gewesen. V. bestreite die Vorwürfe aber nicht, übermittelt die Anwältin.

Zum Kuss angesetzt

Daraufhin ruft Richterin Kopf seine inzwischen 15-jährige Cousine als Zeugin in den Saal. Die Schülerin berichtet: Zunächst habe V. gesagt: „Komm, wir gehen eine rauchen.“ Dann habe er ihr Handy kontrollieren wollen. Als er immer näher gekommen sei und zum Kuss angesetzt habe, sei es ihr zu viel geworden: „Dann habe ich angefangen, ihn wegzuschucken!“

 Das Mädchen schildert zwei weitere Vorfälle. In ihrem Zimmer habe V. seine Finger gegen ihren Willen in ihre modisch durchlöcherten Jeans gesteckt und in sexueller Absicht ihre Oberschenkel „angetastet“. In einem anderen Zimmer habe er ihr an die Brust gegriffen. Er habe sie aufgefordert, niemandem davon zu erzählen.

 Irgendwann in jener Märznacht hat V. seine Cousine die Treppe aus dem Obergeschoss heruntergetragen. Sie war ohnmächtig. Vielleicht war sie auch nur eingeschlafen. Für Staatsanwalt Sven Güttner ist klar: Sturzbetrunken kann V. nicht gewesen sein, sonst hätte er das Mädchen nicht „huckepack“ herunterbringen können.

 Heiratspläne auf Eis gelegt

Der Angeklagte, der eine abgeschlossene Ausbildung als Verfahrensmechaniker vorweisen kann, bezeichnet sich als verlobt. Seine 22-jährige Verlobte tritt als Zeugin auf. Sie könnte die ältere Schwester des Opfers sein: lange schwarze Haare, zum Pferdeschwanz zusammengefasst, dazu markante Ohrclips bei etwas dunklerem Teint.  Als  V. seine Verlobte am Abend des Grillfests zugunsten seiner kleinen Cousine vernachlässigte, verließ sie eifersüchtig das Treffen. Er soll ihr zuvor eine Ohrfeige verpasst haben. Die Heiratspläne liegen seitdem auf Eis.

 Während die Gastgeberin (38), gleichzeitig die Mutter des Opfers,  kein gutes Haar an V. lässt, nimmt seine eigene Mutter (48) ihn in Schutz: „Er war voll besoffen!“ Die beiden Mütter sind Schwestern. Seit besagtem Grillfest reden sie nicht mehr miteinander.

 V. ist mehrfach anderweitig vorbestraft. Wegen Diebstahls hat Richterin Kopf den 22-Jährigen im Juli letzten Jahres zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Diese Strafe muss jetzt einbezogen werden. Staatsanwalt Güttner fordert wegen Nötigung (Kussversuch beim Rauchen) und zweifachen sexuellen Übergriffs (sexuell motivierte Berührungen in den Zimmern) eine neue Strafe von einem Jahr und acht Monaten. Opferanwalt Michael Donath schließt sich an. Verteidigerin Weiß meint, hier liege nur ein „minder schwerer Fall“ vor. Der Angeklagte selbst wiederholt: „Es tut mir leid.“

 Auf ein Jahr und vier Monate Haft lautet das Urteil, das Richterin Kopf am Ende der vierstündigen Verhandlung verkündet. Das Geständnis spreche zugunsten des 22-Jährigen, auch der hohe Alkoholkonsum sei strafmildernd zu berücksichtigen. Vollzugsbeamte führen V. zügig ab. Seine Mutter und seine Verlobte sehen ihm nach, bevor er in den Gefängnis-Transporter einsteigt. Er dreht sich nicht um. Die Verlobte schaut unbeirrt in seine Richtung. Seine Mutter wendet sich ab und weint.

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