Schwäbisch Hall Selbst in der Stille ein Ensemble

Schwäbisch Hall / MONIKA EVERLING 26.11.2014
Ein faszinierender Moment: Die Musiker des Vogler-Quartetts konzentrieren sich vor dem Beginn ihres Konzerts in Hall. Schon in dieser Minute schauen sie sich an, wenden sich einander zu, gehen im Ensemble auf.

Das Vogler-Quartett wurde vor fast 30 Jahren an der Ost-Berliner Musikhochschule "Hanns Eisler" gegründet. Seither spielt es in unveränderter Besetzung. Kein Wunder, dass Tim Vogler, Frank Reinecke (beide Violine), Stefan Fehlandt (Viola) und Stephan Forck (Cello) hervorragend aufeinander eingespielt sind. Schon ihre Körperhaltung zeigt, wie sehr sie sich aufeinander beziehen.

Das ist auch nötig bei dem Beginn, den sie sich ausgesucht haben: Das Streichquartett Nr. 2 d-Moll von Smetana startet mit einem vehementen gemeinsamen Gefühlsausbruch, den das Vogler-Quartett mit ungeheurer Präzision gestaltet - in der Emotion überbordend, in der Technik beherrscht bis ins Letzte. Ein phänomenaler Einstieg in ein wunderbares Konzert.

Der ganze erste Satz dieses Werkes ist sehr erregt. Tim Vogler, den ersten Geiger, hält es oft nicht auf dem Stuhl, er steht halb auf, hüpft im Sitzen. Auch die anderen Musiker spielen mit viel äußerer Bewegung. Das trägt dazu bei, dass die Musik sehr lebendig wirkt.

Der zweite Satz ist fröhlich-tänzerisch, der dritte schwirrt wie ein Hummelflug, bis er plötzlich abbricht und eine tiefe Cello-Melodie durch die Stimmen nach oben weitergereicht wird. In allen Sätzen, auch im vierten, haben die Musiker viele Tempowechsel zu bewältigen - das vollendet homogen.

Lyrischer, im Ton romantischer erklingt Schuberts Streichquartett Nr. 13 mit dem Beinamen "Rosamunde". Zwar wirkt auch dieses Werk zerrissen und kurzatmig, aber es hat auch sehr viele zarte Phrasen. Das Vogler-Quartett geht es sehr leise, mit feinem Piano an.

Zum Hauptwerk des Abends, Brahms' Klavierquintett f-Moll op. 34, kommt der Pianist Oliver Triendl hinzu. Gemeinsam schwelgen die fünf im romantischen Klangbad. Die Streicher geben nun, ganz anders als bei Schubert, viel Ton. So wirkt das Werk streckenweise eher sinfonisch als kammermusikalisch.

Triendl spielt virtuos und mit wenig Pedal. Er fügt sich ganz ins Ensemble ein, sticht nie hervor. Die Musiker gehen sehr frei mit dem Tempo um, werden schneller und langsamer, immer gemeinsam.

Die etwa 350 Zuhörer im Neubau-Saal sind begeistert. Sie erklatschen sich eine Zugabe: ein "molto vivace furiant", das einen wahrhaft furiosen Abschluss bildet.

Mitgliederversammlung der Konzertgemeinde Schwäbisch Hall

Sitzung Im Anschluss an das Konzert mit dem Vogler-Quartett fand am Freitag im Neubau-Saal die Mitgliederversammlung der Konzertgemeinde Schwäbisch Hall statt. Obwohl das Konzert mit etwa 350 Zuhörern sehr gut besucht war, blieben weniger als 20 Mitglieder zur Versammlung.

Finanzen Die Konzertgemeinde hat in der abgelaufenen Saison knapp 620 Euro Überschuss erwirtschaftet. Die Gesamtausgaben lagen bei 35000 Euro - das ist der niedrigste Etat seit sechs Jahren. Gut zwei Drittel davon werden durch die Abos gedeckt: Über sie nimmt der Verein 24000 Euro ein. Dazu kommen gut 11000 Euro Zuschüsse und Spenden. Die Künstlerhonorare sind seit Jahren konstant, da ist eine Steigerung zu erwarten. Einsparmöglichkeiten gäbe es, wenn einige Konzerte statt im Neubau-Saal in der Hospitalkirche stattfinden würden.

Flügel Die Konzertgemeinde ärgert sich, dass sie zusätzlich zur Saalmiete pro Konzert 75 Euro für die Nutzung des Flügels zahlen muss. "Wenn wir viermal pro Jahr den Flügel für 200 Euro stimmen lassen, bezahlen wir quasi die komplette Pflege des Flügels", sagt der Vorsitzende Ulrich Parpart.

Matinee Die Vormittagskonzerte in der Kunsthalle Würth werden nicht mehr angeboten. Sie hatten zu wenige Besucher.

Zukunftspläne Die Zusammenarbeit mit den Konzerten im Sonnenhof liegt derzeit auf Eis. Parpart strebt aber an, die Gespräche wieder aufzunehmen mit dem Ziel, gemeinsame Konzerte zu veranstalten.

Wahlen Der Vorstand aus Ulrich Parpart (Vorsitzender), Thomas Deeg (Kassier) und Gerald Roppelt (Schriftführer) stellt sich zur Wiederwahl. Der komplette Vorstand wird einstimmig im Amt bestätigt.

EVL

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