Landkreis Seit zwei Jahren sind CR-Kennzeichen im Landkreis zugelassen - BK soll folgen

Sylvia Borowski aus Crailsheim hat das Auto ihrer Tochter in der Crailsheimer Zulassungsstelle angemeldet. Dass das Gefährt das Kennzeichen CR tragen muss, ist für sie keine Frage.
Sylvia Borowski aus Crailsheim hat das Auto ihrer Tochter in der Crailsheimer Zulassungsstelle angemeldet. Dass das Gefährt das Kennzeichen CR tragen muss, ist für sie keine Frage. © Foto: Denise Fiedler
Landkreis / DENISE FIEDLER 13.04.2016
Bewohner des Landkreises können seit März 2014 ihre Fahrzeuge auch mit einem CR-Kennzeichen anmelden. Laut Landratsamt sind es aber nur neun Prozent aller Fahrzeuge im Kreis.

Der letzte Freitag im März 2014: Ein Tag, auf den viele aus dem Altkreis Crailsheim hingefiebert hatten. Der Tag, an dem das Kennzeichen CR wieder ausgegeben wurde. Sogar eine Aktionsgruppe hatte sich gebildet, um für das geliebte, nie vergessene Schild zu kämpfen. In den ersten Wochen und Monaten gab es einen erheblichen Andrang mit langen Wartezeiten, obwohl in der Zulassungsstelle Crailsheim zusätzliche Öffnungszeiten angeboten wurden, wie das Haller Landratsamt auf Nachfrage schreibt. Knapp 100 CR-Kennzeichen wurden damals nach der Wiedereinführung täglich ausgegeben.

Etwa Hälfte entscheidet sich für CR

Mittlerweile sind zwei Jahre vergangen, der Ansturm der ersten Tage hat sich gelegt. Es gibt große Differenzen zwischen den Zulassungsstellen in Crailsheim und Hall. Während in letzterer zu circa 90 Prozent das Unterscheidungszeichen SHA und zu circa zehn Prozent CR gewünscht wird, sind es in Crailsheim rund die Hälfte, die sich für CR entscheiden.

In der vergangenen Woche waren von insgesamt 181.970 Kraftfahrzeugen im Landkreis Schwäbisch Hall 16.775 Fahrzeuge mit CR-Kennzeichen unterwegs. Gute neun Prozent haben sich also innerhalb von zwei Jahren den Wunsch zur Kennzeichen-Rückkehr erfüllt.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es demnächst noch ein drittes Kennzeichen im Haller Kreis geben. Die Gemeinden Sulzbach-Laufen, Gaildorf, Fichtenberg und Oberrot, die vor der Gebietsreform 1973 Teil des Landkreises Backnang waren, könnten bald die Möglichkeit bekommen, zum Kennzeichen BK zurückzukehren.

Doch dieses Buchstabenkürzel hat eine Besonderheit: Es steht nicht nur für Backnang, sondern auch seit 2007 für den Landkreis Börde in Sachsen-Anhalt. Die beiden Kreise teilen sich das Kontingent an Buchstaben-Zahlen-Kombinationen. Wie das Landratsamt schriftlich mitteilt, werden gerade Gespräche mit den rund 500 Kilometer auseinanderliegenden Kreisen geführt. Durch die gemeinsame Nutzung der Buchstabenkombination müssen Kontingente abgesprochen werden. Danach muss ein Bewirtschaftungskonzept erstellt und dem Bundesverkehrsministerium vorgelegt werden, bevor eine Wiederausgabe genehmigt werden kann. Es kann also noch dauern.

Weitere Kommunen in anderen Landkreisen könnten sich ebenfalls für die Rückkehr zum BK-Schild entschließen: die Gemeinde Gschwend, mittlerweile Ostalbkreis, ist ehemalige Backnang-Kommune, ebenso wie Affalterbach im Kreis Ludwigsburg und der Marbacher Stadtteil Rielingshausen.

Die Wiedereinführung der KFZ-Kennzeichen geht auf ein Forschungsprojekt von Professor Ralf Bochert zurück. Er lehrt an der Fakultät für International Business an der Hochschule Heilbronn. In 200 Städten befragten er und sein Team die Bevölkerung, wobei schnell klar wurde, dass ein Großteil einer Wiedereinführung positiv gegenüber stehen würde. "Eigentlich hätten wir nach der Befragung in Crailsheim aufhören können", sagt Bochert.

Die Studie argumentiert, dass die Altkürzel die lokale Identität stärkten. Außerdem kann es als kostenloses Marketinginstrument dienen, um für die Stadt zu werben. Crailsheims Oberbürgermeister Rudolf Michl sieht diese Möglichkeit aber beschränkt auf den Fahrzeughalter, der, auf sein Kennzeichen angesprochen, Werbung für seine Stadt machen könne.

Sieht der schon als "Kennzeichen-Papst" titulierte Professor die Tendenz, dass entsprechend dem BK-Beispiel, die Liberalisierung der Kraftfahrzeug-Kennung weitergeht? Die Tendenz zum Beispiel Richtung Nordamerika, wo die Zahlen und Buchstaben völlig frei kombiniert werden können? "Technisch ist das möglich, aber dadurch verlieren die Kreise ihre Identität."

Neue Kennzeichen sind seit November 2012 erlaubt

Gesetz Die Wiedereinführung von Alt-Kennzeichen ist auf Landkreisebene seit November 2012 möglich. Die Fahrzeug-Zulassungsordnung wurde entsprechend geändert. Laut Verordnung können Fahrzeughalter sich entscheiden, mit welchem im Kreis gültigen Kennzeichen sie fahren möchten. Unwichtig ist, ob ihre Gemeinde im früheren Zulassungsgebiet des Altkennzeichens liegt. Bei einer Ummeldung kommen zu den üblichen Kosten für die neuen Schilder Gebühren in Höhe von rund 27 Euro dazu.

Mitnahme Seit dem 1. Januar 2015 gibt es bundesweit die Möglichkeit zur Kennzeichenmitnahme bei Wohnsitzwechsel. Bei einem Wohnortwechsel, auch über die Grenzen der Bundesländer hinweg, können Halter ihr bisheriges Kennzeichen behalten.

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