Weil ich frisches Gemüse einkaufen und alte Bekannte treffen will.“ Reinhard Schuster beschreibt mit Witz, weshalb er und seine Frau Erna  auf dem Haller Wochenmarkt einkaufen. In ihren Taschen tragen die Senioren Käse, Kartoffeln, Gemüse und sogar ein Herz heim – ein Rinderherz.  Auch Gundula Pfundmaier, die mit ihrer Familie in der Innenstadt lebt, kauft gerne auf dem Wochenmarkt. „Hier bekomme ich nicht nur Bio, sondern auch Demeter-Produkte.“

Noch Platz für zwei Stände

Wie viele  Menschen auf dem Wochenmarkt einkaufen, ist nicht bekannt, berichtet Marktmeisterin Bettina Ilg. 29 Händler bauen derzeit ihre Stände auf. „Wir sind immer auf der Suche nach neuen Anbietern“, berichtet Ilg, für zwei weitere Stände wäre noch Platz. Aktuell sucht sie einen Nachfolger für den Käsestand Widmann.

Laut Akteneintrag ist Günter Keil aus Weinheim, der seit 1962 Wein und Rosen auf dem Markt anbietet, am längsten dabei. Jedoch gibt es Familien, deren Angehörige seit Generationen Hall ansteuern. Familie Böhringer etwa, die in Untersteinbach Obst und etwas Gemüse anbaut. „Der Opa meines Mannes ist schon mit dem Schlepper auf den Haller Wochenmarkt gefahren“, berichtet Ulla Böhringer.

Die 55-jährige Frau wird in diesen Wochen immer wieder auf eine Fernsehsendung angesprochen, bei der die Suche der Familie nach einem Hofnachfolger im Mittelpunkt stand.  „Es wäre schade, wenn der Betrieb aufgegeben werden müsste“, sagt sie.

Bei Böhringer wie auch bei den anderen Obstständen  stehen in diesen Wochen Zweige von Palmkätzchen, Pfirsich und Kirsche zum Verkauf. „Die legen wir ins Kühlhaus“, berichtet Elke Fromm, Obstbäuerin aus Pfedelbach, „damit sie bis Palmsonntag halten.“  Bei Fromms werden derzeit die Obstgehölze geschnitten. „Der Ansatz für dieses Jahr ist weniger.“ Nach der üppigen Ernte des Vorjahres war das zu erwarten. Die vor kurzem aufgebauten Folientunnel für die Erdbeeren haben Fromms am Donnerstag wieder abgebaut – das Wetter war zu stürmisch. „Hummeln haben wir schon bestellt“, die sollen im Folientunnel die Beeren bestäuben.  „Wenn es bis in drei Wochen blüht, dann könnte es mit Erdbeeren zu Ostern klappen.“

Gummibärlesfarbe für Eier

Ostern rückt nahe, das ist auch am Stand von Armin Stutz zu sehen. Bunt gefärbte, hart gekochte Ostereier liegen zum Verkauf aus. „Wir färben sie mit zugelassenen Lebensmittelfarben, mit Gummibärlesfarben.“ Der Sprecher der Marktleute berichtet, dass derzeit an einigen Ständen die nächste Generation ins Geschäft einsteige. Bei der Gemüsegärtnerei Roth beispielsweise oder bei Biobauer Engelhardt.

Bei Engelhardts, so ist am Stand zu erfahren, steht inzwischen das neue Gewächshaus, in dem auf 4000 Quadratmeter die Tomaten inzwischen auf Mannsgröße gewachsen sind. Bis Ostern, so hofft man, sollen die ersten Tomaten geerntet werden können, berichtet Rosemarie Müller.

Seit Oktober beliefert Enes Sevda mit seinen Kollegen die Marktbesucher mit frischem Fisch. Der Nachfolger von Joachim Thaidigsmann holt Fisch aus Cuxhaven und vom Stuttgarter Großmarkt. Jetzt habe Skrei, der Winterkabeljau, Hauptsaison. Im April und Mai kommen Scholle und Seeteufel.

Grillsaison beginnt

Andrea Engel, Bäuerin aus Bühlerzell-Schönbronn,  berichtet, dass jetzt Wild weniger gekauft werde, dafür vermehrt Steaks  für den Grill nachgefragt werden. Sie freut sich, dass sie neue Kunden durch die Fernseh-Serie „Lecker aufs Land“ gewonnen hat.

In einer Wolke aus pudrigem Blumenduft steht Christa Meiser. Sie verkauft für die Gärtnerei Reutter bunte und duftende Frühblüher und Gemüsesetzlinge. „Die Leute wollen jetzt Farbe sehen“, weiß sie. Sie beobachtet zudem, dass Gemüsegärtnern im Kommen ist, nicht nur im Garten. „Viele pflanzen auch Gemüse auf dem Balkon.“

„Die älteste Institution in der Stadt“


„Der Wochenmarkt dürfte mit die älteste Haller Institution sein“, sagt Stadtarchivar Daniel Stihler. Zwar hatten die Haller ihre Hausgärten und teilweise auch Haustiere, „aber das hat nicht ausgereicht“. Nachweise für die Entstehung der Wochenmärkte, die es seit der Entstehung der Stadt im 11., 12. Jahrhundert gab, „gibt es kaum“, sagt Archivar Maisch, „da es sich um eine alltägliche Selbstverständlichkeit handelte“.

Belegt ist, dass zu Anfang des 16. Jahrhunderts drei Mal der Wochenmarkt abgehalten wurde, am Dienstag, Donnerstag und Samstag. Auf weitere Märkte, die häufig abgehalten wurden, verweisen die Platzbezeichnungen: Milch-, Gras-, Hafen- oder Holzmarkt.

Daneben gab es die in die Region ausstrahlenden großen Jahrmärkte an Dreikönig, Faschingsdienstag, Jakobi, Michaeli und Martini. sel