Schwäbisch Hall Sein Ziel: Versöhnung

Lutz Huschmann befasst sich mit der Schuld der Deutschen am Holocaust und der Versöhnung mit den heute in Israel lebenden Juden. Zur Feier der Staatsgründung reiste er dorthin.
Lutz Huschmann befasst sich mit der Schuld der Deutschen am Holocaust und der Versöhnung mit den heute in Israel lebenden Juden. Zur Feier der Staatsgründung reiste er dorthin. © Foto: Maya Peters
Schwäbisch Hall / Maya Peters 25.06.2018
Lutz Huschmann hat am Marsch der Nationen zum 70. Jahrestag der Staatsgründung Israels teilgenommen. Der Initiator des Haller „Marsch des Lebens“ erzählt von seinen Eindrücken.

Das Land ist einfach genial“, schwärmt Lutz Huschmann. Seine Liebe zu Israel sei über die Jahre gewachsen und habe ihren Ursprung in seinem christlichen Glauben. Kürzlich ist er von seiner dritten Reise zurückgekehrt. In Israel hat er die Feierlichkeiten zum 70. Staatsgeburtstag am 14. Mai miterlebt. Beeindruckend sei die Altstadt von Jerusalem mit den heiligen Stätten und Sehenswürdigkeiten aus Jahrtausenden sowieso. Doch mit den Gerüchen in den Gassen, den Begegnungen mit den Menschen aus aller Welt und mit dieser Feststimmung erst recht. Am „Marsch der Nationen“, an dem etwa 6000 Menschen aus 45 Ländern mitgegangen seien, nahm auch er teil. Der Zug habe sich durch Jerusalem vom Sacher Park nahe der Knesset zum Mount Zion in die Altstadt bewegt. „Das war klasse, eine reine Freude und wie ein riesengroßes Fest“, findet er die Mischung aus Seminaren, Konzerten, Reden rund um die Staatsgründung und Gedenken zu Ehren von Holocaust-Überlebenden. Er habe einige „Freudenausbrüche“ von Rabbinern bei den Grußworten miterlebt, die ihn sehr rührten.

Im Schrank hing die SS-Uniform

„Die Presse hat was anderes berichtet. Wo warst du?“, sei er im Nachhinein schon von Freunden gefragt worden. Zwar habe es Sicherheitsvorkehrungen und Kontrollen gegeben, doch habe er sich überall wohl und willkommen gefühlt. „Israel wurde von Holocaust-Überlebenden aufgebaut“, setzt er erklärend für seine Bewunderung des Landes hinzu. Und zeigt ein Büchlein mit dem Titel „Israel in Kürze“ sowie ein Foto. Darauf sind zwischen breiten Steinquadern hießige Ortsnamen wie Niederstetten, Creglingen, Berlichingen und Schwäbisch Hall zu lesen. „Dort sind alle jüdischen Gemeinden verzeichnet, die während des nationalsozialistischen Völkermords an den europäischen Juden vernichtet wurden.“

Die Idee des „Marsches der Nationen“ am historischen Datum der Staatsgründung sei an den sogenannten „Marsch des Lebens“ angelehnt, der 2007 erstmals initiiert worden sei. „Auch in Hall gab es bereits einen“, erinnert sich Huschmann gern an 2015. Er sucht den Flyer von damals heraus. „Bekennen, Versöhnen, Erinnern“ heißen die Schlagworte. Diesen Marsch habe er mit ins Leben gerufen. Auch, weil er zwei Jahre zuvor von seinem Vater erfahren hatte, dass bei dessen Vater eine SS-Uniform im Schrank hing. Husmann: „Das hat bei mir Betroffenheit, Entsetzen und Scham ausgelöst.“ Die Geschichte ließ ihn nicht los, er begann, in Archiven zu erforschen, was für ein Mensch sein Opa war. „Für mich ist es wichtig geworden, diese Geschichte auch vor Gott zu klären, mich für meinen Vorfahren zu outen und stellvertretend um Vergebung zu bitten“, erläutert er. „In Hessental gab es eine KZ-Außenstelle“, erinnert Huschmann, der auch Mitglied der Initiative der KZ-Gedenkstätte ist.

Die Gedenkmärsche fanden bisher an etwa 350 Orten des Holocaust in Europa statt. „Man erinnert als Nachkomme der Tätergeneration an die Geschichte, bekennt sich zu dem, was passiert ist und strebt Versöhnung mit einem klaren ‚Nie wieder!’ an.“ Im Rahmenprogramm habe er mit der Holocaust-Überlebenden Sara Atzmon einige Haller Schulen besucht. Auch Janusz Kling aus Polen, den er einst in Auschwitz kennengelernt habe, sei zum Haller Marsch des Lebens 2015 gekommen und habe dabei seine bewegende Familiengeschichte öffentlich gemacht. „Ihn habe ich auch auf der Reise nach Israel wiedergetroffen“, erzählt Huschmann lächelnd – zumindest im Persönlichen ist ihm die Versöhnung gelungen.

Gründer der „Abba-Stiftung“

Lutz Huschmann wurde 1960 in Gütersloh geboren. Er hat drei jüngere Geschwister. Huschmann studierte Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Versicherungen in Köln. Seit 1994 lebt und arbeitet er in Schwäbisch Hall und ist seit 2002 als selbstständiger Berater im Bereich betriebliche Altersvorsorge tätig. Er hat mit seiner Frau Annette drei erwachsene Kinder. Der Initiator des „Marsch des Lebens Schwäbisch Hall-Hessental“ (2015) war 2010, 2015 und zuletzt 2018 in Israel. Jährlich zum Israel-Tag am 14. Mai baut er mit Gleichgesinnten in Schwäbisch Hall einen Infostand zum „Friedensgruß-Shalom“ auf. Lutz Huschmann ist Gründer der „Abba-Stiftung“ mit dem Zweck der Befreiung von Menschen aus finanzieller Not sowie Ausbau und Stärkung der Beziehung zwischen Deutschland und Israel. may

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