Schwäbisch Hall Sehbehinderte und Hörgeschädigte: Mit dem Smartphone ins Kino

Nika Seibert (rechts) zeigt die Hilfe für Schwerhörige und Sehbehinderte. Während des Films läuft ein Untertitel mit.
Nika Seibert (rechts) zeigt die Hilfe für Schwerhörige und Sehbehinderte. Während des Films läuft ein Untertitel mit. © Foto: Nika Seibert (rechts) zeigt die Hilfe für Schwerhörige und Sehbehinderte. Während des Films läuft ein Untertitel mit. Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / MARILENA ZIEGELBAUER 25.08.2016
Das Haller Kinocenter bietet die Smartphone-Apps „Greta“ und „Starks“. Die helfen Menschen mit Sinnesbeeinträchtigung, die Filme besser zu verstehen.

Für Menschen mit Handicap ist es nicht immer einfach, ins Kino zu gehen. Sehbehinderte Menschen können den Film nur hören, aber erkennen nicht, wie die Darsteller aussehen oder wie sich die Umgebung gestaltet. Hörgeschädigten geht es ähnlich. Sie sehen zwar die Bilder des Films, können aber nicht verstehen, was gesprochen wird. Die Apps „Greta“ und „Starks“ bereiten dem nun ein Ende. Das Kinocenter in Hall bietet seit Frühjahr dieses Jahres die Möglichkeit, mit Hilfe der Apps vollen Kinogenuss zu erleben.

Auf der Kinomesse in Karlsruhe wird das Haller Kino-Team auf die Apps aufmerksam und holt sie schließlich nach Hall. Bevor es losgeht, testeten sie die Apps erst einmal selbst. „Es funktioniert technisch qualitativ sehr gut“, erzählt Mitarbeiterin Nika Seibert. Das Kino erhofft sich mit den Apps mehr Kinobesucher und will auch Senioren oder beeinträchtigten Menschen den Gang ins Kino ermöglichen. Dabei funktionieren die Apps unterschiedlich.

„Greta“ beschreibt für Menschen mit Sehbeeinträchtigung das, was sich normal nur durch das Bild erschließt: Wie sieht die Umgebung aus, wie ist die Mimik der Schauspieler oder was tragen sie für Klamotten. Der Kinogänger hört über seine mitgebrachten Kopfhörer alles über sein Smartphone.

Die App „Starks“ unterstützt taube oder hörgeschädigte Kinobesucher. Auf dem Smartphone erscheinen Untertitel sowie Umgebungsgeräusche parallel zum Film. Da bei „Starks“ das Handy noch in der Hand gehalten werden muss, arbeiten die Hersteller zurzeit an einer „Starks“-Datenbrille, die den Untertitel vor das Auge des Kinogängers auf die Leinwand wirft.

Im Kino kann ganz einfach bei Filmbeginn die App gestartet werden und die findet automatisch den richtigen Startzeitpunkt. In Hall sind bereits ungefähr 70 Prozent der Filme mit „Greta“ und „Starks“ zugänglich, dabei reicht das Genre von Blockbustern bis hin zum anspruchsvollen Arthouse-Kino. Dank der digitalen Technologie bietet das Kinocenter Schwäbisch Hall nun einen barrierefreien Kinobesuch für Jedermann.

„Greta“ und „Starks“ können beide kostenlos im Google-Play- oder Applestore heruntergeladen werden. Es gibt sie zurzeit für Smartphones oder Tablets für Android- und Apple-Geräte. Die Apps funktionieren außerdem nicht nur für die große Leinwand. Zu Hause bei einer gemütlichen DVD oder einfach vor dem Fernseher können die Apps jederzeit genutzt werden, wenn der entsprechende Film läuft.