Schwäbisch Hall / SONJA ALEXA SCHMITZ Die Heidelberger Akademie der Wissenschaften hat sich in einer Tagung mit dem "Tier in der Rechtsgeschichte" beschäftigt. Erstaunliches und Heiteres bringt der aus Hall stammende Andreas Deutsch davon mit.

Mag sein, dass es an der Popularität des Vortragenden in Hall liegt, dass die Kunsthalle Würth restlos gefüllt ist. Mag sein, dass die rund 100 Besucher das Thema neugierig gemacht hat: "Von gehängten Hunden und geheiligten Schwänen - die Beziehung zwischen Mensch und Tier in der Geschichte - rechtlich gesehen".

"Man könnte mit Adam und Eva anfangen", beginnt Andreas Deutsch, und das tut er dann auch. Die Schlange aus der Bibelgeschichte wurde zum Symbol. Sie steht für das Böse.

Mensch, Hund und Schlange kamen zur Strafe in einen Sack

In der Kunst sieht man sie häufig auf Gemälden, sich aus Trinkpokalen schlängeln. Der Betrachter weiß: Da ist Gift drin. In Gerichtssälen findet man manche Schlange, auf Bildern oder figürlich - eine Mahnung an den Übeltäter. Der geborene Haller und nun in Heidelberg tätige Wissenschaftler Deutsch zeigt per Beamer die passenden Kunstwerke.

Adam und Eva wurden aus dem Paradies verbannt, dies war die erste Strafsanktion in der Menschheitsgeschichte. Zum Thema Strafe fällt dem Vortragenden viel ein - es wird fesselnd. Wurde Eltern- oder Brudermord begangen, kam der Täter in einen Sack. Aber nicht alleine: Ein Affe, ein Kapaun (kastrierter Masthahn) und eine Schlange kamen hinzu und quälten den Menschen im gemeinsam ausgestandenen Todeskampf, der sie ergriff, wenn sie sodann im Meer versenkt wurden. Hinweise dazu fand man im "Klagspiegel", einem Haller Rechtsbuch. "War kein Meer vorhanden, tat es auch ein Gewässer, und statt eines Affen tat es auch ein Hund", ergänzt Deutsch mit verschmitztem Lächeln.

Im 16. Jahrhundert wählte man für Juden, die nicht konvertieren wollten, die so genannte Strafe "Hängen mit Hunden". Der Jude wurde gemeinsam mit zwei Hunden an den Füßen aufgehängt. Vor Panik und Schmerzen bissen die Hunde den Menschen zu Tode. Die Hunde wurden als Waffe eingesetzt, und mussten dabei selber sterben.

Die Heidelberger Wissenschaftler lasen aus alten Dokumenten, dass Tiere auch regelrecht verurteilt worden sind. Schweine kamen vor Gericht, weil sie ein Kind auf der Straße, wo die Tiere einst in Scharen umherliefen, tot getrampelt hatten. Es gab gar einen Pflichtverteidiger, der im Schweinekostüm seinen quiekenden Mandanten vertrat.

Deutsch liest einen alten Gesetzestext vor, der in schönster altdeutscher Sprache besagt, dass Mäuse, die über ein Feld hergefallen sind, dieses binnen so und so viel Tagen zu verlassen haben. Trächtigen und jugendlichen Mäusen wurde dafür mehr Zeit gewährt.

Es war aber wohl die erste Idee, die Menschen seinerzeit hatten, sich zu helfen gegen Tiere, die ihnen Schaden zufügten. In diesen Zeiten reichte Genugtuung. Schadensersatz kam erst später.

Deutsch springt geschickt von Tier zu Tier, von Jahrhundert zu Jahrhundert, und mischt interessante Fakten mit einer Prise Humor. Nach einer guten Stunde beendet er mit dem Satz, den er monoton, ohne Punkt und Komma, spricht: "Heute leben Mensch und Tier gleichberechtigt nebeneinander ich danke für Ihre Aufmerksamkeit."

Belohnt wird er mit einem goldfarbenen, lebensgroßen Huhn, überreicht von Sylvia Weber, der Direktorin der Kunsthalle Würth.

Info Dr. Andreas Deutsch ist Leiter der Forschungsstelle Deutsches Rechtswörterbuch an der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.