Fußgängerzone Schwatzbühlgasse weiterhin holprig

Vor Weihnachten fahren besonders viele Paket- und Lieferwagen durch die Schwatzbühlgasse. Der Grund: Sie passen nicht auf der Salinenstraße unter der Henkersbrücke durch und können nicht anders als durch die Fußgängerzone aus der Stadt rausfahren.
Vor Weihnachten fahren besonders viele Paket- und Lieferwagen durch die Schwatzbühlgasse. Der Grund: Sie passen nicht auf der Salinenstraße unter der Henkersbrücke durch und können nicht anders als durch die Fußgängerzone aus der Stadt rausfahren. © Foto: dd
Schwäbisch Hall / Tobias Würth 13.12.2018
Das Sanierungskonzept des Haalplatzes beinhaltet die Erneuerung der südlichen Schwatzbühlgasse bis zur Schulgasse. Wann der Rest folgt, ist offen. Das Problem bleibt der Lieferverkehr.

Es holpert schon sehr“, sagt Christel Schulz, die gestern mit dem Rollator die Schwatzbühlgasse ent­lang­ruckelt. Die 80-Jährige erinnert sich, dass die Straße früher schon uneben war. „Das war mit Stöckelschuhen und Kinderwagen schwierig“, sagt sie.

Auch Hartmut Baumann, der häufig dort als Gast im Buongiorno Italia zu sehen ist, richtet seinen Blick nach unten. „Dort liegt kein Pflasterstein am richtigen Ort“, sagt der FWV-Fraktionschef im jüngsten Bau- und Planungsausschuss. Den Stadträten war die Sanierung so dringlich, dass sie vor einem Jahr bei den Haushaltsberatungen die 130 000 Euro für die Planungen der Verkehrsführung in diesem Quartier vom Jahr 2019 aufs Jahr 2018 vorzogen.

„Das ist eine Baustelle. Die Strecke ist in einem katastrophalen Zustand“, betont Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim. Allerdings hat das der Chef der Verwaltung bereits vor zehn Jahren getan (siehe Info). Es seien immerhin aufblasbare Schläuche in die Kanäle eingezogen worden, die dort aushärten. Somit sei die akute Gefahr von Rohrbrüchen gebannt.

Die Oberflächensanierung wurde bisher auch deshalb noch nicht angegangen, da keine alternative Route für Lieferwagen mit einer Höhe von mehr als zwei Metern gefunden wurde. Die passen nämlich nicht unter der Henkersbrücke durch. Sie nutzen die Schwatzbühlgasse, um aus der Stadt zu fahren.

„Man muss den Bürgern mal sagen, wann was passiert“, fordert Baumann. Baubürgermeister Peter Klink entgegnet: „Wenn Sie dafür Geld im nächsten Doppelhaushalt zur Verfügung stellen, sind wir dazu bereit.“

Doch wann tut sich dann wirklich was? Fachbereichsleiter Holger Göttler kann auf Nachfrage keine exakte Jahreszahl nennen. Denn die Innenstadt könne nur eine Baustelle auf einmal vertragen. Die Durchfahrt für Anwohner, Lieferverkehr und Rettungsdienste gelte es freizuhalten und die Bauausführung zu ermöglichen.

Wie ein Dominospiel

Der Tagesordnungspunkt „Vollständige Sanierung des Hafenmarkts“ wurde gestern kurzfristig von der Tagesordnung genommen, um ihn zunächst genauer vorzuplanen.

„Das ist wie ein Dominospiel: Was fällt zuerst um?“, sagt Göttler. Ein sehr großer Stein ist die Sanierung des Haalplatzes. „Die wird mit Sicherheit nicht 2019 begonnen“, sagt Göttler. Es gelte die Entwürfe auszuarbeiten und die Ausschreibungen für die Handwerkerleistungen bis zum Herbst zu erstellen. Allein 10 300 Quadratmeter umfasse der Haalplatz; 6700 Quadratmeter die zu bearbeitende Fläche auf dem Unterwöhrd.

Hält die Schwatzbühlgasse die Belastung der vielen Baufahrzeuge überhaupt aus? „Sie wird danach nicht besser aussehen“, sagt Göttler.

Der Nachfolger von Eberhard Neumann und Peter Klink auf dem Posten des Fachbereichsleiters Planen und Bauen hat eine positive Nachricht auf Lager: „Das Wettbewerbsgebiet für den Haalplatz erstreckt sich auch auf den Teil der Schwatzbühlgasse zwischen Südwestbank und Schulgasse. Diese Strecke wird auf jeden Fall im Zuge der Haalplatzsanierung erneuert.“ Das ist immerhin knapp die Hälfte der Gasse.

Die Bauverwaltung käme dem Planungsauftrag des Gemeinderats nach, betont Göttler. 13 Lastwagen und 75 Sprinter würden pro Tag in die Haalstraße einfahren und müssten gegebenenfalls durch die Schwatzbühlgasse ausfahren. Das ergab eine Stichprobenzählung. Daher werde nun der Plan verfolgt, die Salinenstraße unter der Henkersbrücke um 40 Zentimeter tiefer zu legen und an der Engstelle einspurig zu machen. Der Fußgängerweg unter der Brücke bliebe auf der jetzigen Höhe und könne damit die zukünftige Promenade am Kocher aus der Haalplatzkonzeption fortführen.

Das Problem: Direkt unter der Salinenstraße verläuft der Hauptabwasserkanal Halls. Er müsste verlegt werden. „Der Abwasserbetrieb entwickelt dazu gerade ein Konzept“, sagt Göttler. Die Planungen seien auch deshalb so schwierig, da sich die Verwaltung mit einem Besitzer einer Garage in der Salinenstraße einigen müsse. Wie ist diese zukünftig zu erreichen, wenn die Straße abgesenkt wird?

„Es kann sein, dass die Brückendurchfahrt so abgesenkt wird, dass Sprinter, nicht aber die Maxisprinter mit 3,05 Metern Höhe durchpassen“, sagt Göttler. Er hofft: „Vielleicht kann man dann Lieferanten dazu bewegen, bei den Autos von Groß auf Klein zu wechseln.“

Lieferverkehr in der Fußgängerzone: ein Dauerthema

Im Jahr 2008 beklagt sich Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim in seinem jährlichen Vortrag beim Verein Alt Hall über den Lieferverkehr in der Innenstadt und benennt die Schwatzbühlgasse als Nadelöhr: „Die Aufenthaltsqualität, die man heute von einer Fußgängerzone erwartet, erfüllen wir nicht.“ Die Idee: Von der Henkersbrücke könnte ein Bogen entfernt und durch ein Metallelement ersetzt werden. So würden Lastwagen unten durchpassen. Aber: Deutsche zerstörten am Ende des Zeiten Weltkriegs die Brücke, um Feinde aufzuhalten. Nur der östliche Bogen hielt stand. Der steht nun unter Denkmalschutz.

Im Jahr 2013 schreibt die Zeitung: „OB Pelgrim wiederholt es bei fast jeder Gelegenheit: Die Entwicklung der Schwäbisch Haller Innenstadt steht und fällt mit der Zukunft der Schwatzbühlgasse.“ Er sagt: „Es dauert nicht mehr lang, bis wir hier sanieren müssen.“ Pelgrim präsentiert am 21. Oktober 2013 eine Brücke, die vom Haalplatz zur Mauerstraße führen soll. Die marode Schwatzbühlgasse wird als Argument ins Feld geführt, dass ein zweite Stadtausfahrt nötig ist. Die Brücke über den Kocher auf Höhe des Haalplatzes wird aber von den Stadträten abgelehnt. Ebenso wird die Idee, mit einer Rampe eine Spur der Salinenstraße hoch zur Neuen Straße zu führen, kritisch gesehen.

Im Jahr 2014 bescheinigt ein Ingenieurbüro, dass „kein Verkehrsproblem in der Stadtmitte vorliegt“. Nur der Lieferverkehr bereite Sorgen: Die Sperrzeit in der Schwatzbühlgasse, das hätten Zählungen ergeben, werde von einem Drittel der Fahrer ignoriert. Um die Kanäle unter der Schwatzbühlgasse zu sichern, wird dort mit einem Verfahren, bei dem man den Boden nicht aufgraben muss, ein Kunststoffrohr eingezo-
gen.

Im Jahr 2017 verfolgt die Bauverwaltung die Idee, die Salinenstraße unter der Henkersbrücke einspurig abzusenken. So würden zumindest die Sprinter-Lieferwagen durchpassen.

Im Jahr 2018 wird der Haalplatz neu geplant. Der Gemeinderat muss noch darüber entscheiden, ob der Sieger des Wettbewerbs den Zuschlag erhält. Mit im Konzept ist die Sanierung der Schwatzbühlgasse bis zur Schulgasse. Diese Sanierung wird aber erst ab 2020 umgesetzt. Wann die Absenkung der Salinenstraße und die vollständige Sanierung der Schwatzbühlgasse dran sind, bleibt offen. Zudem wird der Bau einer Brücke zwischen Lindach und Unterwöhrd vorbereitet.

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