Kreis Hall Schwarze Zahlen trotz Problemen

Das Ferkelchen tapst im Gras herum. So rosarot wie seine Ohren ist die Lage der heimischen  Ferkelerzeuger nicht,  obwohl die Zahlen der  UEG Hohenlohe-Franken gut ausfallen.
Das Ferkelchen tapst im Gras herum. So rosarot wie seine Ohren ist die Lage der heimischen Ferkelerzeuger nicht, obwohl die Zahlen der UEG Hohenlohe-Franken gut ausfallen. © Foto: Fotolia.com
Kreis Hall / Klaus Mende 24.07.2018
Die Schweineproduzenten blicken sorgenvoll in die Zukunft. Das wird bei  der Hauptversammlung der UEG Hohenlohe-Franken deutlich – auch wenn der Geschäftsbericht 2017 positiv ausfällt.

In wirtschaftlicher Hinsicht steht die Unabhängige Erzeugergemeinschaft (UEG) ordentlich da – dies betonten sämtliche Redner. Dennoch herrscht bei den Landwirten alles andere als eitel Sonnenschein. Grund für die Unzufriedenheit an der Basis sind die schlechter werdenden Rahmenbedingungen: mehr Bürokratie, Rückgang bei den Exporten und steigende politische Hürden. Gerade für die Ferkelerzeuger stellt sich die finanzielle Lage bisweilen existenzgefährdend dar. Die Zahl der Betriebe nimmt immer weiter ab.

Vorsitzender Matthias Frieß lobte in seinem Geschäftsbericht die „reibungslos“ über die Bühne gegangene Fusion von UEG Ferkel und Schlachttiere. Was die Mitglieder der Erzeugergemeinschaft angehe, sei 2017 „endlich wieder ein Jahr gewesen, in dem schwarze Zahlen geschrieben wurden“. Die Futterkosten hätten auf einem günstigen Niveau gelegen, zugleich seien die Erlöse höher gewesen als der Durchschnitt der Jahre zuvor. Nicht zu vergessen sei aber, dass vor allem für die Ferkelerzeuger die Vorjahre „katastrophal waren und viele Löcher noch nicht gestopft sind“.

Für das aktuelle Geschäftsjahr geht Matthias Frieß von einem „geringeren Preisniveau“ aus. Hauptgrund dessen sei unter anderem, dass die Exportmengen nach China deutlich rückläufig seien und andere Staaten verstärkt auf den Weltmarkt drängten, was sich negativ auf Preise und Erlöse auswirke.

Fünf K-Begriffe

Abseits des Marktes sieht Fries große Herausforderungen auf die Schweinehalter, speziell die Ferkelerzeuger, zukommen. Hierbei stünden vor allem die fünf K-Begriffe Kastration, Kupierverzicht, Kastenstand, Kennzeichnung und Klimaschutz im Fokus. „Die bürokratischen und politischen Mühlen mahlen langsam. Zu langsam“, lautete die Kritik von Fries.

Die Ferkelerzeugung werde es wegen der Hängepartie zum Thema betäubungslose Kastration „als Erstes mit voller Wucht treffen“. Es sei „ein Armutszeugnis für unsere Politik“, dass niemand den Mut habe, den Knoten zu durchschlagen und den vierten Weg mit lokaler Betäubung freizumachen. Spätestens seit der Herrieder Erklärung, bei der sich die gesamte Branche für dieses Verfahren ausgesprochen und auf den drohenden Strukturbruch hingewiesen habe, müsse jedem klar sein, um was es gehe.

Wie dies funktioniere, habe der Hauptwettbewerber Dänemark gezeigt. Dort sei in kürzester Zeit die lokale Betäubung durch den Landwirt, nach entsprechender Schulung, gestattet worden.

Von guten Zahlen berichtete Geschäftsführer Herbert Klein. Der Bruttoumsatz habe sich 2017 auf knapp 104 Millionen Euro belaufen. Da sich die UEG von der Hohenloher Fleisch & Wurstwaren getrennt habe, sei dies eine stattliche Steigerung im Vergleich zu 2016. Die Tierstückzahlen seien binnen eines Jahres um 4,3 Prozent auf über 904.000 gestiegen, wobei Ferkel (597.000) und Mastschweine (290.000) die überwiegende Menge ausgemacht hätten.

Was den Ferkelverkauf angehe, blieben gut 50 Prozent im Ländle. Weitere bedeutende Abnehmer seien Bayern und Niedersachsen. Bei den Mastschweinen würden drei Viertel der Tiere zum Schlachthof nach Crailsheim gebracht. Was die Preise für die Schlachttiere betreffe, habe sich die Situation in den letzten beiden Jahren entspannt.

Zukunft ernsthaft bedroht

Unterm Strich seien die Schweine erzeugenden Betriebe, was den Verdienst angeht, nicht über dem Berg, auch wenn sich das Ganze 2016/17 auf dem Papier ordentlich darstelle. Vor allem die Ferkelproduzenten hätten zu kämpfen. 2015/16 lag ihr Jahresverdienst im Schnitt bei gut 8000 Euro.

Herbert Klein sieht die Zukunft der baden-württembergischen Schweinehaltung ernsthaft bedroht, wenn es nicht gelinge, die Rahmenbedingungen zu verbessern. Er befürchtet, dass der Eigenversorgungsgrad bald unter die 50-Prozent-Marke sinke.

Die guten Zahlen, die im Rahmen der Hauptversammlung vorgelegt wurden, führten dazu, dass Vorstand und Geschäftsführung einstimmig entlastet wurden. Die Eigenkapitalquote sei glänzend, 2017 sei wieder ein Gewinn erwirtschaftet worden, man habe wieder eine ordentliche Summe den Rücklagen zugeführt.

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