Ethno-Jazz Schwarze Augen im Abendland

Der Posaunist Bernhard Vanecek wird in Hall begleitet von Ahmad Almir auf der Oud (Laute) und Asem Abdul Kareem auf Schlaginstrumenten.
Der Posaunist Bernhard Vanecek wird in Hall begleitet von Ahmad Almir auf der Oud (Laute) und Asem Abdul Kareem auf Schlaginstrumenten. © Foto: Andreas Dehne
Schwäbisch Hall / Andreas Dehne 14.03.2018

Es ist die Oud, die Ahmad Almir so meisterhaft spielt. Das ursprünglich wohl in Persien beheimatete Instrument kam dereinst auch mit den Mauren nach Europa. Sie gilt als Vorläufer der europäischen Laute. Der Syrer Almir spielt sie in der modernen doppelchörigen Ausführung mit sechs Saitenpaaren.

Begleitet wird er von Asem Abdul Kareem an der Darbuka, einer Bechertrommel aus dem Nahen Osten. Bernhard Vanecek als dritter im Bunde setzt den Reisenden in Sachen musikalisches Morgenland die imaginären Krone auf. „Orient trifft Okzident“ nennen sie ihr etwa 90-minütiges Programm, mit dem sie im Rahmen der Jazz-Reihe im Haller Club Alpha auftreten. Morgenland trifft Abendland. Und sie spielen ein russisches Lied: „Dark Eyes – Schwarze Augen“ kündigen sie es mit deutschem und englischem Titel an. „Ein Lied der Gypsies und der vielen Django Reinhardts.“

In der Version von Vanecek/Almir/Kareem wird daraus ein hörenswertes und überraschendes Klangerlebnis. Der Musikpädagoge Vanecek macht mit seiner gestopften Posaune (eine Saugglocke zur Abflussreinigung tut das ihre) aus dem russischen Meisterwerk eher einen etwas schmutzig klingenden New-Orleans-Jazz im Stil von Louis Armstrong.

„Wenn zwei Welten sich begegnen, entsteht immer etwas Neues“, ist sich Vanecek sicher. So spielen sie sich durch die Kulturen. Viele Lieder aus dem arabischen Raum, deren Titel schwer zu verstehen sind, einige Eigenkompositionen. Meist in so jazzigen und eigenwilligen Interpretationen, dass die Grenzen verschwimmen. Lieder aus Irland, Schweden und Schottland.

„Ein wenig Gregorianik“

„Vinden“ von Jan Ekedahl etwa: Das klingt genauso orientalisch angehaucht wie „Ungareska“. Ein Lied aus dem mittelalterlichen Minnegesang. „So schön kann Deutschland sein“, stellt Vanecek dazu augenzwinkernd fest. Er und seine Begleiter sind auf der Suche nach den Gemeinsamkeiten zwischen den Kulturen. Und sie finden viele.

Nicht nur musikalisch. Man erfährt, dass Schach aus dem Persischen kommt (Schah/König). Und dass die Dame im Original ein Minister war, sehr viel mächtiger als der König. „Es sollte einen schon nachdenklich stimmen, warum bei uns eine Dame aus dem Minister geworden ist.“

Die etwa 70 Besucher im Club Alpha sind begeistert. „Genau zwischen Prag und Paris geboren“, plaudert Vanecek zwischendurch in seinem echten Pfälzer Dialekt aus Schneckenhausen. Sehr zum Unverständnis seiner syrischen Band. „Irgendwann sind wir von den Bäumen herunter gekommen und haben in den Kirchen ein wenig Gregorianik gemacht“, beschreibt er fast schon kabarettistisch anmutend die Vorzüge des Abendlandes.

Das Trio „zelebriert“ ein Stück aus Mazedonien. Die Wurzeln von Bernhard Vanecek liegen sowohl dort als auch in Tschechien. „Jovano, Jovanke.“ Eröffnet mit einem Solo an der Oud. Grandios. Zum Träumen schön. Danach Vanecek, der mit seinem Zwillingsbruder Roland noch in zahlreichen anderen Projekten tätig ist. Sein Posaunen-Solo ist vom Feinsten. Es gibt Musiker, bei denen klingt selbst das Banalste genial. Das Trio Vanecek/Almir/Kareem verabschiedet sich unter großem Applaus mit dem Anspielen der in Hall wohlbekannten Melodie „Auf diese Steine ….“ Aus der Posaune eines solchen Ausnahmekünstlers klingt das richtig gut. Auch wenn manche der Zuschauer dabei etwas stöhnen.

Info Der Posaunist Bernhard Vanecek tritt am 21. April wieder im Club Alpha auf. Dann aber mit der „musikalischen Selbsthilfegruppe“.

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