Schmetterlings- und Wildblumen, aber auch Sedumsprossen finden sich auf dem Kreisverkehr „Gründle“ bei der Bühlertalstraße in Schwäbisch Hall. Diese insektenfreundliche Fläche hat beim Wettbewerb „Blühende Verkehrsinsel“ des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg die Auszeichnung „Goldene Wildbiene“ erhalten.
Die Schwäbisch Haller Bewerbung hat neben jener aus Crailsheim und Karlsruhe im Ministerium besonders überzeugt. Daher hat Verkehrsminister Winfried Hermann am Dienstag auf seiner Sommertour durchs Land dem Kreisverkehr einen Besuch abgestattet.
Die Stadt habe sich etwas einfallen lassen müssen, da rund ein Drittel des circa 750 Quadratmeter großen Kreisverkehrs für den Schwerlasttransport geschottert bleiben muss. Zwischen den Steinen wurden trockenheitsverträgliche Arten gepflanzt. Sogenannte Sedumsprossen, wie sie auch bei der Dachbegrünung zum Einsatz kommen, erklärt Katharina Hofmann von der Stadtplanung. Die momentan noch fast graue Schotterfläche des Kreisverkehrs soll in zwei Jahren grün sein. Wenn Schwertransporter, die mit Holz oder Windradteilen beladen sind, über den Schotterstreifen fahren, sollten sich die ausgesäten Sedumgewächse nach der Belastung wieder regenerieren, erklärt Stadtplaner Christian Mathieu.
Wespen, Bienen, Insekten in Schwäbisch Hall Hinterlistiges Vorgehen bei der Fortpflanzung

Schwäbisch Hall

Auf der Verkehrsinsel gibt es Nistplätze für Wildbienen

Außerdem gebe es viele offene Stellen, die von Wildbienen als Nistplätze genutzt werden. „Auch wenn die Stängel, die derzeit zu sehen sind, nicht so attraktiv aussehen, sind sie Lebensräume von Wildbienen“, verdeutlicht Hofmann.
Durch die ökologische Bepflanzung mit mehrjährigen Gewächsen leiste die Stadt auch einen Beitrag zur Nachhaltigkeit, sagt Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim. „Es geht um die Verantwortung unserer Gesellschaft für die Zukunft“, so das Stadtoberhaupt.
„Der Artenschwund schreitet auch in Baden-Württemberg immer schneller voran. Es ist daher besonders wichtig, Insekten wo immer möglich ihren Lebensraum zurückzugeben“, betont Minister Hermann. Anschließend überreicht er das angefertigte Schild „Goldene Wildbiene“ an Pelgrim. „Ein großes Schild kommt noch“, sagt er und lacht. Dadurch solle der Einsatz der Stadt für die Nachhaltigkeit für jeden sichtbar sein, der an dem Kreisverkehr vorbeikommt.
Die Delegation aus Minister, Stadtverwaltung, Gemeinde- und Kreisräten, Bundes- und Landtagsabgeordneten sowie Vertretern von Naturschutzverbänden lässt es sich nicht nehmen, den Kreisverkehr näher zu begutachten. Es wir gefachsimpelt über Mauerpfeffer und Kaukasus-Fetthennen.

Crailsheim

Drei Kreisel begrünt

Eingesät und nicht gepflanzt wurden die Gewächse im vergangenen Jahr, erklärt Stadtplaner Christian Mathieu. Neben dem Kreisel an der Bühlertalstraße sind auch noch jene bei der Ostumfahrung und beim Solpark hergerichtet worden. „Beim Solpark haben wir es mit einer einjährigen Mischung als Test versucht“, erklärt Mathieu. Als zielführender habe sich dann aber eine mehrjährige Mischung herausgestellt.
Zweimal im Jahr werden die Flächen gepflegt. Durch die Begrünung sollte auch ein schöner Übergang zur Landschaft entstehen. „Auf der einen Seite haben wir Streuobstwiesen und auf der anderen eine Ausgleichsfläche für das Gewerbegebiet“, so Mathieu.

Zehn Kommunen erhalten Auszeichnung


Das Verkehrsministerium Baden-Württemberg initiierte im Jahr 2018 erstmals den Wettbewerb „Blühende Verkehrsinseln“. Im Herbst 2019 erfolgte der Aufruf zur zweiten Wettbewerbsrunde. Bewerben konnten sich Kommunen, die blütenreiche Flächen auf Rastplätzen oder Kreisverkehren anlegen und damit einen Lebensraum für Wildbienen, Schmetterlinge und weitere Insekten schaffen. Aus den insgesamt 40 Bewerbungen hat die Fachjury zehn ausgewählt. Gewonnen haben neben Schwäbisch Hall, Crailsheim und Karlsruhe Bad Saulgau, Dornstadt, Ihringen am Kaiserstuhl, Meßkirch, Walzbachtal sowie der Bodenseekreis und der Rhein-Neckar-Kreis. kv