Es sind noch nicht einmal vier Minuten gespielt, als die Haller Siegchancen gegen Null zu sinken scheinen. Die TSG liegt schon 0:3 zurück, leistet sich einen erneuten Ballverlust. Heuchelbergs bester Werfer Nick Dzillack läuft beim Tempogegenstoß allein aufs Haller Tor zu und wird von Keeper Leon Hönig unsanft von den Beinen geholt. Schiedsrichter Michael Roll wertet die Aktion als grobes Foulspiel und zeigt glatt Rot. Da nützen auch die lauten Proteste von Haller Fans und Trainer Peter Dietrich nichts.

Da der zweite Haller Torwart Uli Burkhardt übers Wochenende verreist ist, hat die TSG nun ein Problem: Ein Feldspieler muss ins Tor.  Weil Linksaußen Sebastian Hönig in seiner Jugend einige Jahre zwischen den Pfosten stand, fällt die Wahl auf ihn.

Jede Parade bejubelt

Als es nach fünfminütiger Unterbrechung weitergeht, entwickeln die Heuchelberger mehr Wucht im Angriff. 2:7 und gegen Mitte der ersten Halbzeit 6:12 geraten die Haller ins Hintertreffen. Dabei hadern sie ein ums andere Mal mit dem Schiri: Nachdem ein Treffer von Heiko Hornef wegen Schrittfehlers nicht anerkannt wird, pfeift Roll beim anschließenden Gegenstoß Siebenmeter für Heuchelberg – statt 11:16 steht es 10:17. Und als beim 11:19 die Pausensirene ertönt, wagen wohl die wenigsten Fans noch auf eine Wende zu hoffen.

Doch die zweite Halbzeit hat es noch einmal in sich. Nachdem Sebastian Hönig in der ersten Hälfte anfangs noch ein paar haltbare Würfe durchließ, wird er mit seiner neuen Rolle als Torwart langsam warm. Jede Parade wird vom Haller Anhang frenetisch bejubelt. Die rund 100 TSG-Fans peitschen ihr Team noch einmal nach vorn, einige Mädels aus den Nachwuchs-Teams trommeln, was das Zeug hält. Auch der Heuchelberger Anhang macht sich lautstark bemerkbar – die Heilbronner Vorstädter sind mit rund 25 Fans nach Hall gereist.

TSG Hall holt auf, für einen Sieg reicht es aber nicht

Von der Hexenkessel-Atmosphäre offenbar angesteckt, holen die Haller allmählich auf, müssen jedoch nach 45 Minuten beim Stand von 18:25 einen erneuten Rückschlag hinnehmen. Nachdem Jan Stephan Heuchelbergs Nick Dzillack zu energisch am Wurf hindert, wird auch er mit Rot vom Feld geschickt. Dies jedoch scheint den Haller Kampfgeist weiter zu befeuern. Immer wieder suchen die Gastgeber nun Josip Kozul – jeder seiner wuchtigen Sprungwürfe aus dem Rückraum schlägt plötzlich im Heuchlberger Kasten ein.

Ludwigsburg

Vielleicht wäre die Aufholjagd noch mit dem Sieg belohnt worden, hätte sich am Ende nicht ein wenig Übermotivation eingeschlichen. Nachwuchshoffnung Robin Rieger gelingt ein sehenswertes Tor, eine Minute später will er mit dem Kopf durch die Wand und erhält wegen Offensivfoul eine Zwei-Minuten-Strafe. Auch Matthias Teinert, Leander Franz und sogar Trainer Peter Dietrich, als mit ihm die Emotionen durchgehen, bekommen in der Schlussphase Zeitstrafen aufgebrummt.

Nach Spielende versucht Peter Dietrich seine enttäuschten Spieler aufzumuntern. „Ich habe der Mannschaft gesagt, dass ich sehr stolz auf sie bin“, so der Coach. Trotz der Niederlage dürften die meisten Zuschauer mit einem guten Gefühl nach Hause gegangen sein. „In der zweiten Hälfte ein richtig geiles Spiel“, ist auf der Tribüne zu hören.

So spielten sie


TSG Hall – SG Heuchelberg

30:32

Schwäbisch Hall: Alexaner Bendl, Josip Kozul (9), Marco Stettenheim, Jan Stephan (4/1 Siebenmeter),  Robin Rieger (1), Leander Franz (3), Felix Nietzschmann (1), Lukas Bär (1), Heiko Hornef (7/3 Siebenmeter), Sebastian Hönig, Pascal Berger (1), Leon Hönig, Matthias Teinert (3)