Ein herzliches Grüß Gott, in dieser Stadt, die nun einen OB mit 60 hat“, begrüßt Erster Hofbursche Stefan Ebert die 200 Festgäste im alten Ratssaal.

„Bei uns zu Hause singt man ein Lied. Und das machen wir jetzt auch“, verkündet Peter Klink, der als Erster Bürgermeister der hauptamtliche Stellvertreter von OB Pelgrim ist. Mit „viel Glück und viel Segen“ wird Hermann-Josef Pelgrim am Mittwoch im Rathaus gefeiert. Klink bittet den ehemaligen Musikschulleiter Richard Beißer, ihm das Saxofon zu reichen. „Früher hat er mir als kleiner Bub das Saxofon gereicht. Jetzt ist es umgekehrt“, berichtet Musiklehrer Beißer. Zusammen spielen Schüler und Lehrer ein Ständchen.

Veranstaltung 60. Geburtstag von Oberbürgermeister Pelgrim: Empfang im Ratssaal

Gebhardt: Pelgrim ist „kein Volkstribun“

Die weiteren Musikstücke werden von den aktuellen Musikschulleitern – Florian Schellhaas und Susanne Kolb – vorgespielt und mit viel Applaus bedacht. Der Empfang wird von den Reden dominiert. Der Top-Manager von Würth, Professor Dr. Harald Unkelbach, hält den Festvortrag (siehe Info). Pelgrims politische Wegbegleiterin in der SPD, Evelyne Gebhardt, berichtet: „Ich bin glücklich, dass es gelungen ist, Hermann-Josef nach Hall zu holen.“ Sie habe 1997 als Europaabgeordnete Pelgrim geraten, in Hall als Oberbürgermeister zu kandidieren. „Er ist kein Volkstribun. Er ist keiner, der lieb zu allen sein will“, sagt Gebhardt. Doch das sei gerade seine Stärke. „Volkstribunen, die geliebt werden wollen, sind keine Menschen, auf die man vertrauen soll.“ Pelgrim hingegen „denkt, was er sagt“. Sie betont: „Er ist ehrlich. Und er ist feinfühliger als viele es sich vorstellen können. Hermann-Josef ist privat ein ganz anderer Mensch als er in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird.“

Oberbürgermeister Schwäbisch Hall Geburtstag: Hermann-Josef Pelgrim wird 60

Schwäbisch Hall

Das bescheinigt ihm auch der Stadtrat und ehrenamtlicher OB-Stellvertreter Hartmut Baumann. Er empfinde Solidarität mit Pelgrim seit der ersten Begegnung mit ihm.

Intendant Christian Doll lobt den OB für seine Beharrlichkeit beim Bau des neuen Globe-Theaters und bringt die Zuschauer mit einem Gedicht zum Lachen. Rosemarie Hörger vom Personalrat betont, dass es ihr eine Ehre sei, eine Laudatio zu halten. Sie stellt fest: „Eine weitere Amtsperiode unter Ihrer Herrschaft wäre möglich.“

Und was sagt der Jubilar selbst? Dem versagt bei seiner Bedankung kurz mal die Stimme. „Ich bin nah am Wasser gebaut“, entschuldigt er sich. Es sei zu früh, über eine potenzielle Kandidatur zu sprechen. „Schauen wir mal, wie es weitergeht. Das wird sich zeigen.“ Er sei gerne Oberbürgermeister und entwickelt im Schlusswort einen kosmische Dimension: „So lange die Sonne scheint und damit dem Planeten unermesslich viel schenkt, kann man auf der Erde viel anfangen.“

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Die Festrede: Herausforderungen für die Zukunft


Als Mathematiker ist Professor Dr. Harald Unkelbach ein Mann der Zahlen. Daher stellt er gleich mal die Frage, warum 60 eine Besonderheit ist? Das babylonische Zahlensystem kannte die 60 als Schwellenwert. „Es ist eigentlich blöd, um damit zu rechnen. Aber 60 und nicht 100 Sekunden sind seither eine Minute“, sagt Unkelbach.

Der Redner blickt zehn Jahre nach vorn, darum sei er vom Jubilar gebeten worden. Der Würth-­Manager fordert einen konsequenten Ausbau der Datennetze und zwar mit Gigabit-Leitungen. Während andere Länder eine nahezu 100-prozentige Abdeckung vorweisen, gebe es nur in zwei Prozent aller Gebiete in Deutschland ein schnelles Internet. Das sei aber eine Voraussetzung, um den Anschluss bei vielen Innovationen nicht ganz zu verlieren.

Derzeit würde Deutschland seine Vormachtstellung als Autoproduzent an China verlieren. Es gelte, Alternativen zu entwickeln. Alexander von Humboldt habe schon vor 150 Jahren den Einfluss des Menschen aufs Klima beschrieben. In Bezug auf Rechtspopulisten sagt er: Statt über Zukunftsthemen zu sprechen, „lassen wir uns viel zu oft von Leuten Diskussionen aufdrücken, die behaupten, dass sie das Volk seien. Dabei sind die nicht einmal ein Völkchen“. Unkelbach schließt: „Das alles klang für eine Festrede depressiv. Wir können viel, besinnen wir uns auf unsere Stärken.“