Kinder sind als Patienten oft sehr angenehm, auch wenn sie natürlich ihre Ängste zeigen. Es ist sehr schön mit Kindern zu arbeiten“, sagte Professor Dr. Hartmut Geiger kurz vor Beginn seines Ruhestands. 22 Jahre lang hat er die Kinderabteilung des Haller Diaks geleitet und sich gemeinsam mit Kollegen, den Krankenschwestern und -pflegern um die „liebenswerten kleinen Patienten“ gekümmert.

Im Mai 1977 war Geiger aus drei Bewerbern zum Chefarzt der Kinderabteilung gewählt worden. Für den damals 41-Jährigen spreche die „große fachliche und wissenschaftliche Qualifikation sowie seine ruhige Zuverlässigkeit und der Eindruck, dass er sich sowohl der kleinen Patienten wie auch deren Angehörigen im bestmöglichen Maße annehmen könnte“, hieß es in der Begründung. Am 1. Januar 1978 trat Geiger seine neue Position an.
Geboren wurde er am 29. August 1935 in einem kinderreichen Pfarrhaus in Schwäbisch Gmünd: „Von sieben Kindern hatte ich in der Mitte eine gute Position.“ Je nachdem, was anstand, konnte er sich zu den Großen oder zu den Kleinen zählen. Als Kind hätte er sich auch vorstellen können, Lokomotivführer oder Förster zu werden. Aber ihm sei bald klar geworden, dass Arzt das Richtige ist – „speziell Kinderarzt“.
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Erste Stelle in Heidelberg

Am Parler-Gymnasium in Gmünd machte er 1955 Abitur. Nach dem Medizinstudium in Tübingen, Freiburg und Wien trat er 1963 seine erste Stelle an der Universitäts-Kinderklinik in Heidelberg an, wo er ab 1965 unter anderem ein immunologisches Labor aufbaute. Zwei Jahre später wurde er Facharzt für Kinderheilkunde. 1970 erhielt er ein Stipendiat an der Universität Minneapolis.
1972 kehrte er zurück nach Heidelberg und arbeitete dort fortan als klinischer Oberarzt. 1973 folgte die Habilitation, 1976 wurde er zum Leiter der neuen Sektion Onkologie und Immunologie bestellt.

Dann lockte das Evangelische Diakoniewerk Schwäbisch Hall. Bei seinem Abschied in den Ruhestand erinnerte er sich an seinen ersten Arbeitstag in Hall: Er sei extra erst um 9 Uhr aufgetaucht, um „der Abteilung und mir etwas Zeit zu lassen“. Vor der Säuglingsstation habe eine Delegation aus Schwestern und Ärzten samt Pfarrer Gotthold Betsch schon einige Zeit auf ihn gewartet, um ihm zum Einstand ein Lied aus dem Gesangbuch zu singen – „das war mir peinlich“, erzählte er offen.
Ihm wurde schnell verziehen, denn Hartmut Geiger hat sich am Diak mit großem Herzen für seine kleine Patienten eingesetzt – und blieb dennoch bescheiden: „Ich hoffe, dass ich in der Zeit die Kinderabteilung, übrigens seit 1981 gemeinsam mit Dr. Fahr, ordentlich geführt und dass ich doch im Rahmen der finanziellen Probleme Etliches bewegt habe“, sagte er im Zeitungsinterview.
Geiger hat zum Beispiel eine Klinikschule für chronisch kranke Kinder aufgebaut – mit Lehrern, Psychologen, Erziehern, Ergotherapeuten und Seelsorgern. Die durchschnittliche Verweildauer der kleinen Patienten sank von durchschnittlich 21 auf fünf bis sechs Tage. Die starren Besuchszeiten in der Kinderabteilung wurden abgeschafft. Und Eltern bekamen die Möglichkeit, bei ihren Kindern in der Klinik übernachten zu können. Geiger hatte immer auch die Familien im Blick. Die Überlebenschancen für extreme Frühchen wurden verbessert.
Aber er machte keinen Hehl daraus, dass er um genügend Personal, Räume und Investitionen oftmals hart kämpfen musste – zuweilen auch ohne Erfolg. „Man merkt immer wieder, dass unsere Gesellschaft eigentlich nicht kinderfreundlich ist“, beobachtete der Arzt voller Sorge. Bei seinem Abschied aus dem Dienst hatte er einen Wunsch: einen „großzügigen, kindgerechten Neubau“. Dieser Wunsch ging erst 2014 in Erfüllung.
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Patienten erinnern sich an Dr. Hartmut Geiger

Hartmut Geiger ist am 23. Juni nach langer und schwerer Krankheit gestorben. Die Nachricht von seinem Tod hat bei vielen Menschen Erinnerungen geweckt, sagt seine Frau Suse Schmid-Geiger. Sie erzählt von einer früheren Patientin, die sich dieser Tage voll rührender Dankbarkeit an ihren feinfühlenden „Vampirdoktor“ von damals erinnerte – weil er so gut Blut abnehmen konnte. Hartmut Geiger pflegte eine zugewandte, bescheidene, ruhige und beruhigende Art.

Der Vater von vier Töchtern war auch ehrenamtlich aktiv: sei es als evangelischer Kirchengemeinderat in Gailenkirchen, Mitglied im Kirchenbezirksausschuss, Vorsitzender des Fördervereins für Diakonie und Nachbarschaftshilfe Gailenkir­chen-­
Gottwollshausen oder im Haller Krebsverein. Er hatte einen guten Draht zu den Menschen und war ein guter Zuhörer, was sich auch in seiner Musikleidenschaft zeigte. Als Kind lernte er das Flötespielen, bekam mit 14 Klavier- und mit 17 Orgelunterricht. Später war für ihn das Mitsingen in Chören ein guter Ausgleich zum beruflichen Stress.
Bereits ab 1991 spielte er in Gottesdiensten immer wieder die Orgel. Er legte die C-Prüfung ab und widmete sich im Ruhestand gerne diesem Hobby. Auch an der Musikschule war er ein beliebter Klavierbegleiter. Zwölf Jahre lang hat er den Arbeitskreis für Kirchenmusik an St. Michael in Hall geleitet. Zum Abschied erhielt er 2011 die Brenzmedaille. Hartmut Geiger: „Musik ist etwas ganz Wichtiges in meinem Leben.“

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