Am liebsten feiern die Mitglieder des Motorradclubs Schwäbisch Hall ihre jährliche Dreikönigsparty neben dem Vereinsheim an den Bahngleisen in der Hessentaler Grundwiesensiedlung. Am Samstagabend gegen 20.30 Uhr lodern dort zwar die Feuer in den alten Ölfässern – auch Harlem-Tonnen genannt – und in der Feuerstelle, doch die meisten Gäste halten sich in den beiden großen Räumen im Erdgeschoss und im Obergeschoss des ehemaligen Bahnwärterhäuschens auf. Es ist eben erst ein heftiger Schauer niedergegangen und die Temperaturen sind nahe der Null-Grad-Grenze.

Drinnen ist davon nichts zu spüren. Öfen verbreiten eine behagliche Wärme. Die Gäste tragen überwiegend dunkle Kleidung, viele Lederjacken sind auszumachen. Die Musik, natürlich Rock in allen Schattierungen und vor allem aus älteren Zeiten, ist noch dezent leise. Problemlos können die angeregten Gespräche geführt werden. „Das wird sich bald ändern“, sagt Vizepräsident Samuel Schien. Kutten, die Mitglieder von Motorradclubs oft tragen, sind beim MC Schwäbisch Hall verpönt. „Wir sind keine Rocker“, versichert Schien. Mit Rockerclubs habe man nichts zu tun.

An der Wand hinter der Theke ist die Schanklizenz angepinnt, die beim Ordnungsamt beantragt worden ist. „Das muss sein. Sonst dürften wir auch kein Essen verkaufen“, weißt der Vize. Saitenwürste und Paprikawürstchen schwimmen im heißen Wasser, auch Butterbrezeln sind im Angebot. Das Bier wird aus der Flasche getrunken, den Glühwein trinken die meisten mit Schuss.

Gute Nachbarschaft zwischen Motorradclubs

Den zivilen Charakter des Clubs unterstreicht auch Jürgen Wagner, der zur alten Garde gehört. Er berichtet von den Ausfahrten, von Freundschaften, die zu Nachbarclubs in Untermünkheim und Untersontheim bestehen, von Menschen, die trotz des Wegzugs aus Schwäbisch Hall noch immer Mitglieder im MC Hall sind.

Mit den Nachbarn in der Grundwiesensiedlung gebe es so gut wie keinen Streit. Im Gegenteil. Zum Sommerfest, das zur Sommersonnenwende gefeiert wird, kämen 400 bis 500 Leute. Dann wird ein großes Feuer entzündet. Es sei denn, es ist so trocken wie vor zwei Jahren. Dann wird auf Trick 17 zurückgegriffen: „Wir haben eine Leinwand aufgestellt und das Feuer kam per Beamer“, erklärt Wagner. Quasi so etwas wie das Kaminfeuer aus dem Fernseher. Trotzdem sei es gut angekommen.

MC Schwäbisch Hall: Die Zeiten haben sich geändert

Allzu sehr etepetete sollten die Gäste aber nicht sein. Der Ton ist etwas rauer als gewöhnlich, aber herzlich. „Streitfälle werden untereinander geregelt. Und dann ist das auch vorbei“, erklärt Samuel Schien die Regeln.

Mit dem Motorrad fährt an diesem Abend niemand vor. Die meisten wollen sich einen genehmigen, da passt das nicht. Das älteste Mitglied, Werner Seidel, kann sich noch an die Zeiten erinnern, als die 1,2-Promille-Grenze galt. Da sei das mit dem Fahren noch anders gewesen. „Das versucht man heute zu vermeiden“, erklärt Seidel. Er fährt immer noch und nennt zwei Moto Guzzi und eine Suzuki sein Eigen.

„Die Leute haben Kinder bekommen und deren Kinder sind heute auch hier“, blickt er auf die 47 Jahre des Clubbestehens zurück. Die Jüngsten befänden sich in der Aufwärmphase.

Gegen 21 Uhr kommen die Mitglieder der „Sturmtruppe“ aus Untermünkheim. Man begrüßt sich mit Abklatschen.

Nur um eines sorgt sich Jürgen Wagner: Was passiert, wenn die freien Flächen in der Grundwiesensiedlung in der Nähe zum Clubheim zu Bauland werden? Kann das Haus dann weiterbetrieben werden oder gibt es einen neuen Standort? 47 Jahre hat der Club überstanden, da sollte diese Frage auch gelöst werden können.